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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Shropshire-Schafe bekämpfen Unkräuter in Obstanlagen

30.04.2010, Michael Ruhnau, Pomologen Verein e.V.

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief März / April 2010

Shropshire-Schafe werden bereits seit Jahren erfolgreich dafür eingesetzt, den Unterwuchs in Weihnachtsbaumkulturen kurz zu halten. Diese englische Schafrasse eignet sich für diese Aufgabe, weil sie - anders als die meisten anderen Schafrassen - kaum Interesse an Bäumen zeigt und weder Rinde noch Triebe schädigt.

Am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee in Bavendorf wurde 2006 mit einem Versuch in drei verschiedenen Anlagen begonnen, der Aufschluss darüber liefern sollte, ob sich die Rasse auch dafür eignet, den Unterwuchs in Obstanlagen kurz zu halten. Praktische Erfahrungen mit den Tieren deuten darauf hin und legen nahe, dass die Tiere neben dem unkrautreduzierenden Einfluss auch dazu beitragen, durch das Vertilgen von Falllaub den Infektionsdruck des Schorfpilzes (Venturia inequalis) zu vermindern. Der Versuch zeigte, dass ein Einsatz von Shropshire-Schafen in Obstanlagen ohne Schaden für die Bäume möglich ist und lieferte folgende Ergebnisse:

Shropshire-Schafe erwiesen sich als umgänglich und leicht zu halten, ohne dass zusätzliche Schutzeinrichtungen zur Verfügung gestellt werden mussten.

Auf allen Versuchsstücken wurde die Vegetation kurz und sauber gehalten, ohne dass regelmäßige Mähgänge erforderlich waren. Brennnesseln wurden nicht verbissen, abgemähte und angewelkte Nesseln wurden jedoch verzehrt.

Unter normalen Wetterbedingungen blieb die Grasnarbe in guter Kondition; ausgesprochen nasse Wetterperioden machen u. U. kürzere Beweidungsintervalle erforderlich. Laub und junge Triebe wurden in der Wachstumsperiode gern von den Schafen gefressen, so dass die Bäume bis zu einer Höhe von 1 m entlaubt wurden. Die Tiere versuchten aber nicht, durch Aufstellen auf die Hinterbeine an höher gelegene Triebe zu gelangen. Der Schaden an Jungtrieben im unteren Bereich hing von der Verfügbarkeit anderen Pflanzenmaterials und damit vom Weidemanagement ab.

Um den Schaden zu minimieren, ist ein gezieltes Management der umliegenden Weiden erforderlich, und die Tiere dürfen nicht länger als drei Wochen auf derselben Fläche verweilen. Für ältere Rinde interessierten sich die Schafe nicht. Ein gewisser Schaden an der Rinde junger Bäume wurde dort beobachtet, wo nur wenig Unkräuter zur Verfügung standen und die Schafe ihre Ruheplätze hatten. Im Vergleich zu einem Versuch mit Milchschafen waren die angerichteten Schäden jedoch zu vernachlässigen und schadeten den Bäumen langfristig nicht.

Für die Schafbeweidung werden Anlagen mit mittelstark wachsenden Unterlagen (z. B. M25, MM106 und MM111) empfohlen. Bei den schwach wachsenden M9-Standard-Unterlagen hatte der Blattverlust einen zu starken negativen Einfluss auf die Versorgung des Baumes.

Alle Pestizidanwendungen müssen sorgfältig mit der Schafbeweidung koordiniert werden. Krankheitsresistente Sorten, die nur einen verminderten Pestizidaufwand erfordern, eignen sich am besten für diese Art der Unterwuchspflege.

Im sehr nassen Sommer 2006 konnten keine Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob die Schafe das Falllaub aufnehmen, da die Blätter sehr schnell feucht und schmierig wurden, so dass sie von den Schafen nicht aufgenommen wurden. Andernorts sprechen die Erfahrungen von Landwirten jedoch dafür, dass die Schafe trockenes Falllaub aufnehmen. Grundwassermonitoring-Programme zeigen, dass viele Pestizide im Grundwasser gefunden werden können. In Baden-Württemberg waren es 50 von 86 untersuchten Chemikalien, darunter Wirkstoffe wie Dicamba, Bentazon, Dichlorprop, Mecoprop, Diuron, Glyphosat und Terbuthylazin. Die höchste Anzahl an kontaminierten Grundwasserpunkten wurde in den Hauptobst- und Gemüseanbaugebieten gefunden, etwa am Bodensee und am Oberrhein.

Shropshire-Schafe können dafür eingesetzt werden, den Pestizid-Einsatz in Obstanlagen zu ersetzen. Die Akzeptanz bei Landwirten wird zu einem großen Teil davon abhängen, ob sich der Schaf-Einsatz gegenüber herkömmlichen Methoden rechnet. Bei einer Besatzdichte von 6 - 10 Tieren pro ha kann die Schafbeweidung zu Einsparungen von etwa 500 € pro ha führen, wenn man die Kosten für eingesparte Mähgänge und zu einem gewissen Grade Schorfbekämpfung berücksichtigt. Die Aufwendungen für die Schafhaltung werden durch den Erlös aus dem Lammfleisch in etwa gedeckt. Auch vom Arbeitsaufwand passt die Schafhaltung gut zur Bewirtschaftung von Obstanlagen, da die Lammzeit, die den höchsten Zeitaufwand erfordert in einen Zeitraum fällt, in dem die Bäume wenig Arbeit machen.

Insgesamt kann eine Beweidung von Obstanlagen mit Shropshire-Schafen für biologisch wirtschaftende Betriebe eine attraktive Alternative zur herkömmlichen Unterwuchskontrolle darstellen. Dies gilt besonders für direktvermarktende Betriebe, welche die Schafe als Werbeträger für eine organische Produktion benutzen können, da Produktionsmethoden ohne Umweltverschmutzung eine hohe Attraktivität für Kunden aufweisen.

Aus meiner Sicht stellt die Beweidung mit den Shropshires eine interessante Alternative für solche Betriebe dar, die experimentierfreudig und bereit sind, andere Wege zu gehen. Der Mehraufwand bzw. die anderen Erfordernisse, die eine Schafhaltung an die Obstbaubetriebe stellt, sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Auch eine Anpassung des Managements in den Obstanlagen (z. B. andere Unterlagen, etwas höhere Bäume) ist erforderlich.

Wichtig ist die Auswahl der Schafe. Mit meinen Schafen wäre es unmöglich. Pommersche Landschafe sind so verbissfreudig (d. h. sie lieben Gehölze). Dies ist in der Landschaftspflege erwünscht - die Schafe haben allerdings gerade auch Obstbäume zum Fressen gern, so dass es sogar schwierig ist, Hochstämme mit einer Stammhöhe von 1,80 m ausreichend vor ihrem Zubiss zu schützen.

(Michael Ruhnau, Pomologen Verein e.V.)

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