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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Was sind unnötige Pestizidanwendungen im Pflanzenschutz?

01.01.2007, Susan Haffmans

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Januar/Februar 2007

Eine neue, durch PAN Germany herausgegebene Publikation1 setzt sich mit der Frage, was unnötige Pestizidanwendungen im Pflanzenschutz sind, auseinander. Dies geschieht, weil der Terminus "unnötige Pestizidanwendungen" ein zentraler Begriff des deutschen Reduktionsprogramms chemischer Pflanzenschutz ist. Anhand von Beispielen aus dem Ackerbau, dem Energiepflanzenanbau und dem Obst- und Gemüsebau wird geprüft, ob "unnötige Pestizidanwendungen" im chemischen Pflanzenschutz identifizierbar sind, und es werden Einflussgrößen auf den Pestizideinsatz benannt.

In den letzten Jahren formierte sich in Deutschland erstmals ein breiter Konsens unter den verschiedensten Interessengruppen darüber, dass es deutliche Pestizid-Einsparpotenziale in der konventionellen Landwirtschaft gibt. Auf der Basis dieses Konsenses wurde das "Reduktionsprogramm chemischer Pflanzenschutz" unter der Leitung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (damals BMVEL) ausgearbeitet. Das Programm startete Anfang 2005 und erhielt im selben Jahr die Unterstützung der Agrarminister der Bundesländer. Hauptziel des Reduktionsprogramms ist die "Begrenzung der Anwendung insbesondere chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß und damit Vermeidung unnötiger Anwendungen sowie verstärkte Anwendung nicht-chemischer Pflanzenschutzmaßnahmen" 2. Während im Programm der Begriff "notwendiges Maß" definiert wird, fehlt bezüglich des Begriffs "unnötige Anwendungen" die terminologische Klärung.

Um der Frage nachzugehen, ob es überhaupt möglich ist, "unnötige" Pestizidanwendungen allgemein und auch kulturspezifisch zu definieren, lud PAN Germany im Mai 2006 zu dem Workshop "Was sind unnötige Pestizidanwendungen im Pflanzenschutz?" ein. Die genannte Frage wurde hierbei nicht nur im engeren, pflanzenbautechnischen Sinne erörtert, sondern es wurden auch konkrete Einflussgrößen von außen auf den landwirtschaftlichen Betrieb berücksichtigt. Die neue PAN Germany-Publikation basiert auf Ergebnissen und Denkanstößen aus dem Workshop und setzt die Diskussion des Workshops fort.

Bei der Publikation handelt es sich um eine Schrift, die geeignet ist, die Auseinandersetzung mit dem Terminus "unnötige Anwendungen" zu fördern, vor allem im Hinblick auf seine Tauglichkeit als zentraler Begriff des Reduktionsprogramms. Ergebnis der Recherchen ist, dass "unnötige Anwendungen" durchaus identifizierbar sind. Deutlich wird hierbei aber auch, dass die Einschätzung, ob Pestizidanwendungen "unnötig" sind, davon abhängt, wer diese Betrachtung anstellt. Und - die Anzahl benennbarer "unnötiger Pestizidanwendungen" ändert sich je nachdem, welche Akteure ihren spezifischen Einfluss auf die Reduktion des Pestizideinsatzes wahrnehmen.

Ob über die systematische Bestimmung "unnötiger Anwendungen" tatsächlich ein deutliches Reduktionspotenzial zur Wirkung gelangt, kann sich jedoch nur über die klare Identifizierung zeigen. Das definitorische Vakuum, so die Veröffentlichung, kann deshalb wie ein Bremsschuh auf das Reduktionsprogramm wirken. Die fehlende Konkretisierung des Begriffs von Seiten der Politik sei eine vergebene Chance für den Erfolg des Reduktionsprogramms, weil ein unbestimmter Begriff kaum konkrete Handlungsanweisungen nach sich ziehen kann. PAN Germany macht deutlich, dass die Vermeidung unnötiger Pestizidanwendungen nur dann im Sinne des Reduktionsprogramms erfolgreich sein kann, wenn die begriffliche Unsicherheit ausgeräumt und Rahmenbedingungen für die Vermeidung unnötiger Anwendungen geschaffen werden. Sollte dies nicht möglich sein, muss, so PAN, über eine Streichung des Begriffes der "unnötige Anwendungen" aus dem Reduktionsprogramm nachgedacht werden. Dies könnte allerdings den Eindruck erwecken, dass in Deutschland nicht gerade ernsthaft an einer relevanten Pestizidreduktion in der konventionellen Landwirtschaft gearbeitet wird. Interessanter Erörterungsgegenstand wäre dann die Implikation für den integrierten Pflanzenschutz und den ökologischen Landbau.

1 PAN Germany (2007): Was sind unnötige Pestizidanwendungen im Pflanzenschutz?, Hamburg. (30. S.)

2 Reduktionsprogramm chemischer Pflanzenschutz. Nachhaltige Landwirtschaft - Vorsorgender Verbraucherschutz - Schutz des Naturhaushalts. Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.), ohne Datum, S. 10

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