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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Gentech-Interessenverband feiert Wachstum

30.04.2009, PAN Germany, Alexandra Perschau

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief März/April 2009

Der Pro-Gentechnikverband ISAAA hat neueste Daten zum kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen für das Jahr 2008 publiziert und weist einen weiteren Anstieg der Agrarfläche mit Gentech-Pflanzen aus.

ISAAA (International Serice for the Acquisition of Agri-Biotech Applications) veröffentlicht seit 1996, dem ersten Jahr des kommerziellen Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen, den Status quo zu Flächen, Ländern, beteiligten Farmern, Art der gentechnischen Veränderungen und Anzahl der verschiedenen Gentech-Pflanzen. Gleich zu Beginn der zwanzig Seiten umfassenden Zusammenfassung gibt sich der Verband kämpferisch und berichtet von "Fortschritten an verschiedenen Fronten": So seien u. a. ein signifikanter Zuwachs in der Fläche, der Anzahl der anbauenden Länder und der beteiligten Farmer, eine Zunahme gentechnisch veränderter Pflanzen mit so genannten kombinierten Eigenschaften (also z.B. gleichzeitig herbizidtolerant und insektenresistent) und die Einführung einer neuen gentechnisch veränderten Pflanzenart zu verzeichnen.

2008 sind laut ISAAA weltweit 125 Mio. Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen von 13,3 Mio. Farmern bestellt worden. Im Vorjahr waren es 114,3 Mio. Hektar. Somit wurde ein Zuwachs von 9,4% erreicht. Erstmals kommerziell angebaut wurden herbizidresistente Zuckerrüben. In den USA wurden knapp 259.000 Hektar mit dieser Zuckerrübe bestellt, eine kleinere Fläche zudem in Kanada. Bemerkenswert ist, dass hier gleich 59% der gesamten Zuckerrübenanbaufläche der USA mit der herbizidresistenten Sorte belegt wurden. Im Wesentlichen beschränkt sich der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen jedoch noch immer auf Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Daten zur Fläche sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Die globalen Gentech-Pflanzen
Pflanze Fläche in Mio. ha Anteil an der Gesamtfläche
Soja 65,8 53%
Mais 37,3 30%
Baumwolle 15,5 12%
Raps 5,9 5%

Die Anzahl der anbauenden Länder ist auf 25 angestiegen. Den ‚Neueinsteigern' Ägypten und Burkina Faso wird hier eine strategische Bedeutung eingeräumt. In dieser Einschätzung sind sich Gentech-Befürworter und -Kritiker einig (siehe auch Artikel zu Bt-Baumwolle in Burkina Faso in diesem PB).

Mehr Nachhaltigkeit durch Gentech?

Neben den Erfolgsmeldungen zum steigenden Anbau von Gentech-Pflanzen widmet sich der ISAAA Bericht ausführlich den Beiträgen der Technologie zur Nachhaltigkeit. Die genveränderten Pflanzen tragen nach ISAAA-Lesart zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit und niedrigen Lebensmittelpreisen bei, schützen die biologische Vielfalt, reduzieren Hunger und Armut, verringern den ökologischen Fußabdruck der Landwirtschaft, reduzieren Treibhausgase und leisten einen Beitrag zur kostengünstigen Produktion von Agrosprit. Es stellt sich allerdings die Frage nach der Substanz dieser "Beiträge zur Nachhaltigkeit": Soja und Mais werden v. a. als Futtermittel für die fleischreiche Kost der Bevölkerung wohlhabender Industrieländer produziert. Raps- und Baumwollsaatöl sowie Zucker aus Zuckerrüben fließen in Fertigspeisen und Süßwaren. Und die Baumwollfasern stillen den Hunger der Modemärkte.

Hohe "Technologie-Gebühren" für das genveränderte Saatgut steigern das wirtschaftliche Risiko für Farmer in Entwicklungsländern und treiben eher in die Schuldenfalle als substantiell und dauerhaft die Armut der Bauern zu reduzieren. Die Bilder riesiger Monokulturflächen gentechnisch veränderter Pflanzen und die Rodung von Regenwäldern zur Flächenausdehnung für Futtermittel- und Agrospritanbau machen die negative Bilanz in Sachen Artenschutz deutlich. Ist es also doch zynisch, wenn ISAAA die Gentech-Pflanzen als "Landschonungstechnologie" bezeichnet, die durch höhere Erträge den Schutz der artenreichen Regenwälder unterstützt?

Ab 2012 soll es den ersten Dürre resistenten Mais in den USA und ab 2017 in Afrika geben. Bleibt abzuwarten, ob die lange angekündigte "Zweite Generation" wirklich auf die Felder kommt, und ob sie ihre Versprechen tatsächlich halten kann.

(Alexandra Perschau)

ISAAA (2009): Global Status of Commercialized Biotech/GM Crops: 2008, ISAAA Briefs 39-2008, Executive Summary, http://www.isaaa.org/resources/publications/briefs/39/executivesummary/default.html(18.3.09)

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