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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Endosulfan vergiftet Fluss

28.02.2009, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Januar/Februar 2009

Ein Transportunfall führte in Brasilien zur Vergiftung eines Flusssystems, das durch dicht besiedeltes Gebiet fließt. Das in einen Fluss geratene Insektizid Endosulfan tötete tausende Fische, Vögel und Säugetiere. Biologen erwarten jahrelange Folgeschäden.

Mehr als 15.000 Liter des Insektizids Endosulfan gerieten in den Fluss Pirapetinga im Süden Brasiliens. Der Vorfall ereignete sich am 18. November 2008, durch den Unfall eines Transporters der Agrochemiefirma Servatis. Sofort augenscheinliche Folge des Unfalls war ein Massensterben von Fischen, Vögeln und Säugetieren. Der Pirapetinga ist ein Nebenfluss des Paraiba do Sul, der ein weites Gebiet von Sao Paulo, Minas Gerais und Rio de Janeiro durchfließt. In Rio de Janeiro ist der Fluss in 37 Bezirken die einzige Wasserquelle.

Endosulfan ist von der Weltgesundheitsorganisation in Klasse II und damit als mäßig giftig eingestuft. Es verursacht Schäden im Zentralnervensystem, reichert sich in der Nahrungskette an und kann Fortpflanzungsschäden verursachen.

Die Vergiftung des Flusssystems ist eine Gefahr nicht nur für die Umwelt, sondern auch für rund 12 Millionen Menschen. In Städten wie Campos, Cambuci, Itaocara, Volta Redonda, Barra Mansa, Porto Real, Barra do Pirai, Inheiral und Quatis war die Wasserversorgung für mehrere Tage unterbrochen. Rund 74 tausend Menschen waren direkt betroffen. Etwa 8000 Schüler konnten nicht zur Schule gehen. Das Fischen und der Verzehr von frischem Fisch wurden verboten. Fünf Tonnen toter Fisch wurden allein an einem Tag eingesammelt.

Der Endosulfan-Unfall vergiftete den Fluss Paraiba zum ungünstigsten Zeitpunkt: während der Laichzeit der Fische. Dies wird, so die Erwartung von Biologen, dazu führen, dass die Fortpflanzung der Fische über mehrere Jahre beeinträchtigt sein wird. Die Biologen schätzen, dass 80 Spezies von Fischen betroffen sind. Da große Fische sich langsamer fortpflanzen, werden diese bezüglich der Wiedererholung der Population besonders betroffen sein.

Im Umweltministerium wird jetzt für eine Saison ein Fischfangverbot erwogen, um die Erholung der Fischbestände zu begünstigen. Dies würde heißen, dass die Fischer entschädigt werden müssten, da sie die Einkommenseinbußen nicht verkraften könnten. Die Interessenvertretung der Fischer hat bereits Klage gegen die Firma Servatis erhoben. James Weber, Vertreter von PAN-Brasilien: "Den aktuellen Folgen des Unfalls werden weitere, schleichende Vergiftungen des Ökosystems folgen. Da der Fluss nicht einfach gereinigt werden kann, wird Endosulfan durch seine Langlebigkeit und Bioakkumulation in den kommenden Jahren das gesamte Flussökosystem beeinträchtigen."

Dieser Unfall mit Endosulfan ist nur einer von vielen, die sich in verschiedenen Ländern der Welt ereignet haben. Er ist zudem ein weiterer Grund dafür, Endosulfan endlich der Rotterdam Konvention und der Stockholm Konvention zu unterwerfen und das Insektizid weltweit zu eliminieren.

(Carina Weber)

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