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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Bio tatsächlich gesünder

01.12.2005, PAN Gerrmany

Aktuelle Studien belegen: Lebensmittel aus biologischem Anbau sind deutlich weniger mit Pestiziden belastet und enthalten mehr wertvolle Inhaltsstoffe als jene aus konventionellem Anbau. Dadurch ergibt sich ein in mehrfacher Hinsicht positiver Effekt auf die Gesundheit beim Verzehr von Biokost.

Im Auftrag des österreichischen Bio-Bauern-Verbandes "Bio Ernte Austria" wurde 2003 eine vergleichende Studie über Lebensmittel aus biologischem und Lebensmitteln aus konventionellem Anbau erstellt1. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen handelt es sich hierbei um einen umfassenden Untersuchungsansatz, der Ergebnisse aus 175 internationalen Studien berücksichtigt. Auch wenn die Autoren die Vergleichbarkeit der Proben bei den meisten Studien als eingeschränkt erachten und auf eine verbesserte Datengrundlage für zukünftige Arbeiten drängen, konnten sie doch meist sehr deutliche Ergebnisse aus den ihnen vorliegenden Daten herausfiltern.

Im Wesentlichen werden zwei Aspekte herausgestellt: Lebensmittel aus biologischem Anbau enthalten mehr wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamin C, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, als konventionell angebaute Lebensmittel. Zusätzlich ist bei Biokost eine deutlich geringere Belastung mit Pestiziden, Nitrat oder Zusatzstoffen festzustellen. Einen wichtigen Aspekt der Studie stellen somit die gesundheitlichen Vorzüge des Verzehrs von Bio-Lebensmitteln dar. Untersuchungen der Qualität von Muttermilch zum Beispiel, bringen die Bio-Ernährung bei Frauen in einen direkten Zusammenhang mit einem gesteigerten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, denen eine arteriosklerose- und krebsrisiko-reduzierenden Wirkung zugeschrieben wird. Die Pestizidbelastung der Muttermilch nimmt mit zunehmendem Konsum von Biokost ab. Bei Männern wiederum konnte eine Zunahme der Spermienkonzentration um 30% bei Bio-Verköstigung verzeichnet werden.

Lebensmitteln aus biologischer Produktion zeigen eine deutlich geringere Pestizidbelastung. In den konventionellen Proben wurden dagegen zahlreiche Pestizide und sonstige Rückstände registriert. Diese Aussagen über die Pestizidbelastung von Bio-Lebensmitteln werden von einer weiteren aktuellen Studie gestützt2. Das "Monitoring-System für Obst und Gemüse im Naturkostfachhandel" des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) ergab folgende Halbjahresbilanz: Von den untersuchten 256 Proben aus ökologischer Produktion waren 214 Proben (84%) rückstandsfrei. In 24 Proben konnten Spuren von nicht im Ökolandbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden. Weitere sieben Proben wiesen Rückstände von im Ökolandbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln unter Einhaltung der Höchstmenge auf. Insbesondere bei Obst- und Gemüse liegen die Ergebnisse zwischen den biologisch angebauten und den konventionell produzierten weit auseinander. Diesen signifikanten Unterschied bestätigen auch die Befunde des Ökomonitorings 2004 aus Baden-Württemberg3. Während die mittlere Pestizidbelastung bei Öko-Erzeugnissen bei 0,007 mg pro Kilogramm liegt, liegt der mittlere Gehalt bei konventionellem Obst und Gemüse bei 0,4 bzw. 0,5 mg pro Kilogramm.

Der Verzehr von konventionellem Obst und Gemüse ist fast unweigerlich mit der Aufnahme von Pestizidrückständen verbunden. Die allgemeine Umweltbelastung oder die Pestizidabdrift führt nicht dazu, dass ökologische Produkte vergleichbar hoch mit Pestiziden kontaminiert sind wie im konventionellen Anbau.

Eine weiteres Gesundheitsrisiko bilden Pilzgifte, die Mykotoxine. Die Bildung von Mykotoxinen hängt entscheidend von Witterungs- und Lagerungsbedingungen ab. Toxikologisch relevant sind u.a. Fusarientoxine und Mutterkorn-Alkaloide. Sie können eine Vielzahl gesundheitlicher Schädigungen durch akute oder chronische Vergiftungen verursachen, bis hin zu Krebs, Missbildungen und Tod. Für VerbraucherInnen ist die Frage daher wichtig, ob durch den Verzicht chemisch-synthetischer Fungizide Bioprodukte stärker mit Mykotoxinen belastet sind als konventionelle Erzeugnisse. Diese Annahme wird durch aktuelle Untersuchungen nicht bestätigt. Im Gegenteil, häufig schneiden Bioprodukte besser ab. Die Biologische Bundesanstalt untersuchte von 1999 bis 2003 gehandelte Weizenmehle auf Fusarium-Toxine. Der Anteil belasteter Proben war um 18% niedriger beim Bio-Mehl als bei konventionell produziertem Mehl.4 Ein Vergleich von ökologisch und integriert produziertem Roggen und Weizen über ebenfalls fünf Jahre ergab, dass die integrierten Erzeugnisse nicht nur öfter, sondern auch mit höheren Fusariumgehalten belastet waren, bis hin zu Grenzwertüberschreitungen 5.

Bei den sehr giftigen Mutterkornalkaloiden gab es nur bei konventionellen Roggenkörnern und -mehlen Grenzwertüberschreitungen. Die biologisch erzeugten Produkte zeigten generell deutlich niedrigere Gehalte in den Untersuchungsjahren 2003 und 2004. Als eine mögliche Ursache wird u.a. das Verbot von Hybridsorten (anfälliger gegenüber Mutterkorn) bei verschiedenen ökologischen Anbauverbänden genannt. 3, 6


Literatur/Fußnoten
1 Velimirov, A., Müller, W. (2003): Die Qualität biologisch erzeugter Lebensmittel - Ergebnisse einer umfassenden Literaturrecherche. Bio Ernte Austria, Wien; Download unter : http://www.ernte.at
2 Informationen zum Monitoring des BNN: http://www.n-bnn.de
3 Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart: Ökomonitoring 2004; unter http://www.cvuas. de
4 Ellner, F.M. (2004): Vorkommen von Fusarium-Toxinen in gehandelten Weizenmehlen aus konventionellem und ökologischem Anbau. Posterdemonstration, Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft - Institut für Ökotoxikologie und Ökochemie im Pflanzenschutz; http://www.bba.de/veranst/veranstarchiv/dpst/poster.pdf
5 Meister, U. (2005): Fusarientoxine im Brotgetreide des Landes Brandenburg in den Jahren 2000- 2004 - Vergleich von integrierten und ökologischen Anbau. Institut für Getreideverarbeitung GmbH, Nuthetal, Posterpresentation
6 Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (2005): Ergebnisse der Untersuchung von Roggenkörnern und Roggenmehlen der Ernte 2003 und 2004 auf Mutterkornalkaloide. Posterpresentation, 27. Mykotoxinworkshop, 13. bis15.06.2005, Dortmund; unter http://www.cvuas.de

Auszug aus:
Für eine Reduktion des Pestizideinsatzes in Deutschland
Hrsg. PAN Germany, Hamburg 2005, 88 Seiten, DIN A5

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