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Organic Cotton Circular

Stinkwanzen auf Bt-Baumwolle oder "Bt-Baumwolle gegen Bio Baumwolle"

08.2005, Saro G. Ratter

In den Diskussionen über die Machbarkeit von biologischem Baumwollanbau wird oft die Frage nach ökonomischen Ergebnissen im Vergleich zu genmanipulierter Baumwolle gestellt. In politischen Strategiepapieren wird biologische Baumwolle oft als sehr begrenzte Lösung für kleine Marktnischen beschrieben während genmanipulierte Baumwolle als reale Lösung für die Probleme des konventionellen Baumwollanbaus dargestellt wird. Viele Beiträge in den Medien berichten über riesige ökonomische und ökologische Gewinne durch Bt-Baumwolle, besonders in Entwicklungsländern wie Indien und Südafrika. Einige präsentierten genmanipulierte Anbaupflanzen sogar als die neue "grüne Revolution", die letztendlich dazu beitragen wird, den Hunger in der Welt zu verringern. Viele Wissenschaftler, Politiker und andere Entscheidungsträger sind versucht, diesen Versprechungen Glauben zu schenken. Genmanipulierte Baumwolle wird dazu verwendet, diese Technologie in Entwicklungsländern einzuführen. Aber es gibt immer mehr Berichte von Langzeitstudien, die ein anderes Bild zeichnen. Neue Schädlingsprobleme haben sich nach einigen Anbausaisons entwickelt und die meisten Baumwollbauern erzielen mit den Bt-Baumwollsorten keine wirtschaftlichen Verbesserungen. Dieser Beitrag bespricht diese kritischen Berichte über genmanipulierte Baumwolle.

Eine 5-Jahres-Studie von Biowatch in Südafrika hat gezeigt, dass kleine Baumwollbauern im nördlichen KwaZulu Natal, Südafrika, von der Bt-Baumwolle nicht profitiert haben. Eine Zusammenfassung der Studie wurde gerade in der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift "Seedling" von GRAIN veröffentlicht (http://www.grain.org/seedling/?id=330).

Weitere Erfahrungen mit Bt-Baumwolle in Südafrika werden beschrieben: "Alle Bauern müssen weiterhin gegen sekundäre Schädlinge spritzen, wie Blattläuse oder Zikaden, die sonst die Ernte verringern würden. Seit 2000 sind neue Schadinsekten aufgetreten und besonders Stinkwanzen haben großen Schaden angerichtet. Dies wird in Berichten aus den USA und China bestätigt, wo Stinkwanzen ebenso als eine größere neue Plage auftraten." (http://www.grain.org/seedling/#_23). Ein Zitat: "... die Ergebnisse sind eindeutig: die Bt-Baumwolle ist bei den Makhathini-Bauern gescheitert. Daraus ergibt sich auch, dass Bt-Baumwolle und viele andere genmanipulierte Anbaupflanzen bei den meisten Bauern in ganz Afrika scheitern wird. In Afrika sollten Kleinbauern in der Lage sein, eine Wahl zu treffen, die sie stärkt und ihnen Möglichkeiten bietet, die Nahrungssicherheit und nachhaltige Lebensräume sicherzustellen, nicht Abhängigkeit und Verschuldung."

GRAIN ist eine internationale Nichtregierungsorganisation (NRO), die nachhaltiges Management und die Verwendung von landwirtschaftlicher Biodiversität auf der Grundlage der Kontrolle der Menschen über genetische Ressourcen und lokale Kenntnisse fördert. GRAIN hat eine Webseite zu Bt-Baumwolle entwickelt, die ein ausgewogeneres Bild von den Erfahrungen der Bauern gibt und eine Reihe von Ressourcen zu Bt-Baumwolle zur Verfügung stellt (http://grain.org/go/btcotton).

Im Juni 2004 veröffentlichte GRAIN das Informationspapier "GM cotton set to invade West Africa. Time to act!". Das Papier ist das Ergebnis von Forschungen von GRAIN in Zusammenarbeit mit mehreren nationalen und regionalen Partnern in Benin, Burkina Faso, Mali und Senegal. GRAIN sprach mit Dutzenden von Wissenschaftlern, Bauern und VertreterInnen professioneller Organisationen aus dem Baumwollsektor in diesen Ländern. Dabei wurde auch über die Bedeutung von Bt-Baumwolle für ihre Gemeinden, Länder und Westafrika im allgemeinen reflektiert. Das Papier bezieht sich auch sehr stark auf die Erfahrungen anderer Länder wie Indien und Südafrika, wo Bt-Baumwolle bereits eingeführt wurde. Es soll Bauern und lokalen Gemeinden, ForscherInnen, NROs, EntscheidungsträgerInnen und MedienvertreterInnen helfen, die Auswirkungen von Bt-Baumwolle für Westafrika zu verstehen. (http://www.grain.org/briefings/?id=184)

Aaron deGrassi, ein Forscher am Institute of Development Studies an der Universität Sussex veröffentlichte 2003 eine Studie zu "Genetically Modified Crops and Sustainable Poverty Alleviation in Sub-Saharan Africa: An Assessment of Current Evidence" (Genetisch veränderte Anbaupflanzen und nachhaltige Armutslinderung in Sub-Sahara-Afrika: eine aktuelle Bestandsaufnahme) (http://allafrica.com/sustainable/resources/00010161.html). Jonathan Matthews vom Institute of Science in Society in London, GB, kommentierte die Studie. Er schreibt, dass der Bericht zu dem Schluss kommt, dass genmanipulierte Anbaupflanzen die wahren Ursachen von Armut und Hunger in Afrika nicht angehen. Eine sorgfältige Analyse der Vorzeigeprojekte der Biotech-Industrie in Afrika ergibt, dass genmanipulierte Anbaupflanzen für Afrika irrelevant sind.

Die analysierten Vorzeigeprojekte sind u.a. genmanipulierte Baumwolle von Monsanto in der Makhitini-Ebene in Südafrika, ein Projekt mit genetisch verändertem Mais der Syngenta Foundation in Kenia sowie ein anderes kenianisches Projekt mit genetisch veränderten Süßkartoffeln von Monsanto, der Weltbank und USAID. Alle waren von der Industrie als große Erfolge für Kleinbauern in Afrika herausgestellt worden.

Die Erfahrungen anderer Länder mit genmanipulierter Baumwolle:
USA

Zunehmende Probleme mit anderen Schädlingen nach der Einführung von Bt-Baumwollvarietäten werden in einem Papier zu "Plant bugs increasing nuisance in cotton" ("Zunehmende Beeinträchtigungen durch neue Schädlinge im Baumwollanbau") von David Bennett, Delta Farm Press, 24. Feb. 2005, (http://deltafarmpress.com/news/050224-plant-bugs) auch aus den USA berichtet.

Eine Pressemitteilung mit dem Titel "GM Cotton Fiascos Around the World" (Fiaskos mit genmanipulierter Baumwolle weltweit) von ISIS (Institute of Science in Society in London, GB) vom 26.01.05 zählt die negativen Erfahrungen in vielen Ländern auf. In einem Auszug aus dem Kapitel über die USA heißt es, dass "in einer Untersuchung zu Bollgard Baumwolle, die in North Carolina zwischen 1996 und 2003 von dem Entomologen Jack Bacheler der North Carolina State University Extension durchgeführt wurde, Veränderungen in den Insektenpopulationen festgestellt wurden, so dass der Schaden durch Baumwollkapselwürmer zwar abnahm, die Probleme mit Stinkwanzen hingegen zunahmen. (http://www.i-sis.org.uk/GMCFATW.php)

Indien

In einer Pressemitteilung von ISIS vom 3.5.2005 heißt es, dass der Betrug mit Bt-Baumwolle in Indien damit beginnt, dass "Monsanto die indischen Baumwollbauern mit Füssen tritt und dabei einen Sog von falschen Behauptungen und gefälschter Information nach sich zieht, obwohl sie in Indonesien bereits wegen Bestechung mit einer Geldstrafe belegt wurden." Die vollständige Pressemitteilung ist nachzulesen unter http://www.i-sis.org.uk/IBTCF.php

Am 3. Juni 2005 verbot die Regierung in Andhra Pradesh den weiteren Verkauf von Bt-Baumwollsorten von Monsanto Mahyco. Für Nachrichten über das Verbot siehe: 'Angry Andhra uproots Monsanto - Indian state bans corporate bully' (http://www.gmwatch.org/archive2.asp?arcid=5326)

Die "Times of India" vom 4.6.2005 berichtet über die Mängel der Baumwolle von Monsanto: Neuere Untersuchungen von WissenschaftlerInnen des Gokhale Institute of Politics and Economics (GIPE) an Bt-Baumwollpflanzungen von Monsanto in Maharashtra belegen, dass die Kosten bedeutend höher sind als für Nicht-Bt-Baumwolle. Sie berichten auch von zahlreichen Beschwerden darüber, dass die Bt-Baumwolle unter dem Baumwollkapselwurm und anderen Schädlingen und Krankheiten leidet. Die Forscher empfehlen, dass die Regierung ermitteln solle. Falls sich bestätigen sollte, dass Bt-Baumwolle von dem Schädling befallen wird, sollte sie nicht nur die Bauern dabei unterstützen, angemessene Entschädigungen zu erhalten, sondern auch die Firmen "wegen irreführender Werbung für ihren Saaten" bestraften. (http://timesofindia.indiatimes.com/articleshow/1132562.cms)

China

Die bereits erwähnte Pressemitteilung von ISIS "GM Cotton Fiascos Around the World" (Fiaskos mit genmanipulierter Baumwolle weltweit) schreibt über die Erfahrungen in China: "... ein chinesischer Forscher berichtet, dass die Technologie nicht nur in sechs bis sieben Jahren nutzlos sein wird, sondern dass 'sie eine Katastrophe bewirken könnte'. Liu Xiaofeng, ein Forscher aus Henan, ..., sagte gegenüber Reuters, dass der Baumwollkapselwurm tatsächlich Resistenzen entwickelt und nach 20-30 Generationen bzw. in sechs bis sieben Jahren nicht mehr für Bt-Baumwolle empfindlich sein wird. Zudem werden durch Bt-Baumwolle Sekundärschädlinge wie die Wanzen der Gattung Lygus nicht effizient unter Kontrolle gebracht."

Lius Arbeit wurde von einer anderen Studie unterstützt, die im Oktober 2004 veröffentlicht wurde, wonach Bt-Baumwolle die Gesamtzahl von Instektizid-Sprays nicht reduzierte, weil zusätzliche Sprays gegen saugende Schädlinge notwendig wurden. (http://www.i-sis.org.uk/GMCFATW.php)

Indonesien

Bereits am 14. Februar 2001 berichtete ISIS, dass genmanipulierte Baumwolle in Indonesien gescheitert ist. Entgegen der Behauptung von Monsanto erlag die genmanipulierte Baumwolle der Trockenheit und Insektenplagen, während eine einheimische Art gut gedieh. (http://www.i-sis.org.uk/indonesia-pr.php).

Die Geschichte wird noch fortgesetzt in der Pressemitteilung "GM Cotton: Corruption, Hype, Half-truths and Lies" (Genmanipulierte Baumwolle: Korruption, Medienrummel, Halbwahrheiten und Lügen). Monsanto wurde gerade vom US Justizministerium eine Geldstrafe von 1,5 Millionen US$ für die Bestechung eines hohen indonesischen Umweltschutzbeamten auferlegt. Es handelte sich um einen erfolglosen Versuch, die Anforderung für eine Umweltverträglichkeitsprüfung der Bt-Baumwollpflanzen zu umgehen. (http://www.i-sis.org.uk/GMCCHHTAL.php).

Australien

Am 26.1.2005 berichtete ISIS, dass die Biotech-Industrie und Bauern in Australien eine Gruppe mit 100.000 AUS$ finanzieren, die sich "Agrifood Awareness" nennt und über eine verpflichtende Forschungs- und Entwicklungsabgabe das Mandat hat, "bedeutungsvolle Meinungen zu genmanipulierten Organismen zu lenken". Ihr Biotech-Bulletin "GM Cotton Adoption", das auch den Rahmen der 12. Australischen Baumwollkonferenz steckte, gab einen missverständlichen Eindruck vom Ausmaß der Verwendung von genmanipulierter Baumwolle weltweit. Siehe auch http://www.i-sis.org.uk/GMCFATW.php.

Aber es gibt auch Aktivitäten anderer Gruppen in Australien. Kritische Blicke auf genmanipulierte Baumwolle und andere genmanipulierte Anbaupflanzen finden sich auf der Homepage des Australian Network of Concerned Farmers unter http://www.non-gm-farmers.com/index.asp.

Fazit

Die erwähnten Berichte zeigen, dass viele Erfolgsgeschichten über genmanipulierte Baumwolle auf Kurzzeitstudien oder isolierten Fällen beruhen. WissenschaftlerInnen und die Industrie zeichnen ein falsches Bild. Langzeitstudien und die Erfahrungen von Bauern nach mehreren Jahren weisen darauf hin, dass die meisten Bauern keine wirtschaftlichen und ökologische Verbesserungen erzielen. Die Berichte sollten dazu benutzt werden, die EntscheidungsträgerInnen in den Entwicklungsländern und in der Entwicklungszusammenarbeit vor der Einführung dieser Technologie in anderen Entwicklungsländern zu warnen (wie z.B. Bt-Baumwolle in Westafrika)

Gleichzeitig sollten mehr systemische Untersuchungen zu biologischem Baumwollanbau durchgeführt werden, um sein Potential für die Lösung der Probleme von Kleinbauern aufzuzeigen.

Weitere Informationen: siehe Links im Text

Autor: Saro Gerd Ratter; bioSim e.K., Germany; Saro_R@web.de; http://www.biosim-online.de