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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Breiter Widerstand gegen neue pro-DDT Politik der WHO

01.09.2006, PAN Germany, Carina Weber

Budapest, Oktober 2006: Eine breite Koalition von Experten der Bereiche Gesundheit und Toxikologie aller Kontinente rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu auf, von ihrer neuen, aggressiven Förderung von DDT zur Malariabekämpfung Abstand zu nehmen. Sie drückte ihre Empörung darüber aus, dass die WHO einen politisch motivierten Freifahrtschein für die DDT-Anwendung in Innenräumen vergeben habe.

Am 15. September 2006 gab die WHO eine neue Strategie zur Bekämpfung von Malaria bekannt: den Einsatz des altbekannten und berühmt-berüchtigten Insektenvernichtungsmittels DDT. Damit verlautbarte die WHO 30 Jahre, nachdem DDT weltweit geächtet und zwischenzeitlich in vielen Ländern für jeglichen Gebrauch verboten wurde, eine Kehrtwende in ihrer Pestizidpolitik im Bereich der Malariabekämpfung.

Die WHO-Bekanntmachung, in der Malariabekämpfung zum Gebrauch von DDT zurückzukehren, provozierte umgehend internationalen und breiten Aufruhr unter all jenen, die sich seit Jahren unter dem Dach von PAN und IPEN, dem International POPs Elimination Network, für eine gesundheits- und umweltverträgliche Malariabekämpfung eingesetzt haben. In einer Presseerklärung vom 26.9.2006 warfen PAN, IPEN und Doctors for the Environment der WHO vor, allein politisch motiviert und völlig unverantwortlich zu handeln. "Wir benötigen", so Dr. Paul Saoke, Direktor der Organisation Physicians for Social Responsibility mit Sitz in Kenia, "echte Lösungen für das Malariaproblem in Afrika, nicht die Rückkehr zu einer breiten Abhängigkeit von einer vermeintlichen Wunderwaffe, die die Gesundheit jener Menschen riskiert, die ohnehin bereits mit der tödlichen Krankheit Malaria kämpfen". In ihrer Verlautbarung gab die WHO dem DDT eine zentrale Rolle in einer neuen, aggressiven Kampagne zur Bekämpfung der Malaria. Quellen innerhalb der WHO berichteten jedoch, dass es keine Neubewertung von DDT gab und auch keine offizielle Revision der WHO-Politik, die ohnehin bereits auf der Grundlage der Stockholm-Konvention unter bestimmten, kontrollierten Bedingungen und zeitlich begrenzt den Einsatz von DDT vorsah.

Die Stockholm-Konvention wurde von 129 Nationen unterzeichnet und hat zum Ziel, unter anderem auch den Gebrauch von DDT weltweit zu eliminieren. Mit der Verlautbarung der WHO wendet sie sich von diesem sehr breiten Konsens ab. Einer der führenden WHO-Malariaexperten, Dr. Allan Schapira, trat angesichts dieser Ungeheuerlichkeit denn auch kurz vor der WHO-Verlautbarung unter der neuen Leitung des globalen WHO-Malariaprogramms durch Dr. Arata Kochi zurück. Rund die Hälfte der Mitarbeiter des Roll Back Malaria-Programms der WHO solle die Arbeit niedergelegt haben, seit Kochi sein neues Amt als Leiter des Programms antrat.

Die Kritik an der Nutzung von DDT ist vielfältig begründet. "DDT gefährdet die menschliche Gesundheit und ist nicht die beste Lösung des Problems", sagte Henry Diouf von PAN Afrika. Er fügte hinzu: "Malaria ist eine Krankheit der Armen. Deshalb ist die Bekämpfung von Armut langfristig die beste Lösung". Kurzfristig, so Diouf, seien sicherere und effektivere Ansätze verfügbar, etwa Bettnetze, die schnelle Diagnose und Behandlung von Malariaerkrankungen und die lokale Aufklärung der Bevölkerung über Möglichkeiten der Vorsorge.

Die Verlautbarung von Dr. Kochi bekam starke Unterstützung von der Bush-Administration. Kristin Schafer, Programm-Koordinatorin von PAN Nordamerika: "Die jüngste Änderung der US-Politik spiegelt die Wirkung einer gut organisierten pro-DDT-Kampagne weniger Lobbyisten wider." Die Bemühungen der Lobbyisten würden durch Kreise unterstützt, die von der US-amerikanischen Pestizidindustrie finanziert würden, inklusive Monsanto. Jahrzehnte wissenschaftlicher Forschung haben gezeigt, dass DDT vielfältige unerwünschte Wirkungen hat. Fortpflanzungsschäden durch die Einwirkung von DDT sind gut dokumentiert. Es gibt Hinweise auf krebserzeugende Wirkungen und neue Hinweise auf neurologische Effekte und Entwicklungsverzögerungen bei Babys und Kleinkindern, die DDT ausgesetzt waren.

In vielen Ländern werden effektivere und sicherere Methoden der Malariakontrolle angewendet. In Vietnam konnten die Fälle von Malariaerkrankungen um 59% reduziert und die Fälle tödlicher Malariaerkrankungen um 97% reduziert werden. Dort wurde 1991 von dem Versuch, Malaria mit Hilfe von DDT auszurotten, auf eine nachhaltigere Strategie umgestellt. Hierzu gehören Maßnahmen wie die Nutzung von Moskitonetzen und Pharmaka sowie ein breites Programmangebot zur Gesundheitserziehung. IPEN und PAN setzen sich deshalb aktuell sehr aktiv dafür ein, dass internationale Vereinbarungen nicht über Einzelinteressen aufgeweicht werden.

(Carina Weber)

(aus: PAN Germany Pestizid-Brief September/Oktober 2006)

Weitere englischsprachige Informationen zu diesem Thema befinden sich auf der folgenden Website von PAN Nordamerika: http://www.panna.org/resources/ddtWhy.html

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