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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Aus Jungs werden Mädchen

21.12.2009, PAN Germany, Susanne Smolka

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief November / Dezember 2009

Etwas ist faul im Staate Dänemark. Die dänische Umweltbehörde präsentierte Ende Oktober 2009 eine 326-seitige Studie, die die Exposition von zweijährigen Kindern durch Alltagsprodukte mit hormonell wirksamen Inhaltsstoffen aufzeigt1.

Die Effekte der hormonell wirksamen Chemikalien (endocrine disrupting chemicals - EDCs) sind weitreichend. Diese Stoffe werden mit der drastischen Abnahme der Fruchtbarkeit von Männern in der "entwickelten" Welt in Zusammenhang gebracht. Die Spermienqualität nimmt so schnell ab, dass junge Männer bereits erkennbar unfruchtbarer sind als ihre Väter. Zudem gibt es das Mysterium der "verlorenen Söhne". Das Geschlechterverhältnis ändert sich zunehmend zugunsten weiblicher Nachkommen. Aber auch das Verhalten der Kinder ändert sich. Forschungsergebnisse der Erasmus Universität in Rotterdam deuten darauf hin, dass Jungen von PCB- und Dioxin-exponierten Müttern viel lieber mit Puppen spielen und sich lieber mädchenhafter kleiden, als die Jungen aus Kontrollgruppen.

Die aktuelle dänische Studie untersuchte, wie hoch die tägliche Exposition zweijähriger Kinder mit bekannten hormonell wirkenden Stoffen unter Alltagsbedingungen ist. Dabei wurde ein neuer Ansatz verfolgt, der Mehrfach- und Kombinationsexpositionen ermitteln sollte. So kreierten die Wissenschaftler einen typischen Tag eines zweijährigen Kindes und überlegten, in welchen Alltagssituationen dieses Kind mit welchen Produkten in Kontakt kommen könnte. Daraus wurden entsprechende Expositionsszenarien berechnet. Insgesamt wurden 83 Substanzen ermittelt, mit denen ein Kind an einem Tag in Kontakt kommen kann, davon 10 krebserregende Stoffe, 33 Allergien auslösende Stoffe, 11 reproduktionstoxische Stoffe und Stoffe mit anderen gefährlichen Eigenschaften. Für eine quantitative Analyse wurden 16 endokrine Substanzen bzw. Stoffgruppen ausgewählt, die als Androgenantagonisten oder östrogenähnlich wirken. Die bekanntesten unter ihnen sind neben den PCBs und den Dioxinen bestimmte Weichmacher der Phthalate sowie Bisphenol A, Flammschutzmittel, Azol-Fungizide und Parabene, die als Konservierungsstoffe in Kosmetika eingesetzt werden.

Die Substanzen befinden sich in Regenkleidung, Sonnencreme, Bettwäsche, Windeln, Lebensmitteln und in vielem mehr. Insgesamt wurden 12 Produktgruppen in einem Winter- und in einem Sommerszenario untersucht.

Die dänische Expositionsstudie kommt zu folgenden Ergebnissen:

  1. Bereits aus ein paar Expositionen durch höhere Konzentrationen eines EDCs resultiert ein kritisches Risiko für die Kinder. Eine solche Exposition ist zum Beispiel beim Tragen von Gummistiefeln mit dem Weichmacher DBP gegeben.
  2. Die Mengen von aufgenommenen Androgenantagonisten (hauptsächlich Phthalate und dioxinähnlichen PCBs, die hauptsächlich über die Nahrung und den Hausstaub aufgenommen werden), resultieren in einem Risiko für das Hormonsystem der Kinder.
  3. Risiken durch östrogenähnliche Stoffen sind bereits in Alltagssituationen bei den Parabenen festzustellen.

Die Wissenschaftler verweisen auf die Notwendigkeit, nicht nur EDCs in der Nahrung, im Hausstaub oder in der Innenraumluft zu reduzieren, sondern auch in Produkten, mit denen Kinder täglich in Kontakt kommen, um letztlich die kumulativen Risiken zu mindern.

(Susanne Smolka)

1 Miljøstyrelsen (2009): Survey and Health Assessment of the exposure of 2 year-olds to chemical substances in Consumer Products. Survey of Chemical Substances in Consumer Products, 102, 2009
PDF-Download unter: http://www2.mst.dk/common/Udgivramme/Frame.asp?http://www2.mst.dk/udgiv/publications/2009/978-87-92548-81-8/html/default_eng.htm

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