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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Pestizidreduktion braucht klare Rahmenbedingungen

01.01.2007, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Januar/Februar 2007

Auf der Grundlage einer Untersuchung der Ökonomie der Restizidreduktion1 gelangt Walter Dirksmeyer zu der Aussage, dass die in der konventionellen Landwirtschaft vorhandenen Pestizid-Reduktionspoteziale nur dann realisiert werden können, wenn ein klarer Entscheidungsrahmen vorliegt.

Mit der Veröffentlichung "Economics of Pesticide Reduction and Biological Control in Field Vegetables - A cross Country Comparison" publiziert Walter Dirksmeyer seine Untersuchung des Potenzials der Reduzierung des Pestizideinsatzes in Freilandgemüse. Grundlage der Untersuchung ist der Anbau von Möhren, Porree und Zwiebeln in Dänemark, in Deutschland und in den Niederlanden. Die Auswahl der 134 in die Untersuchung einbezogenen Produzenten in den genannten Ländern erfolgte unter der Maßgabe, möglichst viele verschiedene Technologien zum Management der wichtigsten Schaderreger erfassen zu können.

Dirksmeyer gelangt zu der generellen Aussage, "dass die Produzenten in allen drei Ländern sehr zum Einsatz von Pestiziden tendieren." Dies sei vor allem in Deutschland der Fall. Besonders aus der Sicht der Verbraucherschutzpolitik und der Pestizidpolitiker ist an den Ergebnissen der Studie bemerkenswert, dass in Bezug auf die meisten untersuchten Parameter nahezu keine Unterschiede zwischen dem Konventionellen Anbau und dem Integrierten Anbau bestehen. Eine derartige Aussage, dass sich Integrierter und Konventioneller Anbau kaum unterscheiden, war auch Ergebnis einer an der Uni Kassel erstellten Untersuchung des Obstbaus2 (vgl. Pestizid-Brief Mai/ Juni 2004).

Dirksmeyer stellt fest, dass die Technologien zur Vermeidung von Pestizideinsätzen oft nur von einem Teil der Gemüseproduzenten in einem einzigen Land eingesetzt werden, obwohl in den drei Ländern Probleme mit denselben Schaderregern auftreten, wobei die Befallsstärken allerdings zuweilen schwanken können und damit unterschiedliche Managementsysteme angeraten sind. Technologien zur Kontrolle von Schadorganismen, die den Effekt haben, dass nur wenige oder keine Pestizide eingesetzt werden, finden vorrangig in Dänemark und den Niederlanden Verwendung, in Deutschland selten. Daraus wird abgeleitet, dass der grenzüberschreitende Informationsaustausch über Strategien im Pflanzenschutz intensiviert werden sollte.

Im Rahmen der Untersuchung erlangte Simulationsergebnisse zeigen, "dass das Risiko von Kontrollmaßnahmen, die durch einen geringen Einsatz von Pestiziden gekennzeichnet sind, nicht zwingend größer ist als das von Kalenderspritzungen". Nach Dirksmeyer tendieren die Gemüseproduzenten in Deutschland weiterhin dazu, Kalenderspritzungen durchzuführen. Sie tun dies, obwohl rentablere Technologien zur Verfügung stehen. Dies ist nur damit zu erklären, dass bei der Entscheidung für oder gegen die Pestizidausbringung neben dem Schaderregerbefall und den Rentabilitätsüberlegungen weitere Parameter Einflussgrößen darstellen. Zur genaueren Untersuchung dieser Fragestellung wurde der vergleichsweise pestizidintensive Porreeanbau in Deutschland ausgewählt. Ergebnis ist, dass neben der steigenden Anzahl an Schaderregern die Einstellung der Produzenten zum Pflanzenschutz und die steigende Anzahl der Informationsquellen über den Pflanzenschutz zu einem Anstieg der Intensität des Pestizideinsatzes beitragen. Letzteres betrachtet Dirksmeyer als "Indikator dafür, dass die den Gemüseproduzenten zur Verfügung stehenden Informationen zugunsten der Anwendung von Pestiziden verzerrt sind." Im Gegensatz dazu habe die häufigere Beobachtung des Bestandes eine pestizidreduzierende Wirkung.

Unter den betriebsexternen Faktoren, die Einfluss auf die Intensität des Pestizideinsatzes haben, hebt Dirksmeyer die auf EU-Ebene festgelegten Qualitätskriterien hervor. Sie schreiben vor, dass Gemüseprodukte völlig frei von Schaderregern und ihren Einflüssen auf das Produkt sein müssen. Solche Anforderungen fördern Pestizidanwendungen mit Versicherungscharakter, da die Betriebe für einen einmaligen Pestizideinsatz im Freilandgemüse weniger als 1% der Erlöse investieren müssen. Gemüseanbauer wollen sicherstellen, dass die Qualitätsstandards auf jeden Fall eingehalten werden, da sie ökonomische Verluste befürchten.

Dirksmeyer geht davon aus, dass eine Änderung der Pflanzenschutzpraxis hin zur Integration von Methoden, die eine Reduktion des Pestizideinsatzes zur Folge haben, deutlich klarere und wirksamere politische Rahmenbedingungen erfordern. Es sei bekannt, dass extreme Einflüsse mit schockartigen Wirkungen von außen notwendig seien, um die sog. Pfadabhängigkeit und damit Barrieren des Technologiewechsels zu durchbrechen. Dies sei z. B. durch ein Pestizid-Reduktionsprogramm möglich. Das deutsche Programm sei allerdings zu schwach.


1 Wissenschaftsverlag Vauk Kiel KG, Landwirtschaft und Umwelt, Schriften zur Umweltökonomik, Kiel.

2 Rösler, Stefan (2004): Natur- und Sozialverträglichkeit des Integrierten Obstbaus. (430 Seiten, 23 Euro, Bezug: NABU-Streuobst-Materialversand, Hochwiesenweg 40, 73733 Esslingen, Tel. 0711-31080-84

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