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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Umwelteinflüsse auf die Gesundheit von Kindern

01.11.2005, Norbert Reintjes

Kinder reagieren auf Schadstoffexposition anders als Erwachsene. Dies wird zwar in der Forschung zunehmend berücksichtigt, die Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse in die Praxis ist bislang jedoch unzureichend.

Die anerkannte Wissenschaftszeitschrift "Environmental Health Perspectives" widmete ihre Oktober-Ausgabe der Gesundheit von Kindern und ihrer Exposition mit Umwelteinflüssen. Neben dem Vergleich des Bewusstseins für die Problematik und der Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis in den USA versus Europa1 werden Erfahrungen zur Exposition von Kindern gegenüber Schadstoffen aus der US-"National Children's Study" hinsichtlich des Untersuchungsdesigns2 und der Probennahme- und Analyseverfahren3 betrachtet.

Kinder reagieren auf Schadstoffexposition aufgrund ihrer entwicklungsbiologischen und stoffwechselphysiologischen Eigenschaften anders als Erwachsene. Der Stoffwechsel von Kindern ist verglichen mit Erwachsenen erhöht. So essen und trinken Kinder relativ zu ihrem Körpergewicht 3-5-mal mehr als Erwachsene, wodurch die Aufnahme von Umweltchemikalien, etwa Pestizide, erhöht sein kann. Ebenso atmen sie mehr, was auch die Aufnahme von Schadstoffen aus der Luft fördert.

Die besondere gesundheitliche Gefährdung von Kindern durch Schadstoffe liegt darin, dass letztere die Entwicklungsprozesse unterbrechen, verzögern oder verändern können.

Die Effekte der Exposition von Kindern mit Umweltchemikalien ist zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. In den USA wird derzeit beispielsweise eine umfangreiche epidemiologische Studie zur Auswirkung von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern durchgeführt4.

Die entscheidende Herausforderung ist, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Auf europäischer Ebene wurde 2004 der "Children's Environment and Health Action Plan for Europe (CEHAPE)" aufgestellt1. Es bedarf jedoch noch großer Anstrengungen, bis allgemeine Forderungen in praxisrelevante Regelungen einfließen. Das deutsche "Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit" geht davon aus, dass Kinder bezüglich der derzeitigen Verfahren bei der Festlegung von Grenz- und Richtwerten ausreichend berücksichtigt werden5. Die bislang erhobenen Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Risikoabschätzung differenziert für Kinder durchzuführen ist. Im Sinne des Vorsorgeprinzips muss daher angesichts der noch unzureichenden Datenlage gefordert werden, die Grenzwerte für die Exposition von Kindern mit Schadstoffen zu verschärfen.


1 Landrigan, P. J.; Tamburlini, G. (2005): Children's health and the environment: a transatlantic dialogue. In: Environmental Health Perspectives 113 (10) A646-647
2 Kimmel, C. A.; Collman, G. W.; Fields, N.; Eskenazi, B. (2005): Lessons learned for the National Children's Study from the National Institute of Environmental Health Sciences/U.S. Environmental Protection Agency Centers for Children's Environmental Health and Disease Prevention Research. In: Environmental Health Perspectives 113 (10): 1414-1418
3 Fenske, R. A.; Bradman, A.; Whyatt, R. M.; Wolff, M. S.; Barr, D. B. (2005): Lessons learned for the assessment of children's pesticide exposure: critical sampling and analytical issues for future studies. In: Environmental Health Perspectives 113 (10): 1455-1462
4 http://nationalchildrensstudy.gov/ index.cfm
5 Umweltbundesamt (2004): Umweltbedingte Gesundheitsrisiken - Was ist bei Kindern anders als bei Erwachsenen (http://www. apug.de/archiv/pdf/ broschuere_kinder_suszept.pdf

Norbert Reintjes


Aus: PAN Germany Pestizid-Brief November/Dezember 2005



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