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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Wachstum der Grünen Gentechnik angezweifelt

30.06.2010, PAN Germany, Alexandra Perschau

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Mai / Juni 2010

Alljährlich veröffentlicht der Pro-Gentechnikverband ISAAA im ersten Quartal des Jahres Daten zur Entwicklung des Anbaus von Gentech-Pflanzen. Auch in diesem Jahr feiert der Verband wieder die wachsende Verbreitung des gentechnisch veränderten Saatgutes.1 Doch inzwischen wachsen die Zweifel an der Verlässlichkeit der Zahlen. Greenpeace hat in einer Presseerklärung auf die weltweite Stagnation bei Anbau und Entwicklung der manipulierten Saat hingewiesen.2

Sind im vergangenen Jahr tatsächlich wieder weltweit mehr Gentech-Pflanzen angebaut worden? Die alljährlich vom Interessenverband ISAAA veröffentlichten Angaben zum Anbau und zur Verbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen werden schon seit einiger Zeit kritisch hinterfragt. Zur Statistik 2009 zweifelt Greenpeace zumindest Teile des Zahlenwerks an.

ISAAA berichtet von immerhin 25 Ländern, die kommerziell gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen. Eine Fläche von 134 Mio. Hektar wurden mit genveränderten Pflanzen (Soja, Mais, Baumwolle, Raps, Zuckerrüben, Kürbis, Papaya, Alfalfa und Paprika) durch mehr als 14 Mio. Farmer bestellt. Nach Ansicht von Greenpeace wird der größte Anteil der Gentech-Pflanzen in nur 4 Ländern angebaut, den USA, Argentinien, Brasilien und Kanada. Mehr als 90% der landwirtschaftlichen Fläche weltweit sei gentechnikfrei. In der EU seien 2009 im Vergleich zum Vorjahr sogar 11% weniger Gentech-Pflanzen angebaut worden. "Von einer florierenden Grünen Gentechnik kann nicht die Rede sein", meinte daher Martin Hofstetter von Greenpeace.

So sehr diese Einschätzung für Europa zutreffen mag, bereitet die weite Verbreitung von Bt-Baumwolle den Bauern in Indien gleichwohl massive Probleme. Es wird immer schwieriger, gentechnikfreies Saatgut zu bekommen. Zahlreiche Bio-Projekte sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Gemeinsame Anstrengungen, insbesondere im Saatgutbereich sind notwendig, um weiter gentechnikfreie Baumwolle anbauen zu können. Und mittlerweile ist auch Afrika ein beliebtes Lobby-Ziel der Gentech-Industrie. Mit dem kommerziellen Anbau von Bt-Baumwolle in Burkina Faso ist die Tür für die Gentechnik in Afrika wieder ein Stück weiter aufgegangen. Ungeachtet der ökologischen Probleme ist die Grüne Gentechnik für die Kleinbauern, in Indien wie in Afrika, ein ökonomisches Vabanquespiel: wetterbedingte Ernteausfälle oder fallende Weltmarktpreise für den Rohstoff können bei hohen Saatgutpreisen schnell in die Schuldenfalle führen.

(Alexandra Perschau)

1 ISAAA (2010): Global Status of Commercialized Biotech/GM Crops: 2009, ISAAA Briefs 41-2009, Executive Summary, http:// www. isaaa.org/resources/publications/briefs/ 41/executivesummary/pdf/Brief%2041%20-%20Executive%20Summary%20-%20 English.pdf (18.5.10)
2 Stotz S (2010): Gentechnik-Lobby bauscht Anbaustatistik auf. Greenpeace: Gen-Pflanzen in Europa auf dem Rückzug. Presseerklärung vom 23.2.2010. http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/presseerklaerungen/artikel/gentechnik_lobby_bauscht_anbaustatistik_auf/

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