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Kinder länger sensibel gegenüber Organophosphaten als bisher angenommen

31.08.2009, PAN Germany, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Juli / August 2009

Es ist bekannt, dass Kinder gegenüber giftigen Effekten von Pestiziden anfälliger sind als Erwachsene. Neu ist jedoch die Erkenntnis, dass die Empfindlichkeit von Kinder deutlich länger anhält, als bisher erwartet. PAN fordert Ende der Zulassung für Chlorpyrifos.

Neuen Forschungsergebnissen an der University of California - Berkeley zufolge1 verfügen Neugeborene lediglich über ein Drittel der Menge des Enzyms Paraoxonase 1 (PON1) als die Mutter des Kindes. Dieses Enzym trägt zur Entgiftung von Organophosphat-Pestiziden bei. Bisher war man davon ausgegangen, dass dieses Enzym bis zum Alter von zwei Jahren auf den Level von Erwachsenen ansteigt. Die Forscher fanden jedoch heraus, dass die PON1-Menge in einigen Individuen noch bis ins Alter von sieben Jahren auf einem geringeren Niveau bleiben kann. Mit Verweis auf die im Journal Environmental Health Perspectives veröffentlichten Forschungsergebnisse rieten die Forscher der in den USA für die Pestizidzulassung zuständigen Environmental Protection Agency (EPA), die aktuell gültigen Standards für akzeptable Expositionsgrenzwerte zu überprüfen.

"Die gegenwärtigen Standards der EPA setzen voraus, dass Kinder 3-5 mal anfälliger sind als Erwachsene" sagte Nina Holland von der University of California und sie ergänzt: "Unsere Studie ist die erste, die quantitativ aufzeigt, dass Kinder noch bis zu einem Alter von sieben Jahren gegenüber bestimmten Organophosphat-Pestiziden anfälliger sind als Erwachsene. Die Ergebnisse legen nahe, dass die EPA ihre Standards überprüfen muss, um die empfindlichsten Teile unserer Bevölkerung zu schützen".

In diese Studie des UC Berkeley's Center for the Health Assessment of Mothers and Children of Salinas (CHAMACOS) wurden 458 Kinder aus einer landwirtschaftlichen Region im Alter von der Geburt bis zum 7. Lebensjahr einbezogen.

Vorherige Studien hatten ergeben, dass bestimmte Neugeborene 50 bis 164 mal mehr anfällig gegenüber Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-oxon sind als andere Neugeborene. Dieser Sachverhalt, dass bestimmte Neugeborene mit einer ungünstigen Genotyp-Ausstattung im Vergleich zu anderen Neugeborenen so viel gefährdeter sind, war für die Forscher sehr überraschend. Sie wollen nun weiterhin Daten über die empfindlichen Kinder erheben, um zu erkennen, ob die Empfindlichkeit weiter anhält.

Die EPA hatte bereits 2001 wegen der Risiken für Kinder Beschränkungen der Anwendung von Organophosphat-Pestiziden wie etwas Chlorpyrifos und Diazinon im Haus vorgenommen. Organophosphate werden jedoch weiterhin in der amerikanischen Landwirtschaft und auch in anderen Ländern eingesetzt.

In Deutschland beträgt der Inlandsabsatz von Chlorpyrifos laut der neuesten Statistik über die Pestizidvermarktung in Deutschland2 immerhin eine bis zweieinhalb Tonnen. Dieses Insektizid ist im Haus- und Kleingarten zugelassen und zwar unter den Handelsnamen "Garten-Loxiran" und "Insekten-Streumittel NEXION NEU" jeweils für das Einsatzgebiet "Zierpflanzen" gegen "Lasius-Arten, Rasenameise". Laut Gefahrstoffverordnung sind beide Produkte nicht nur als sehr giftig für Wasserorganismen eingestuft, sondern gelten auch als bienengefährlich. Die Auflagen für die Verwendung der Mittel besagen, dass die Nutzung behandelter Rasenflächen als Spiel- und Liegewiese nach der Behandlung erst wieder nach dem nächsten Schnitt erfolgen sollten. Jedoch: Wird das wirklich überall durch die AnwenderInnen eingehalten?

PAN hat Chlorpyrifos auf die "PAN International List of Highly Hazardous Pesticides" (PAN Liste hochgefährlicher Pestizide)3 gesetzt, die weltweit schrittweise eliminiert werden sollten. PAN rät daher allen Konsumenten, auf diese Mittel so lange freiwillig zu verzichten, bis sie hoffentlich kurzfristig vom Markt zurückgezogen sind. Es ist unakzeptabel, dass diese für Kinder gefährlichen und zudem wasser- und bienengefährlichen Mittel für die Verwendung im Hausgarten und im Kleingarten vermarktet werden dürfen.

Chlorpyrifos wurde von der Dow Chemical Co. Mitte der 1960er Jahre eingeführt. Es ist als so genannter Acetylcholinesterase-Hemmer ein Nervengift. Vergiftungserscheinungen sind z.B. Übelkeit, Durchfälle, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, unscharfes Sehen, nicht reagierende Pupillen (Miosis), Blutdruckabfall, Krämpfe oder Apnoe und es kann ggf. auch Langzeit wirkungen haben.

(Carina Weber)

1 "Children susceptible to pesticides longer than expected, study finds. In: UC Berkeley News", 28.06.09, http://berkeley.edu/news/media/releases/2009/06/22_pesticide.shtml. Kontakt: Robert Sanders, rsanders@berkeley.edu, (510) 643-6998

2 Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2009): Absatz von Pflanzenschutzmitteln in der Bundesrepublik Deutschland - Ergebnisse der Meldungen gemäß § 19 Pflanzenschutzgesetz für das Jahr 2008. Braunschweig 2009

3 PAN International List of Highly Hazardous Pesticides. Verfügbar auf der PAN Germany Website http://fao-code-action.info/action_ centre.html

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