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Imkerprotest erfolgreich: Großflächenversuch mit bienengiftigen Beizmitteln vorerst gestoppt

18.02.2010, PAN Germany, Susan Haffmans

Durch vehemente Proteste von Imkern konnte am Dienstag, den 16.2.2010, ein geplanter Großflächenversuch mit bienengefährlichen Neonicotinoid-haltigen Beizmitteln verhindert werden. 2008 hatte die großflächige Ausbringung von mit dem Neonicotinoid Clothianidin gebeiztem Maissaatgut zu einem Massensterben von 11.500 Bienenvölkern geführt. Als Reaktion hierauf ordnete das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an, die Zulassungen für drei Maissaatgutbeizen mit bienengefährlichen Wirkstoffen, darunter solche Beizmittel, die Imidaclopid und Clothianidin enthalten, ruhen zu lassen. "Nun sieht es so aus, als ob mit einer Politik der kleinen Schritte dieses gefährliche Umweltgift auf Druck der Maislobby wieder zum Einsatz kommen soll", so der zweite Vorsitzende des Landesverbandes Badischer Imker e.V. Manfred Raff. Durch den massiven Druck der Imker auf die Landesregierung wurde die Planung der Versuche gestoppt. Ekkehard Hülsmann, Vorsitzender des Landesverbandes Badische Imker e.V.: „Wir sind beruhigt, dass unsere Bedenken gewürdigt und ernst genommen werden".

Die geplanten Versuche sollten in der Oberrheinischen Tiefebene in Baden-Württemberg auf einer Fläche von ca. 300 Hektar stattfinden. Geplant wurden die Versuche vom Landwirtschaftministerium Baden Württembergs und der Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim unter Einbeziehung der Saatguterzeuger.

Die Imker wurden nach eigenen Angaben nicht ausreichend in die Vorgespräche zu den Versuchen einbezogen. Das große Bienensterben 2008 in den Maisfeldern Baden-Württembergs haben sie noch nicht vergessen. Mit den Versuchen sollte geklärt werden, ob durch neue Saattechnik keine im Beizmittel für Bienen gefährliche Mittel in die Luft abgegeben werden. Zusätzlich sollte untersucht werden, ob es bei der Verwendung tatsächlich keine bienengefährlichen Pestizidrückstände im Guttationswasser gibt (Flüssigkeit, die von Pflanzen ausgeschieden wird bei hoher Luftfeuchtigkeit und guter Wasserversorgung). Der Abrieb der Beize bei der Maisaussaat und die hierdurch verursachte Verteilung der pestizidhaltigen Stäube waren 2008 als eine Ursache für die Massenvergiftung der Bienenvölker nachgewiesen worden.

Das Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum Baden-Württemberg äußerte sich in einer Pressemitteilung vom 16.2.2010 nicht zu den Protesten der Imker. Vielmehr bekundete es, dass es an den Versuchen festhalten wolle, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei und man sich noch in der Abstimmungsphase befände.

PAN Germany begrüßt den Stopp der Versuche. Würden mit der gleichen Intensität, mit der jetzt nach weiteren technischen Lösungen zur Vermeidung oder Reduzierung der Kontamination von Natur und Umwelt durch Pestizide gesucht wird, bereits bewährte pflanzenbauliche Maßnahmen wie mehrgliedrige Fruchtfolgen umgesetzt, könnte schon heute auf bienengefährliche Maisbeizen verzichtet werden.

PAN zu Bienen und Pestiziden

Informationen der Imker [externer Link]

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