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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Neuseeland: Orchideen durch Bayer-Pestizid zerstört

29.10.2009, PAN Germany, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief September / Oktober 2009

Gartenbau-Betriebe in Neuseeland verzeichnen erhebliche Verluste ihrer Ernte durch das Bayer-Pestizid Oberon. Am 21.9.2009 entlud Erwerbsgärtner Paul Hulshof einen ganzen Lastwagen voller Orchideen vor dem Hauptgebäude der Bayer Crop Science Glenfield in Neuseeland. Mit dieser Aktion brachte er seinen Protest gegenüber der Firma Bayer und auch seine Verzweiflung zum Ausdruck. Das in Neuseeland durch Horticentre vermarktete Bayer-Insektizid Oberon habe seine gesamte Ernte vernichtet, so Hulfsdorf gegenüber New Zealand Herald (22.9.09). Und nicht nur er selbst sei von Schäden durch das Insektizid betroffen, sondern 30 weitere Orchideen-Anbauer. Noch 21 Monate nachdem er das Insektenvernichtungsmittel ausgebracht hatte, waren Deformationen an seinen Orchideen erkennbar. Jetzt wolle er Schadensersatz, weil er nur so ökonomisch überleben könne.

Das durch Bayer produzierte Oberon war im Vorjahr durch die neuseeländische Tochtergesellschaft vom Markt genommen worden und kurz danach nur noch für den Einsatz im Tomaten- und Paprikaanbau vermarktet worden, nicht für den Zierpflanzenbau. Dem Vorsitzenden des neuseeländischen Zusammenschlusses der Exporteure landwirtschaftlicher Güter, John van der Linden, zufolge erreichen die Orchideenexporte einen jährlichen Wert von 20 Mio. Dollar. Rund 40% der neuseeländischen Orchideen seien mit Oberon behandelt worden, wovon 20% verloren gingen.

Bayer hätte sich beeilt, den Betrieben in Sachen Liquidität beizustehen. John Neal von der Bayer-Tochtergesellschaft in Neuseeland betonte, dass sich die Firma damit allerdings nicht als Verantwortliche für die Schäden zeige und sagte, dass die Firma in 14 der 45 Fälle bereits zu einer Einigung mit den Anbauern gelangt sei und innerhalb des folgenden Monats die Hälfte der Fälle zu einer Einigung gelangen würden.

Die Orchideen produzierenden Erwerbsgärtner beschwerten sich nicht so sehr darüber, dass das Insektizid pflanzen schädigt, sondern über die schlechte Kennzeichnung der Produkte und mangelhafte Instruktionen. Es wird davon ausgegangen, dass den Anwendern nicht ausreichend deutlich gemacht wurde, dass das Pestizid nur in kühlen Monaten und in geringer Aufwandmenge angewandt werden sollte. Jene, die es im Sommer verwendeten, verzeichneten die stärksten Schäden. Stark behandelte Pflanzen wurden zerstört und andere zeigten deformierte Blütenstände und weitere Anomalien. Blumenproduzenten fürchteten, dass ihre Reputation auf Exportmärkten in den USA, Japan und im Mittleren Osten schaden nehmen könnte, wenn sie Blumen unter dem üblichen Standard verkaufen, um die ökonomischen Verluste zu begrenzen.

In der Bayer-Produktinformation vom November 2008 wird Oberon in positivstem Licht beschrieben. Der Originaltext: "Whitefly and spider mites continue to be major pest problems, especially in protected crops. Oberon (spiromesifen), from Bayer CropScience, provides growers with a unique new mode of action, contact insecticide, which sets new standards in the control of these pests. Oberon provides excellent residual efficacy against whitefly and spider mites and is safe to virtually all beneficials, giving it a good fit in IPM programmes. (…) Oberon is based on the new active ingredient, spiromesifen, and comes from a new family of chemistry the 'cyclic ketoenoles' group."

(Carina Weber)

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