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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Ägyptens Baumwollanbau durch Chlorpyrifos belastet

30.06.2010, PAN Germany, Alexandra Perschau

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Mai / Juni 2010

Ein ägyptisch-US-amerikanisches Forscherteam leitet aus einer Untersuchung über Zusammenhänge zwischen neurologisch bedingten Verhaltensdefiziten und der Belastung durch Organophosphate bei Pestizidanwendern in Baumwollanbau dringenden Handlungsbedarf ab.1

Jüngere Forschungsergebnisse zeigen starke neurologisch bedingte Verhaltensdefizite bei ägyptischen Baumwollarbeitern, die mit der Anwendung von Organophosphat-Pestiziden assoziiert wurden. Um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen, hat nun ein ägyptisch-US-amerikanisches Forscherteam eine Studie zur Chlorpyrifos-Exposition im ägyptischen Baumwollanbau durchgeführt. Es wurden Erkenntnisse aus einer berufsbezogenen Erhebung, von Beobachtungen am Arbeitsplatz und die Untersuchung von Luft-, Haut- und Urinproben von Anwendern, Facharbeitern und Ingenieuren ägyptischer Baumwollanbaubetriebe zusammengeführt.

Wegen der hohen wirtschaftlichen Bedeutung der Baumwolle für Ägypten wird die Produktion der Faserpflanze dort staatlich kontrolliert. Der Pestizideinsatz erfolgt unter Aufsicht des Landwirtschaftsministeriums bzw. dessen Bezirksbüros. In den Bezirken wiederum werden die vom Ministerium bereitgestellten Pestizide und Geräte an sogenannten "Field Stations" ausgegeben. Dort sind Angestellte drei verschiedener Kategorien beschäftigt. Pestizidanwender, die mit Rückenspritzen die Pestizide ausbringen, Facharbeiter, die mit den Anwendern durch die Felder laufen und diese dirigieren bzw. auf besonders mit Schädlingen befallene Stellen hinweisen, und Ingenieure, die meist vom Feldrand aus die Pestizidausbringung überwachen. Auf diese Weise ist der Pestizideinsatz im Baumwollanbau im gesamten Land standardisiert. Die Ergebnisse der Untersuchung lassen daher weitreichende Schlüsse zu.

Die Studie zeigt, dass Pestizidanwender und Facharbeiter stark über die Haut und die Kleidung mit Chlorpyrifos in Kontakt kamen, vor allem durch die Berührung des mit Pestiziden behandelten Blattwerks der Baumwollpflanzen. Die Untersuchung von Haut- und Urinproben belegt eine erhebliche Belastung mit Chlorpyrifos bzw. mit Metaboliten (Abbauprodukten) von Chlorpyrifos. Die gemessenen Chlorpyrifos-spezifischen Metaboliten weisen bei den ägyptischen Baumwollarbeitern einen 1300-fach höheren Wert auf als die Hintergrundbelastung der US-Bevölkerung, wie sie vom US-Amerikanischen Centre for Disease Control gemessenen wurde. Aus Sicht der Wissenschaftler zeigt die Untersuchung die Notwendigkeit, bei der Berufsgruppe weiter die neurologisch bedingten Fähigkeiten bzw. Defizite und die Pestizidexposition zu untersuchen. Als noch wichtiger erachten die Autoren des Artikels aber die Änderung der Arbeitspraktiken.

(Alexandra Perschau)

1 Farahat FM et al (2010): Chlorpyrifos exposures in Egyptian cotton field workers. NeuroToxicology Vol 31. Issue 3, 297-304

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