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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Gentechnik: Honig verbrannt

31.10.2008, Susan Haffmans

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief September/Oktober 2008

Im Honig dürfen keine Spuren genetisch veränderter Pollen enthalten sein. Aus der Sicht eines vorsorgenden Verbraucherschutzes ist dieses im Gentechnik Gesetz festgeschriebene Verbot durchaus sinnvoll. Doch den Schaden dieser Regelung tragen die ohnehin Leidtragenden: Der erste Imker musste nun zusehen, wie seine Honigprodukte wegen genetischer Verunreinigung verbrannt wurden.

Am 30. Mai entschieden das Verwaltungsgericht Augsburg, dass die Imker in der Umgebung staatlicher Versuchsflächen mit der Gen-Maissorte MON-810 mit ihren Völkern während der Maisblüte abwandern müssen, um sich vor der Kontamination ihrer Produkte durch Genmais zu schützen. Das Gericht stellte fest, dass bereits geringste Spuren von MON-810 zum Verlust der Verkehrsfähigkeit der Bienenprodukte führen. Das Gericht räumte den Interessen Bayerns und des globalen Agrarriesen Monsanto einen höheren Stellenwert ein, als den Interessen der betroffenen Imker. So organisierte das Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik 1, dem u. a. der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) und Bioland angehören, am 15. Juli die pressewirksame "Fluchthilfe" für die betroffenen Bienenvölker, die in der Nähe der Versuchsfelder standen, auf denen Bayern den Mais des US-Gentechnikkonzerns Monsanto anbaut. Über 50 Bienenvölker wurden so von ihren angestammten Plätzen in die "Gentechnik-freie Zone" München evakuiert und vor dem Bayerischen Landtag und der Bayerischen Staatskanzlei aufgestellt 2. Die Verantwortlichen in der Staatsregierung sollten dadurch ständig an die Konsequenzen ihrer Pro-Gentechnikpolitik erinnert werden. Auch die umliegenden gentechnikfreien Landkreise hatten den Imkern Asyl für ihre Völker angeboten und Münchner Imker erklärten sich mit ihren vom Genmaisanbau betroffenen Kollegen solidarisch und übernahmen die Betreuung der Bienen in den Wochen der Maisblüte.

Doch für einige Imker kam diese selbst organisierte Not-Hilfe zu spät: Trotz Durchführung der vom Gericht vorgesehenen Vorsichtsmaßnahme wurden im Honig des Imkers Karl Heinz Bablok Spuren des gentechnisch veränderten Mais MON810 gefunden. Die gesamte Jahreshonigernte des Imkers war betroffen und wurde am 23. September in der Müllverbrennungsanlage Augsburg entsorgt. Noch ist ungewiss, ob Imker Bablok den Schaden vom Anbauer, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, ersetzt bekommt. Seine Mehrkosten durch Abwanderung, Betreuungsaufwand der Völker, Entsorgungskosten für Honig und Met, sowie der entgangene Verkaufserlös und Ertragsaufall liegen nach erster Schätzung bei etwa 10.000 €.

Bienen sammeln in einem Radius von 5km Nektar und bestäuben Blüten, ohne zu unterscheiden, ob sie gentechnisch verändert sind oder nicht. Imker Bablok hatte seine Bienen zwar abtransportiert und vor der Maisblüte geerntet, doch waren noch Pollen des GVO-Anbaus vom Vorjahr in seinen Völkern.

Die Zahl der Imker ist in Deutschland rückläufig. Pestizid-bedingtes Massensterben von Bienen und das Risiko einer GMO Kontamination des Honigs tragen sicher nicht dazu bei, diesem Trennt entgegen zu wirken. Der praktizierte gesetzliche "Täterschutz" ist nicht nachvollziehbar. Genetisch veränderte Organismen werden bewusst freigesetzt und die Geschädigten, in diesem Fall die Imker, werden für die verursachte Kontamination bestraft. Die Imkerei ist nicht nur ein Berufszweig, es ist auch ein traditionsreiches Kulturgut. Und die Bestäubungsleistung ihrer Bienenvölker ist für den Erhalt der Biologischen Vielfalt und für die Sicherung der Erträge in der Landwirtschaft von größter Bedeutung.

Wie weit reichend die Auswirkungen auch kleinster Anbauflächen mit GMos sind, verdeutlicht Imkermeister Radetzki, Vertreter des Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik: "Wenn 2% des bayerischen Maisanbaus mit Gentechnik erfolgt, könnte dies wegen des großen Flugradius der Bienen und der relativ kleinen Anbauflächen dazu führen, dass sämtliche bayerische Imker davon betroffen sind." Das Beispiel der Imkerei zeigt wiederholt, dass eine Koexistenz im Bereich grüner Gentechnologie in der Praxis nicht möglich ist.


1 http://www.bienen-gentechnik.de Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik
2 Presse-Info "Flucht der Imker vor Gen-Mais" des Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik vom 15. Juli 2008
3 Presse-Info "Gentechnik im Honig gefunden. Gesamte Jahresernte in Müllverbrennung entsorgt" des Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik vom 24.09.2008

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