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Bt-Baumwolle: Fluch oder Segen für Burkina Faso?

30.04.2009, PAN Germany, Alexandra Perschau

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief März/April 2009

Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt und gleichzeitig größter Baumwollproduzent in Subsahara Afrika, baut offiziell in diesem Jahr erstmals kommerziell gentechnisch veränderte Baumwolle an. Die Meinungen darüber sind geteilt.

Baumwolle ist Entwicklungsmotor für die Länder des Südens - so die langanhaltende Meinung vieler Entwicklungsexperten und auch von Regierungsvertretern in eben diesen Ländern des Südens. Deshalb werden die Bauern angehalten das "Weiße Gold" im großen Stil zu produzieren. Dass diese Strategie in der Summe allerdings tendenziell zu globaler Überproduktion und schlechten Konditionen auf dem Weltmarkt führt, zumal industrialisierte und sich schnell entwickelnde Staaten (USA; China, Indien) trotz des liberalisierten Handels ihre eigene Produktion massiv stützen und/oder Importe ausländischer Baumwolle erschweren, ist leider noch nicht in den Köpfen der Entscheidungsträger und Baumwollbefürworter angekommen.

Schwierige Rahmenbedingungen

Nun soll also die Bt-Baumwolle den Bauern in Burkina Faso einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Weniger Insektizide würden gebraucht und höhere Erträge erzielt, versprechen Monsanto, aber auch die drei Baumwollgesellschaften Burkina Fasos und die Bauerngenossenschaft UNPCB. Dass die in riesigen Villen wohnenden Vorsitzenden dieser Organisationen zwar mittlerweile das internationale Parkett beherrschen und auf Konferenzen als "Stimme der Armen" das Ende der Agrarsubventionen fordern, nicht unbedingt das Wohl der Bauern im Auge haben, zeigt sich am massiven Druck, der im Moment auf die Bauern ausgeübt wird. Sie werden quasi gezwungen die gentechnisch veränderte Baumwolle anzubauen. Denn allein durch die Baumwollgesellschaften erhalten die Bauern Dünger, Saatgut und Pestizide, in der Regel auf Kredit. Auch wenn Bauern aussteigen wollen, können sie das nicht, denn die Baumwollgesellschaften sind die einzige Möglichkeit, an Dünger zu gelangen. Kritischen Fragen von Journalisten zur Situation des Baumwollanbaus im Land, den Vorwürfen zur Korruption, dem Verdünnen von Düngern oder Pestiziden mit Wasser und anderen Fragen stellen sich die beleibten Herren der Baumwollgesellschaften ungern. Schuld an der Misere im Land sind andere und die Lösung der Probleme sehen sie einzig in der Produktionssteigerung. Einer Diversifizierung der Produktpalette stehen die traditionalistischen Kräfte skeptisch gegenüber.

Kann Bt-Baumwolle helfen?

Folgt man der Maxime der Produktionssteigerung erscheinen die Versprechen von Monsanto unwiderstehlich: Ein doppelt so hoher Ertrag wie bisher und eine gleichzeitige Reduzierung des Pestizideinsatzes um bis zu zwei Drittel seien mit der Bt-Baumwolle zu erzielen. Wie hoch die "Technologie-Gebühr" für das genveränderte Saatgut liegt, bleibt aber im Dunkeln. Die Nichtregierungsorganisation Grain gibt eine dreißigfache Preissteigerung gegenüber konventionellem Saatgut an. In einem Land, das mit äußerst wechselhaften Niederschlägen leben muss, können solche Saatgutkosten allerdings schnell verheerende Wirkung für die Bauern haben. Denn wenn es nicht regnet, müssen sie zwei oder dreimal hintereinander aussäen, was den Anbau also schnell sehr teuer werden lässt.

Auch die angepriesenen Ertragssteigerungen sind fraglich. Die Feldversuche, die seit 2001 durchgeführt wurden, sind zum großen Teil nicht unter realistischen Bedingungen durchgeführt worden: Zum einen wurde ein großer Teil der Flächen bewässert, zum anderen wurde der Anbau angeleitet von Wissenschaftlern, die von Monsanto in den USA ausgebildet wurden. Überwiegende Teile der Bevölkerung in Burkina Faso sind Analphabeten, die nach allen Prognosen nicht in der Lage sein werden, den komplexen, auf Refugienstrategien beruhenden Anbau der Bt-Baumwolle "ordnungsgemäß" durchzuführen. Hinzu kommen die Befürchtungen, dass innerhalb weniger Jahre der Pestizideinsatz wieder steigen wird. Denn alle Länder, die Bt-Baumwolle über mehrere Anbauperioden verwenden, berichten über das massive Auftreten so genannter sekundärer Schädlinge, also solcher Schädlinge, die zuvor keine ökonomische Relevanz im Anbau dieser Kulturpflanze hatten, nun aber die entstehenden Lücken im weiterhin ökologisch instabilen Agrarsystem nutzen. Mit dem Auftreten dieser Schädlinge steigt der Pestizideinsatz. Selbst die Hersteller des Gentech-Saatguts erkennen diese Problematik an, meinen aber, bereits weitere technische Lösungen in der Tasche zu haben. Von einem Systemwechsel will jedenfalls keiner etwas wissen.

Burkina Faso als Trojanisches Pferd?

Besonders interessant ist die Frage, weshalb ausgerechnet Burkina Faso das erste westafrikanische Land ist, das den kommerziellen Anbau bertreibt. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung für das Land selbst - immerhin erzielt das Land zwei Drittel seiner Exporterlöse durch die Baumwolle - wird immer wieder die geografisch zentrale Lage des Landes angesprochen. Über die Entkernungsanlagen in den Grenzgebieten, also die Fabriken, die die Baumwollfasern von den Baumwollsamen trennen, werden benachbarte Felder und unaufhaltsam die benachbarten Ländern "unbeabsichtigt" kontaminiert. Burkina Faso, so eine im Land lebende Journalistin, sei das schwächste Glied in der Kette gewesen. Der um seinen internationalen Ruf bemühte Staatspräsident hätte das Land seit 2003 zum Musterknaben der Welthandelsorganisation WTO entwickelt und den Abschluss mit Monsanto als politische Geste gegenüber en USA zelebriert. Das Nachbarland Benin hingegen will weitere fünf Jahre an einem Moratorium festhalten.

Bio-Anbau gefährdet

Gerade vor dem Hintergrund der fatalen Armut in Burkina Faso sind verschiedene andere Organisationen im Land in Sachen Baumwolle engagiert. Seit 2004 unterstützt die Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas den biologischen Anbau von Baumwolle. Inzwischen sind die Bauern auch Fair Trade zertifiziert und TransFair Deutschland zeigt am Beispiel dieser Projekte in Burkina Faso deren Engagement in Sachen fair gehandelter Baumwolle. Im Moment stellt sich aber die Frage, inwieweit die positiven Effekte, die mit der harten Arbeit der letzten Jahre erzielt werden konnten, dauerhaft zu sichern sind. Eine Kontamination der Bio-Ware mit Bt-Baumwolle scheint unvermeidbar, verbindliche Abstandsregelungen fehlen genauso wie Grenzwerte für "unbeabsichtigte Verunreinigungen". Hier bleibt viel zu tun, um die technischen Aspekte zu klären. Von einer anderen Dimension ist allerdings die Frage, wie die Zahl der Biobaumwollbauern schnell und in großem Umfang gesteigert werden kann. Denn im Moment profitieren 5.000 Bauern in Burkina Faso von der Unterstützung durch die Helvetas, 700.000 Farmer sind aber im Land von der Faser abhängig.

(Alexandra Perschau)

Ludwig M (2008): Der Fluch des weißen Goldes, Publik-Forum 32, Nr. 18/2008, S. 20-22.
Gérard F (2009): Testgelände für Monsanto. Le Monde diplomatique, Feb. 2009, S. 14-15
Stahnke J (2009): Weißes Gold, schwarze Kassen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 61, 13.3.2009, S. 8

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