jump directly to content.
Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

Quer Menue

Kinder mit Pyrethroiden belastet

30.06.2010, PAN Germany, Susanne Smolka

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Mai / Juni 2010

Als Alternative zu giftigen Pestiziden der Gruppen Organophosphate und Carbamate angepriesen, bestimmt die Wirkstoffgruppe der Pyrethroide seit geraumer Zeit den Markt für Haushaltsinsektizide. Ein repräsentatives Biomonitoring der US-amerikanischen Bevölkerung zeigt, dass Kinder besonders hoch mit solchen Stoffen belastet sind.1

Sie heißen Permethrin, Cypermethrin, Emphentrin oder Esbiothrin. Die große chemische Gruppe der Pyrethroide basiert auf dem molekularen Grundgerüst des Chrysanthemenextraktes Pyrethrum. Daher werden Pyrethroide gern werbewirksam als "von der Natur abgeschaut" angepriesen. Allerdings gibt es gravierende Unterschiede zum Naturprodukt. Der wichtigste: Die synthetischen Pyrethroide sind viel langlebiger. Aus diesem Grund sind mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken gesondert zu bewerten. Hinsichtlich ihres Gefährdungspotenzials stehen die Pyrethroide unter den Verdacht, hormonell wirksam und reproduktionstoxisch zu sein. Zudem sind die Stoffe reizend für Haut und Augen und können allergische Reaktionen wie Asthma und Kontaktdermatitis auslösen. Permethrin wird von der US-Umweltbehörde EPA als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Kurzum, es handelt sich um vergleichsweise bedenkliche Stoffe.

Dennoch, die zahlreichen pyrethroidhaltigen Schädlingsbekämpfungsmittel wie Insektensprays, Verdampfer oder Gele, werden häufig dem unausgebildeten Laien angeboten und sind in Supermarkt, Baumarkt oder Drogerie frei und ohne Beratung zu erwerben.

In einer groß angelegten, repräsentativen Untersuchung der US-Bevölkerung wurde die Exposition mit Pyrethroiden analysiert. Insgesamt wurden 5.046 Urinproben von Personen im Alter über 6 Jahre auf jeweils 5 Metabolite (Abbauprodukte) von Pyrethroiden untersucht.

Viele Pyrothroidinsektizide werden über einen gemeinsamen Metaboliten, 3-Phenoxybenzoesäure (3PBA) abgebaut. Bei der Auswertung der Daten zeigte sich in der Studie, dass die gefundenen Anteile weiterer Metabolite darauf schließen lassen, dass 3PBA hauptsächlich aus den Pyrethroiden Permethrin und Cypermethrin gebildet wurde.

Die Resultate des mehrjährigen Surveys zeigen ebenfalls eine breite Belastung der Bevölkerung mit Pyrethroiden bzw. ihren Abbauprodukten. 3PBA konnte in über 70% der Proben nachgewiesen werden. Außerdem wurde festgestellt, dass die mittleren Konzentrationen von 3PBA bei Kindern signifikant höher sind als die bei Jugendlichen oder Erwachsenen.

Die US-Resultate sind vergleichbar mit denen des bundesdeutschen Human-Biomonitorings. Die neue Analyse von 2009 bestätigt die festgelegten deutschen Referenzwerte für Pyrethroide2. So liegt die mittlere Belastung von Kindern zwischen drei und 14 Jahren bei 0,49 µg 3PBA/l Urin. Der daraus abgeleitete Referenzwert (95. Perzentil) für 3PBA beträgt 2 µg/l für Kinder.

Fakt ist, mittlerweile gehören Pyrethroidexpositionen zum Alltag. Nach der Datenbank des Bundesamtes für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (BAuA) sind allein 1.036 permethrinhaltige Schädlingsbekämpfungsmittel gemeldet.

(Susanne Smolka)

1 D.B. Barr et al. (2010): Urinary Concentrations of Metabolites of Pyrethroid Insecticides in the General U.S. Population: National Health and Nutrition Examination Survey 1999-2002, Environmental Health Perspectives, doi: 10.1289/ehp.0901275 (verfügbar unter http://dx.doi.org/), online 3.2.2010 auf ehponline.org
2 Umweltbundesamt (2009): Neue und aktualisierte Referenzwerte für Schädlingsbekämpfungsmittel: Organophosphat- und Pyrethroid-Metabolite im Urin von Kindern in Deutschland, Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 2009, 52:964-968, PDF unter: http://www.umweltdaten.de/ gesundheit/monitor/refwerte_biozide_urin_ kinder_2009.pdf

© 2017 PAN Germany Seitenanfang PAN Germany, validieren