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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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WHO steht zur globalen Eliminierung von DDT

01.05.2007, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Mai/Juni 2007

Während der dritten Vertragsstaatenkonferenz des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe, die vom 30. April bis zum 4. Mai 2007 in Dakar (Senegal) stattfand, sagte die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Dr. Maria Neira, dass die WHO die Stockholm Konvention nachdrücklich unterstütze und sich zur Reduktion der Abhängigkeit von DDT in der Malariabekämpfung verpflichtet fühle.

Die Stockholm Konvention ist ein internationales Übereinkommen, das zum Ziel hat, persistente organische Schadstoffe (Persistant Organic Pollutants, POPs) weltweit zu beseitigen. Diese so genannte POPs Konvention trat 2004 in Kraft und wurde durch 143 Länder unterzeichnet. Sie wird durch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) verwaltet. Das Insektenvernichtungsmittel DDT ist eine der 12 Chemikalien, die der Konvention bei Inkrafttreten unterworfen wurden. In jüngster Zeit kamen Zweifel darüber auf, ob die Weltgesundheit an ihren bisherigen Aussagen über die Notwendigkeit des weltweiten Verbotes von DDT festhält.

DDT wurde in vielen Ländern wegen seiner Anreicherung in der Nahrungskette verboten. Durch seine Langlebigkeit ist DDT in allen Regionen der Welt nachweisbar. In Regionen, in denen DDT zur Malariakontrolle verwendet wurde, nahmen gestillte Säuglinge über die Muttermilch mehr DDT auf, als durch die Weltgesundheitsorganisation als sicher ("safe") ausgewiesen wird. DDT wird mit einer Reihe chronischer Erkran-kungen in Verbindung gebracht. Studien weisen zum Beispiel eine Verbindung zwischen Störungen der menschlichen Fortpflanzung und der Belastung mit DDT aus. Dazu zählen Frühgeburten, reduziertes Geburtsgewicht, vermehrtes Auftreten von Hodenhochstand, mangelhafte Spermaqualität, potentiell erhöhtes Brustkrebsrisiko und neurologische Effekte.

Für den Gebrauch in der Landwirtschaft ist DDT weltweit verboten, in Deutschland bereits seit Anfang der 1970er Jahre. Mit Inkrafttreten der POPs Konvention erhielt DDT weit reichende Ausnahmeregelungen für die Malariabekämpfung. Das Ziel der Konvention, DDT weltweit zu eliminieren, wurde von den Ausnahmegenehmigungen nicht berührt, allerdings auf eine längere Bank geschoben.

Im Verlaufe des vergangenen Jahres, und damit im Vorfeld der dritten Vertragsstaatenkonferenz der Rotter-dam Konvention, wurden Stimmen - auch aus der WHO - laut, DDT gegebenenfalls langfristig für die Malariabekämpfung zu erhalten. Solche Äußerungen sorgten für viel Aufregung. Die WHO sah sich daher in Da-kar am Rande der Vertragsstaatenkonferenz zur POPs Konvention veranlasst, zur zukünftigen Rolle von DDT in der Malariabekämpfung Stellung zu beziehen. PAN und das International POPs Elimination Network (IPEN) hatten vorab nachdrücklich eine klare Stellungnahme der WHO gefordert.

Im Rahmen einer Veranstaltung, die durch WHO/UNEP organisiert wurde, und die sich mit der Reduktion der Abhängigkeit von DDT bei gleichzeitiger Verbesserung der Malariakontrolle ("Reducing Reliance on DDT While Strengthening Malaria Control") befasste, bestätigte Dr. Neira die Sorge der WHO über die gesundheitlichen Effekte von DDT. Sie sagte, dass die WHO sich verpflichtet fühle, dafür zu sorgen, dass Alternativen zu DDT zur Verfügung stehen. WHO und UNEP bestätigten, dass sich der Gebrauch von DDT seit Inkrafttreten der Konvention verdoppelt habe. Länder würden oftmals das WHO-Konzept der selektiven Anwendung bei vorliegender Ausnahmegenehmigung nicht anwenden. Da es in vielen Ländern, in denen Malaria ein großes Problem darstellt, an finanziellen und personellen Mitteln mangelt, wurde die Notwendigkeit eines globalen Plans und einer Stärkung der Süd-Süd-Kooperation geäußert. Einer der unerwünschten Nebeneffekte der Sondergenehmigungen für die Malariabekämpfung ist, dass DDT unkontrolliert für landwirtschaftliche Zwecke "abgezweigt" wird.

Eine Million Menschen sterben jedes Jahr durch die Malariakrankheit. Es sind weit überwiegend afrikanische Kinder südlich der Sahara (80%), die generell oft in gesundheitlich abträglichen Situationen leben. Ab-hilfe ist seit Jahren dringend gefordert. Nicht-Regierungsorganisationen wie PAN fordern differenzierte Pro-gramme statt DDT. Erfahrungen in verschiedenen Ländern zeigen, dass der Malaria ohne DDT begegnet werden kann. Erfolg ist allerdings nur möglich, wenn ein politischer Wille, auf DDT zu verzichten, existiert, und statt der 'chemischen Keule' ein differenziertes Programm durchgeführt wird. Positive Beispiele für erfolgreiche Programme sind etwa in Mexiko, in der Zentralregion Kenias, in Vietnam oder in Indien zu finden. Einer der wichtigsten Aspekte der DDT-freien Strategie ist die Beteiligung der Bevölkerung, kombiniert mit vorsorgenden und die Krankheit behandelnden Maßnahmen.

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