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Endosulfan wird in den USA zum Auslaufmodell - globales Verbot soll nun folgen

18.06.2010, PAN Germany

Bio-BaumwollfeldDie amerikanische Umweltbehörde EPA hat am 9. Juni 2010 beschlossen, die Nutzung des giftigen und persistenten Insektizids Endosulfan in den USA zu beenden. Die EPA begründet die Entscheidung mit den unakzeptablen neuro- und reproduktionstoxikologischen Risiken des Wirkstoffes für Farmarbeiter und Tiere und mit dessen Langlebigkeit in der Umwelt. PAN-Gruppen in allen Weltregionen feiern die Entscheidung der EPA und hoffen nun, dass damit das globale Verbot von Endosulfan näher gerückt ist.

Endosulfan ist ein im Baumwollanbau und vielen anderen Anbaukulturen genutztes Insektizid. In den USA ist es seit den 1950er Jahren registriert und zur Anwendung bei verschiedenen Gemüsen und Früchten, Ziergehölzern und in Baumwolle zugelassen. Die intensive Nutzung von Endosulfan war in den USA zwischen 2006 und 2008 beim Anbau von Tomaten, Kürbis, Kartoffeln, Äpfeln und Baumwolle verzeichnet worden.

Endosulfan FassNach Abschluss einer neuen Risikobewertung ist die EPA zu dem Schluss gekommen, dass die signifikanten Risiken von Endosulfan für Natur und Landarbeiter die begrenzten Vorteile für Landwirte überwiegen. Der Hersteller von Endosulfan befindet sich nun in einem Diskussionsprozess mit der EPA, um freiwillig die Nutzung von Endosulfan zu beenden. Details hierzu werden derzeit erarbeitet.

"Diese Entscheidung ist ein seit langem fälliger Sieg für die Landarbeiter, die mit diesem Gift arbeiten mussten, für die Familien, die neben den gespritzten Feldern leben, und für die indigenen Gruppen in der Arktis, die dem Wirkstoff über ihre traditionelle Nahrung ausgesetzt sind," erklärt Karl Tupper, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei PAN Nordamerika.

Endosulfan ist ein Wirkstoff der flüchtig und persistent (langlebig) ist und deshalb ein hohes Potenzial zur Bioakkumulation in aquatischen und terrestrischen Organismen aufweist. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen dokumentieren die weiträumige Verbreitung auf dem gesamten Erdball und eine nachfolgende Anreicherung in fast allen Umgebungsmedien. Endosulfan ist in Luft, Wasser, Sedimenten und Flora und Fauna allgegenwärtig, tausende Kilometer von Anwendungsgebieten entfernt.

Die Entscheidung in den USA ist nun in allen Erdteilen Anlaß für die PAN-Hoffnung, dass Endosulfan endlich auch der Stockholmer Konvention zur weltweiten Beseitigung von Dauergiften (persistant organic pollutants - POPs) unterworfen wird. Die USA folgen mit dem Verbot mehr als 60 weiteren Staaten, darunter die 27 EU Mitgliedsländer. Dieser Schritt nimmt den wenigen verbliebenen Befürwortern des Insektizids bei den kommenden Verhandlungen zur Stockholmer Konvention viel Wind aus den Segeln. Indien und China werden sich nun eine neue Strategie einfallen lassen müssen, wenn im kommenden Jahr die Verhandlungen zum Endosulfan-Verbot auf der Agenda der Vertragsstaatenkonferenz der Stockholmer Konvention stehen wird. Denn deren Hauptargument gegen das globale Verbot war bislang die Zulassung in den USA.

Mehr Informationen:

  1. Weiteres zur Entscheidung der USA finden sie direkt bei der Amerikanischen Umweltbehörde EPA unter http://www.epa.gov/pesticides/reregistration/endosulfan/endosulfan-cancl-fs.html
  2. und bei PAN Nordamerika unter http://www.panna.org/newsroom/20100609.
  3. Die Publikation "Living with Poison" (http://www.pan-uk.org/Publications/Publist.htm) von PAN UK aus dem Jahr 2006 zeigt die mit dem Einsatz von Endosulfan verbundenen Probleme im Baumwollanbau in Westafrika auf. Dort ist Endosulfan inzwischen ebenfalls verboten.
  4. Die Publikation "Phasing in Alternatives zu Endosulfan" erörtert das Thema Endosulfan-Alternativen. Sie finden Sie unter: http://www.pan-germany.org/deu/projekte/ag_alternativen.html

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