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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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PAN-Kooperationsprojekt macht ersten Schritt in die Öffentlichkeit

31.10.2008, Alexandra Perschau

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief September/Oktober 2008

Im Februar 2008 startete PAN Germany gemeinsam mit den Partnern PAN UK, OBEPAB (Benin) und Enda Pronat (Senegal) ein neues Projekt. Es will neue Handelsmodelle entwickeln, die jene durch den Bio-Anbau gegebenen Potenziale nutzen, um einen Beitrag zu leisten zur Reduzierung der Abhängigkeit von Baumwolle und letztendlich der Reduzierung der Armut von Familien in Entwicklungsländern. Mit zwei Workshops, die Ende September in Hamburg stattfanden, ist das Projekt nun nach der ersten Recherche- und Analysephase in die öffentliche Diskussion eingestiegen.

Seit vielen Jahren setzt sich PAN Germany für den Bio-Anbau von Baumwolle ein, stellt er doch die beste Möglichkeit dar, den gefährlichen Pestizidanwendungen ein Ende zu setzen. Mit diesem neuen Projekt wollen die bewährten Partner PAN Germany, PAN UK, OBEPAB und Enda Pronat nun den Fokus erweitern.

Der Bio-Anbau stellt einen Systemwechsel der landwirtschaftlichen Praxis dar und setzt vor allem auf sich selbst stabilisierende, von Vielfalt geprägte Anbauflächen. In den Anbaustatuten für den Bio-Anbau vorgeschriebene Fruchtfolge und weitere Maßnahmen, wie Zwischen- und Randbepflanzungen, statten die Baumwollbauern mit einer großen Zahl weiterer Agrargüter aus. Die Bio-Anbaumethoden leisten einen deutlichen Beitrag zum Erhalt und der Förderung der biologischen Vielfalt und garantieren den Bauern und deren Familien einen mit gesunden Lebensmitteln gedeckten Tisch.

Darüber hinaus bergen die Agrarprodukte auch das Potenzial, weitere Einkommensquellen zu erschließen. Mit dem im Wesentlichen von der Europäischen Kommission geförderten Projekt wollen die beteiligten Organisationen Schritte gehen, um diese Potenziale weiter zu beleuchten, bekannt zu machen und umzusetzen. Da die in den USA ansässige Organisation Organic Exchange (OE) mit Unterstützung der niederländischen Entwicklungsorganisation ICCO ein ähnliches Projekt durchführt, wurde eine enge Kooperation vereinbart, die Synergieeffekte verspricht. So wurde bereits gemeinsam eine Befragung von Bio-Anbauprojekten durchgeführt. Unter Federführung von OE konnte eine umfassende Übersicht über verschiedene Bio-Produkte erstellt werden, die von den Baumwollbauern geerntet werden. 27 Projekte aus Afrika, Asien, Südamerika, der Türkei, den USA, die zusammen fast 50.000 Bauern umfassen, bringen es neben der Baumwolle zusammen auf 66 verschiedene Anbaufrüchte. Die Umfrage zeigt deutlich, dass Grundnahrungsmittel wie Mais oder Hirse zum allergrößten Teil für den Eigenbedarf genutzt werden. Aber auch Bohnen und andere eiweißhaltigen Leguminosen dienen zu einem guten Teil der eigenen Ernährung und beugen der weit verbreiteten Mangelernährung bei Baumwollbauern vor. Denn im konventionellen Anbau wird zwar oft noch ausreichend Mais produziert, und so der Kalorienbedarf gedeckt, doch mangelt es in der Regel an Eiweißquellen.

Im Rahmen von zwei Workshops im September 2008 haben die Projektpartner die Diskussion darüber eröffnet, wie nachhaltige Handelsmodelle aussehen sollten, um den Baumwollbauern Chancen auf weitere Einkommensquellen zu eröffnen und der Armut zu entkommen. Mit Nichtregierungsorganisationen, öffentlichen und privaten Geldgebern, sowie auch mit Unternehmern wurde erörtert, was die Projektziele sind und welche Aspekte aus Sicht der verschiedenen Akteure berücksichtigt werden müssen, um tragfähige Modelle zu entwickeln. Zudem wollten die Projektpartner von Erfahrungen ähnlich gelagerter Projekte profitieren.

Tragfähige Handelsmodelle müssen die drei Säulen der Nachhaltigkeit - Soziales, Umwelt und Wirtschaft - gleichermaßen befriedigen.

Eine ausführliche Diskussion widmete sich mit Hinblick auf soziale Aspekte dem Dilemma zwischen der Erschließung lokaler Märkte und einer Export-Orientierung. Gerade im Kontext von Hungerrevolten und der Diskussion um Ernährungssouveränität spielt dies eine wichtige Rolle. Die Diskussion gestaltete sich kontrovers. Oftmals wird den Exportmärkten eine zu große Bedeutung zugeschrieben. Auch sind Kapazitäten und Expertise vor allem in kleinbäuerlich organisierten Genossenschaften nicht ausreichend vorhanden. Dennoch bestehen Chancen, bei professioneller Planung und geeigneten Produkten, gute Einkommensquellen durch den Export zu erschließen. Die Professionalisierung für den Export hat dann oftmals positive Effekte auch auf dem lokalen Markt, da die Qualitätsstandards insgesamt gehoben werden.

In der öffentlichen Wahrnehmung hat der Bio-Anbau mit Blick auf das Thema Klimawandel eine Vorbildrolle und wird auch kritisch beleuchtet. Der britische Bio-Anbauverband Soil Association hat sich in einem breiten Konsultationsprozess mit dem Thema Luftfracht von Bio-Produkten befasst. Es wurde diskutiert, wie das Dilemma ‚Food miles versus fair miles' gelöst werden kann.

Unter ökonomischen Gesichtspunkten stellt sich besonders die Frage nach einer fairen Rendite für die harte Arbeit der Bauern. Der Faire Handel hat hierfür ein System entwickelt, das mittels umfangreicher Prozesse für verschiedene Produkte und Regionen Mindestpreise festlegt. Dabei wird den Produktionskosten, der angemessenen Entlohnung für getane Arbeit und dem Anspruch an einen anständigen Lebensunterhalt Rechnung getragen. Es wurde festgehalten, dass neben den Preisen (für beide Seiten) verlässliche Unternehmenspartnerschaften wichtig sind. Besonders für neue Projekte, die in der Phase der Umstellung auf den zertifizierten Bio-Anbau mit einem hohen Risiko verbunden sind.

Die Diskussionen der beiden Workshops waren fruchtbar und inspirierend. Es wurde bestätigt, dass sich das Projekt auf dem richtigen Weg befindet. Nun müssen die Modelle entwickelt und mit einzelnen Projekten und Produkten erste Schritte hin zum Aufbau von Absatzmärkten gemacht werden. Als nächster Schritt sind zielgruppengenaue Publikationen und Informationsstände bei verschiedenen Messen geplant.
(Alexandra Perschau)

Die Workshop-Beiträge werden derzeit aufbereitet und in Kürze auf der PAN Germany Webseite verfügbar sein. Weitere Informationen zum Projekt gibt es auch direkt bei der Projektleitung (alexandra.perschau@pan-germany.org).

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