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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Lebensmittel & Fairness

01.01.2008, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Januar/Februar 2008

Die gestiegenen Erwartungen an die Lebensmittelqualität in Europa haben kleinbäuerlichen Betrieben in Afrika zunehmend Probleme beim Export ihrer Agrarprodukte nach Europa bereitet und kaum zu einer Verbesserung der Lebensmittelqualität in Afrika beigetragen. Das PAN UK Projekt "Food & Fairness", an dem PAN Germany beteiligt war, beleuchtete die Problematik. Ein abschließender Workshop, der Ende 2007 in Utrecht stattfand, zog Schlussfolgerungen.

Ein positiver Trend ist, dass sowohl die Konsumenten wie inzwischen auch die Lebensmittelkette in Europa zunehmend für die Problematik von Chemikalienrückständen in Lebensmitteln sensibilisiert sind. Die Schattenseite dieser Entwicklung: In Afrika können kleinbäuerliche Betriebe die europäischen Importstandards für Agrarprodukte vielfach nicht einhalten. Dies bedeutete nicht selten das Aus für Einkünfte aus den Agrarexporten. Auf den lokalen afrikanischen Märkten gelten die erhöhten Standards nicht. Dort können noch immer Lebensmittel vermarktet werden, die zum Teil nicht einmal die dürftigsten Stan­dards einhalten. Dies stellt ein gesundheitliches Problem für AfrikanerInnen dar, das durch die Entwicklungspolitik und die afrikanische Zivilgesellschaft bisher kaum angepackt wird.

Untersuchungen in Kenia haben ergeben, dass geschätzte 60% der Kleinbauern aus dem Exportsystem der 10 größten Exporteure heraus gefallen sind, weil sie den durch EUREP/GAP gesetzten Standards nicht entsprachen. EUREP/GAP, seit 2007 neu unter GLOBAL G.A.P.1 firmierend, ist eine privatwirtschaftliche Organisation, die freiwillige Standards zur Zertifizierung konventioneller landwirtschaftlicher Produkte setzt. Sie wurde gegründet, um das angeschlagene Vertrauen der Verbraucher zurück zu gewinnen und entwickelte sich zu einem System, das bei Agrarexporten nach Europa zunehmend weniger umgangen werden kann. Es hat eine fast gesetzesgleiche Wirkung. Am Workshop teilnehmende Firmen gaben an, dass sie mit EUREP/GAP nun sehr darauf achten, dass die Standards eingehalten werden. Gleichwohl benannten sie gleichzeitig auch Probleme, die Standards ständig auf gleichem Niveau zu gewährleisten.

Hilfsorganisationen haben angesichts der durch die Diskrepanz der Standards zwischen Afrika und Europa verursachten Probleme zugunsten kleinbäuerlicher Betriebe Projekte durchgeführt. Sie sollen Bäuerinnen und Bauern im Süden helfen, die Hürde "GLOBAL G.A.P" zu nehmen. Das Pesticide Initiative Projekt (PIP) von COLEACP, dem Liaison Committee Europe-Africa-Caribbean-Pacific, hilft Produzenten und Exporteuren in AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik)den europäischen Markterfordernissen gerecht zu werden. Einer der ersten Schritte in Westafrika war, Exportfirmen davon zu überzeugen, Personal zur Sicherstellung und Überwachung der Standards einzustellen. Während der Hauptansatzpunkt von PIP die Exportfirmen waren, ging das Projekt doch darüber hinaus und nahm sich auch der Verbesserung der Standards auf der bäuerlichen Ebene an. PIP schätzt, dass über 90.000 Kleinbauern in 22 AKP-Staaten von den PIP-Initiativen profitierten, was einem Anteil von 80% an den Gartenbau-Exporten entspräche.

Wie sich sowohl im Rahmen des Food & Fairness Projektes, aber auch im Workshop herausstellte, erwarten Kleinbauern in Afrika oft hohe Profite vom Export ihrer Anbaufrüchte nach Europa weil sie lediglich ihre Produktionskosten und die Produktpreise auf dem europäischen Markt vergleichen. Der tatsächliche Profit lässt sich jedoch nur unter Berücksichtigung der Kosten aus der Vermarktungskette errechnen, wozu z.B. auch Investitionen zur Gewährleistung der Standards zählen. Und auch die sich aus der Abhängigkeit vom europäischen Markt ergebenden Risiken werden oft unterschätzt. Deshalb hat z.B. das Ökolandbau-Netzwerk in Ghana, GOAN, das seit 1995 tausende Farmer fortgebildet hat, angefangen, Strukturen aufzubauen, um Bauern die Möglichkeit zum Absatz auf lokalen UND auf Exportmärkten zu ermöglichen.

Im Rahmen des Workshops betonten die afrikanischen Teilnehmer wiederholt das Recht auf gesunde Nahrung für AfrikanerInnen. Sie wiesen darauf hin, dass Lebensmittelsicherheit in Afrika sowohl für die Politiker, wie auch für die Privatwirtschaft und die organisierte Zivilgesellschaft kein bedeutsames Thema darstellt. Um dies zu ändern, sind allerdings zunächst Strategien zu prüfen. In Europa war z.B. die Beprobung von Obst und Gemüse großer Lebensmittelketten eine erfolgreiche Methode, um Verbesserungen für den Konsumentenschutz zu erreichen. Sol­che Ak­tionen erfordern jedoch erhebliche finanzielle Mittel. In Europa hat jüngst die sehr konfrontative Vorgehensweise der NGOs endlich für Bewegung gesorgt. Ist dies jedoch opportun im Afrikanischen sozialen Kontext? Und, in Europa war die Steigerung der Standards prinzipiell mit der Bereitschaft der Konsumenten verknüpft, mehr für Lebensmittel zu zahlen. Dies ist eine Situation, von der in Afrika außerhalb der dünnen kaufkräftigen Schicht kaum ausgegangen werden kann. Deshalb sind andere Wege zu beschreiten.

Im Rahmen von Ansätzen zur Verbesserung der Produktions- und Lebensmittelqualität hat GOAN etwa den Weg der "partizipativen Garantie" gewählt. Konsumenten können sich bei den Bauern davon überzeugen, dass gute Qualität erzeugt wird. Damit sollen teure Zertifizierungssysteme vermieden werden. Im Rahmen des Workshops wurde aber auch deutlich, dass NGOs Wert auf transparente Regeln und deren unabhängige Überwachung legen. Die Lebensmittelindustrie und andere Teilnehmer warnten jedoch, dass dies die Kosten in die Höhe treibe und Produzenten ausgrenze. Alle waren sich hingegen einig, dass die Problematik des Pestizideinsatzes in kleinbäuerlichen Be­trieben immer noch ein sehr großes Problem darstellt und kein Königsweg zu deren Lösung existiert, sondern auch in Zukunft verschiedene Wege zu beschreiten sind. Ein wichtiger Schritt ist weiterhin, dass die europäische Lebensmittelindustrie über die Setzung und Einhaltung erhöhter Standards hinaus finanzschwache landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützt, die Standards einzuhalten.


1Siehe:http://www.globalgap.org

2Siehe:http://www.coleacp.org/

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