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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Landwirtschaft, Pestizide und biologische Vielfalt

09.10.2007, PAN Germany

LandschaftÜber die Hälfte der Landfläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt, 70% als Ackerland, 30% als Grünland. Schutz der Biologischen Vielfalt heißt somit auch Schutz der Agrobiodiversität. PAN Germany setzt den Schwerpunkt seiner Arbeit im Rahmen seines Projekts "Biodiversität versus Pestizide" (6/2007 - 12/2008) auf das Spannungsfeld Biodiversitätsschutz und chemischer Pflanzenschutz. Hierbei geht es neben der Überprüfung von Pestizidgesetzen auf ihre Kohärenz zum Biodiversitätsschutz auch um eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema "Biologische Vielfalt & Pestizide".

Die Biologische Vielfalt entwickelte sich in den letzten 7000 Jahren unserer Landbewirtschaftungsgeschichte immer weiter. Viele Arten konnten sich erst durch den Einfluss des Menschen und durch die Landbewirtschaftung etablieren oder verbreiten. Seit etwa einem halben Jahrhundert aber ist diese Vielfalt stetig auf dem Rückzug. Und das in nie da gewesener Geschwindigkeit. Dabei spielt die moderne Landwirtschaft eine herausragende Rolle. Im Zuge einer immer effektiveren Landbewirtschaftung scheint es meist nur zwei Möglichkeiten zu geben: Intensivierung des Anbaus oder Nutzungsaufgabe. Beides lässt die Vielfalt schwinden. PAN Germany hat vor allem die intensive Landwirtschaft und hier speziell den Pestizideinsatz im Blickfeld.

Biodiversität LogoMit dem Einsatz von Pestiziden ist es den Bauern möglich geworden, wichtige Hauptfrüchte wie Weizen, Mais und Raps mit steigenden Erträgen in monotonen Fruchtfolgen anzubauen. Durch den Einsatz von gezielt hohen Düngergaben können die Erträge von Getreide erhöht werden. Hoher Düngereinsatz verringert aber auch die Standfestigkeit des Getreidehalms. Damit die Pflanze nicht umknickt, wird sie mit sogenannten Wachstumsreglern "kurzgespritzt". Gegen Krankheiten oder Schädlinge, setzt man Pestizide ein. Gibt es Probleme mit störenden Kräutern und Gräsern, löst ein Herbizid das Problem. Mit chemischem Pflanzenschutz werden die angestrebten Erträge und Qualitäten kurzfristig sicher erzielt, auch wenn die Standortbedingungen und das Klima weniger günstig sind. Nur noch wirtschaftlich interessante Früchte werden angebaut. Die Anzahl der Kulturarten auf dem Acker schwindet. Auch auf die nicht direkt landwirtschaftlich genutzte Flora und Fauna hat die intensive Landwirtschaft erhebliche Auswirkungen: Der Einsatz von immer größeren Maschinen für die Landbewirtschaftung forderte maschinengerechte Felder. Sie wurden begradigt und störende Elemente wie Bäume oder Hecken beseitigt. Wo früher breite Randstreifen, Knicks, Feldraine und wild wuchernde Feldübergänge zu sehen waren, verbleiben heute meist nur noch geometrische Felder mit sauber ausgearbeiteten Randbereichen. So wird die Bewirtschaftung möglichst effektiv. Flora und Fauna verlieren jedoch ihren Lebensraum oder wichtige Rückzugsgebiete. Es bleiben nur jene Arten, die keine besonderen Ansprüche haben und sich schnell an die neue Situation anpassen können. Arten, die dazu nicht fähig sind, ziehen sich in die letzten noch bestehenden Lebensräume zurück und sind vom Aussterben bedroht. Die Vielfalt leidet.


Pestizide schwächen die biologische Vielfalt, zum Beispiel

Flusslauf…die Vielfalt von Fließgewässern: Einer Studie von WissenschaftlerInnen des Umweltfotrschungszentrums Leibzig (UfZ) zu Folge, können Pestizide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, ein ökologisches Risiko für die Fauna kleiner Fließgewässer darstellen. Das Risiko, das durch die Abwaschung von Pestiziden bei Niederschlagsereignissen entstehen kann, ist in Agrarlandschaften in Südeuropa wesentlich größer als in Mittel- oder Nordeuropa. Besonders gefährdet sind Regionen in Spanien, Italien und Südfrankreich - aber auch Gewässern in England, Belgien sowie in Teilen Mitteldeutschlands im Norden Thüringens, im südlichen Sachsen-Anhalt und im Mittelsächsischen Bergland drohten Risiken durch den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. (Carola Alexandra Schriever and Matthias Liess (2007): Mapping ecological risk of agricultural pesticide runoff. In: Science of the Total Environment. Vol. 384, Issue 1-3)


Frosch… Amphibien: Praxisübliche Pestizideinsätze im Frühjahr finden zeitgleich mit dem Laichen vieler Amphibien statt. Dies bedeutet, dass die Eier bzw. die Larven unter ungünstigen Bedingungen mit extrem hohen Pestizid-Konzentrationen belastet werden können. Die Pestizide werden von Laich und Larven der Amphibien aufgenommen und beeinflussen deren weitere Entwicklung. Dabei kann es zu einer verminderten Schlupfrate des Laichs sowie Verhaltens- und Gestaltveränderungen der Tiere. Feldversuche zeigten, dass selbst unter Einhaltung der Grundsätze der guten fachlichen Praxis und der Abstandsregelungen, Pestizide in Gewässer gelangen und hier sowohl die Entwicklungsstadien der Amphibien schädigen, als auch ausgewachsene Tiere durch die Aufnahme von Pestizid-kontaminierter Nahrung (Grashüpfer, Käfer) schädigen. (MLUV Brandenburg (2003): Einfluss von Pestiziden auf Laich und Larven von Amphibien)


Turmfalke… Vögel: Das Beispiel des Vogels des Jahres 2007 "Der Turmfalke": In den vergangenen 30 Jahren gingen die Bestände des Turmfalken in Baden-Württemberg um 50 % und in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen um 20 % zurück. Ursache sind die zunehmende Verstädterung der Landschaft und die Versiegelung alter Dachböden und Kirchtürme. Zum Jagen fehlen dem Turmfalken zunehmend abwechslungsreiche Felder mit Hecken, Bäumen und Pfählen Zudem sind intensiv gespritzte Äcker lebensbedrohlich für Greifvögel: Beute wie Mäuse, Maulwürfe und Insekten enthalten für Raubvögel eine nicht selten tödliche Dosis an Insektiziden und Pestiziden.



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Bildnachweis:
Landschaft: © Kassandra / www.pixelio.de
Logo Vielfalt versus Pestizide: PAN Germany
Flusslauf: www.activebizz.de / www.pixelio.de
Frosch: © Marcus H. / www.pixelio.de
Turmfalke: © Karin Jähne / www.pixelio.de

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