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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Gefährlicher Staub

01.03.2008, PAN Germany

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief März/April 2008

Der aktuelle Basisbericht "Hausstaub" des Umweltbundesamtes geht der Frage nach, welchen Schadstoffen Kinder über den Hausstaub in Wohnungen ausgesetzt sind1. In vielen Hausstaub-Proben wurden gefährliche Stoffe nachgewiesen.

Diese Studie, die im Rahmen des Kinder-Umwelt-Survey (KUS) entstand, fasst die Analyseergebnisse von 600 beprobten Haushalten aus den Jahren 2003 bis 2006 zusammen. Untersucht wurde der Hausstaub auf die Biozide Chlorpyrifos, DDT, HCB, Lindan, Methoxychlor, Propoxur, PCP, PCSD/PCAD sowie auf sieben PCB-Kongenere. Die Schadstoffe stammen überwiegend aus früheren Anwendungen, z.B. aus Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen oder sie dünsten aus behandelten oder ausgerüsteten Materialien wie Hölzern oder Teppichen aus.

Kinder sind deutlich größeren Risiken ausgesetzt als es bei Erwachsenen der Fall ist. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Atemfrequenz von Kleinkindern deutlich höher ist als die von Erwachsenen, und sie haben mehr Haut­kontakt zu staubigen Materialien wie Teppichen. Durch das typische "Hand-zu-Mund-Verhalten" können Kinder mit dem Hausstaub auch gesundheitsschädliche Stoffe aufnehmen.

Bei der Untersuchung wurden Stoffe im Hausstaub nachgewiesen, die aufgrund ihrer Gesundheitsschädlichkeit seit Jahren verboten sind. Zu diesen Stoffen zählen etwa die Holzschutzmittel PCP, Lindan oder DDT. PCP und DDT sind als "möglicherweise Krebs erregend beim Menschen" eingestuft. Diese Stoffe waren früher in Holzschutzmitteln zur Verwendung in Innenräumen enthalten. Das seit 1989 verbotene PCP wurde in 83% der Proben mit einem geometrischen Mittelwert von 0,097 mg/kg analysiert. Haushalte in Westdeutschland waren rund doppelt so häufig belastet wie Haushalte in den neuen Bundesländern. Es handelt es also u.a. um Altlasten.

Mit DDT sind ostdeutsche Haushalte deutlich häufiger kontaminiert als westdeutsche, da in der ehemaligen DDR dieses Insektenbekämpfungsmittel bis 1991 noch eingesetzt wurde. Interessant ist, dass in Haushalten mit höherem Sozialstatus und in Häusern die vor 1949 gebaut wurden, Kinder vergleichsweise häufiger DDT-Belastungen ausgesetzt sind. Im Mittel wurde in 39% der Proben DDT nachgewiesen. Lindan ließ sich in 27% der Proben nachweisen. Das Nervengift Chlorpyrifos, bekannt aus Mottenkugeln, Insektensprays und Ameisenstop, wurde in 32% der Proben gefunden, Methoxychlor in 24% der Proben. Auch die anderen Stoffe ließen sich nachweisen.

Neben der Altstoffproblematik können auch neuere Kontaminationen zur Gesamtbelastung beitragen. Durch verschiedene ausländische Produkte (z.B. Lederwaren, Teppiche) gelangen krebserregende Stoffe wie PCP oder DDT noch heute in den Innenraum und somit in den Hausstaub. Andere Stoffe wie z.B. Chlorpyrifos befinden sich in der Überprüfung, da sie bezüglich der Neubewertung als Biozid-Altstoff im Rahmen der EU-Biozid-Richtlinie gelistet sind. Das Ergebnis dieser Überprüfung wird darüber entscheiden, ob diese Stoffe auch zukünftig zur Belastung von Kindern und Erwachsenen beitragen werden. Allein für das neuro-, immuno- und reproduktionstoxische Chlorpyrifos sind in Deutschland von den Herstellern 255 Mittel gegen Schädlinge und Lästlinge gemeldet.

Susanne Smolka


1UBA-Bericht (2008): Hausstaub. Siehe: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3356.pdf

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