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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Bio tatsächlich gesünder

01.10.2005, PAN Germany

Aktuelle Studien belegen: Lebensmittel aus biologischem Anbau sind deutlich weniger mit Pestiziden belastet und enthalten mehr wertvolle Inhaltsstoffe als jene aus konventionellem Anbau. Dadurch ergibt sich ein in mehrfacher Hinsicht positiver Effekt auf die Gesundheit beim Verzehr von Biokost.

Im Auftrag des österreichischen Bio-Bauern-Verbandes "Bio Ernte Austria" wurde 2003 eine vergleichende Studie über Lebensmittel aus biologischem und Lebensmittel aus konventionellem Anbau erstellt.1 Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen handelt es sich hierbai um einen umfassenden Untersuchungsansatz, der Ergebnisse aus 175 internationalen Studien berücksichtigt. Auch wenn die Autoren die Vergleichbarkeit der Proben bei den meisten Studien als eingeschränkt erachten und auf eine verbesserte Datengrundlage für zukünftige Arbeiten drängen, konnten sie doch meist sehr deutliche Ergebnisse aus den ihnen vorliegenden Daten herausfiltern.

Im Wesentlichen werden zwei Aspekte herausgestellt: Lebensmittel aus biologischem Anbau enthalten mehr wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamin C, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe als konventionell angebaute Lebensmittel. Zusätzlich ist bei Biokost eine deutlich geringere Belastung mit Pestiziden, Nitrat oder Zusatzstoffen festzustellen. Einen wichtigen Aspekt der Studie stellen somit die gesundheitlichen Vorzüge des Verzehrs von Bio-Lebensmitteln dar. Untersuchungen der Qualität von Muttermilch zum Beispiel bringen die Bio-Ernährung bei Frauen in einen direkten Zusammenhang mit einem gesteigerten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, denen eine arteriosklerose- und krebsrisikoreduzierende Wirkung zugeschrieben wird. Die Pestizidbelastung der Muttermilch nimmt mit zunehmendem Konsum von Biokost ab. Bei Männern wiederum konnte eine Zunahme der Spermienkonzentration um 30 % bei Bioverköstigung verzeichnet werden.

Lebensmittel aus biologischer Produktion zeigen eine deutlich geringere Pestizidbelastung. In den konvenionellen Proben wurden dagegen zahlreiche Pestizide und sonstige Rückstände registriert. Diese Aussagen über die Pestizidbelastung von Bio-Lebensmitteln werden von einer weiteren aktuellen Studie gestützt.2 Das "Monitoring-System für Obst und Gemüse im Naturkostfachhandel" des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) ergab folgende Halbjahresbilanz: Von den untersuchten 256 Proben aus ökologischer Produktion waren 214 Proben (84 %) rückstandsfrei. In 24 Proben konnten Spuren von nicht im Ökolandbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden. Weitere sieben Proben wiesen Rückstände von im Ökolandbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln unter Einhaltung der Höchstmenge auf. Insbesondere bei Obst und Gemüse liegen die Ergebnisse zwischen den biologisch angebauten und den konventionell produzierten weit auseinander. Diesen signifikanten Unterschied bestätigen auch die Befunde des Ökomonitorings 2004 aus Baden-Württemberg.3 Während die mittlere Pestizidbelastung bei Öko-Erzeugnissen bei 0,007 mg pro Kilogramm liegt, liegt der mittlere Gehalt bei konventionellem Obst und Gemüse bei 0,4 bzw. 0,5 mg pro Kilogramm.

Der Verzehr von konventionellem Obst und Gemüse ist fast unweigerlich mit der Aufnahme von Pestizidrückständen verbunden. Die allgemeine Umweltbelastung oder die Pestizidabdrift führen nicht dazu, dass ökologische Produkte vergleichbar hoch mit Pestiziden kontaminiert sind wie im konvenionellen Anbau.

Ein weiteres Gesundheitsrisiko bilden Pilzgifte - die Mykotoxine. Die Bildung von Mykotoxinen hängt entscheidend von Witterungs- und Lagerungsbedingungen ab. Toxikologisch relevant sind u.a. Fusariumtoxine und Mutterkornalkaloide. Sie können eine Vielzahl gesundheitlicher Schädigungen durch akute oder chronische Vergiftungen verursachen, bis hin zu Krebs, Missbildungen und Tod. Für VerbraucherInnen ist die Frage daher wichtig, ob durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Fungizide Bioprodukte stärker mit Mykotoxinen belastet sind als konventionelle Erzeugnisse. Diese Annahme wird durch aktuelle Untersuchungen nicht bestätigt. Im Gegenteil, häufig schneiden Bioprodukte besser ab. Die Biologische Bundesanstalt untersuchte von 1999 bis 2003 gehandelte Weizenmehle auf Fusariumtoxine. Der Anteil belasteter Proben war beim Bio-Mehl um 18 % niedriger als bei konventionell produziertem Mehl.4 Ein Vergleich von ökologisch und integriert produziertem Roggen und Weizen über ebenfalls fünf Jahre ergab, dass die integrierten Erzeugnisse nicht nur öfter, sondern auch mit höheren Fusariumgehalten belastet waren, bis hin zu Grenzwertüberschreitungen.5

Bei den sehr giftigen Mutterkornalkaloiden gab es nur bei konventionellen Roggenkörnern und -mehlen Grenzwertüberschreitungen. Die biologisch erzeugten Produkte zeigten generell deutlich niedrigere Gehalte in den Untersuchungsjahren 2003 und 2004. Als eine mögliche Ursache wird u.a. das Verbot von Hybridsorten (anfälliger gegenüber Mutterkorn) bei verschiedenen ökologischen Anbauverbänden genannt.3 6

Literatur/Fußnoten

1 A. Velimirow, W. Müller, (2003): Die Qualität biologisch erzeugter Lebensmittel - Ergebnisse einer umfassenden Literaturrecherche. Bio Ernte Austria, Wien; Download unter: http://www.ernte.at

2 Informationen zum Monitoring des BNN: http://n-bnn.de

3 Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart: Ökomonitoring 2004; http://www.cvuas.de

4 F.M. Ellner (2004): Vorkommen von Fusariumtoxinen in gehandelten Weizenmehlen aus konventionellem und ökologischem Anbau. Posterdemonstration, Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft - Institut für Ökotoxikologie und Ökochemie im Pflanzenschutz; http://www.bba.de/veranst/veranstarchiv/dpst/poster.pdf

5 U. Meister (2005): Fusariumtoxine im Brotgetreide des Landes Brandenburg in den Jahren 2000 bis 2004 - Vergleich von Integriertem und ökologischem Anbau. Institut für Getreideverarbeitung GmbH, Nethetal, Posterpräsentation

6 Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (2005): Ergebnisse der Untersuchung von Roggenkörnern und Roggenmehlen der Ernte 2003 und 2004 auf Mutterkornalkaloide. Posterpräsentation, 27. Mykotoxinworkshop, 13. bis 15.06.2005, Dortmund; http://cvuas.de

Auszug aus:

Für eine Reduktion des Pestizideinsatzes in Deutschland
Hrsg. PAN Germany, Hamburg, 2005, 88 Seiten, DIN A5

Die Broschüre kann bei PAN Germany, Nernstweg 32, 22765 Hamburg, Fax 040 - 390 75 20, bestellt werden.
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