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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Pestizidmarkt 2002: Deutsche Pestizidindustrie erfreut

01.07.2003, Carina Weber

Nachdem sich die Bundesregierung 2002 zum Ziel setzte, "eine Strategie zur Minderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln" zu entwickeln, blickt die im Industrieverband Agrar (IVA) organisierte deutsche Pflanzenschutzindustrie auf das Jahr 2002 mit einer "positiven Geschäftsentwicklung" zurück. 1,133 Mrd. Euro Nettoinlandsumsatz erzielten die im IVA organisierte Firmen mit an den Handel abgegebenen Pestizidprodukten 2002. Das bedeutet einen Anstieg um 9,9% gegenüber dem Vorjahr. Dieser Anstieg des Umsatzes betrifft alle großen Pestizidgruppen: Der Herbizidumsatz stieg um 7,7% auf 515 Mio. Euro, der Fungizidumsatz um 7,5% auf 445 Mio. Euro und der Insektizidumsatz um 19,3% auf 105 Mio. Euro. Bei den "sonstigen Pflanzenschutzmitteln" verzeichnete der IVA sogar einen Anstieg des Umsatzes um 33% (auf 68 Mio. Euro). Gleichzeitig hat auch die in Deutschland durch Mitgliedsfirmen des IVA abgegebene Wirkstoffmenge leicht zugenommen, um 1,5% auf 26.635 Tonnen.

Ähnlich verhält es sich beim Pestizidexport. Auch dort verzeichnet der IVA einen Anstieg der Erlöse um 5,7% auf 2,542 Mrd. Euro. Der gesamte Weltpflanzenschutzmarkt war demgegenüber nach Aussage des IVA rückläufig und sank um 2,5% auf 25,1 Mrd. Dollar.

Der bedeutsamste Pestizidmarkt ist nach wie vor die NAFTA-Region (USA, Kanada, Mexiko) mit einem Anteil von 31% (Vorjahr 30%) am Weltpestizidmarkt. An 2. Stelle stehen mit jeweils 22% Westeuropa und Asien (inkl. Japan), gefolgt von Lateinamerika (16%) und Osteuropa (6%). Sowohl Osteuropa (+2%) als auch Afrika (+1%) haben gegenüber dem Vorjahr einen vergrößerten Anteil am Weltmarkt. Afrika (3%) bildet gleichwohl nach wie vor den kleinsten Pestizidmarkt. Dennoch waren die negativen Folgen des Pestizideinsatzes in manchen afrikanischen Regionen, z.B. im Baumwollanbau im Benin, in jüngerer Zeit dramatisch.

Wohin welche Pestizide aus Deutschland exportiert werden, ist nicht bekannt. Die über den Pestizidexport veröffentlichten Daten sind derart lückenhaft, kondensiert und anonymisiert, dass hierzu keinerlei Bewertung möglich ist. So ist es nicht verwunderlich, dass Konrad Schmidt, der als Mitarbeiter der Biologischen Bundesanstalt (BBA) jüngst Daten über den Pestizidmarkt veröffentlichte (Schmidt, 2003), zu der Aussage gelangte: "Zur Exportentwicklung von Wirkstoffen sind keine weiteren Wertungen möglich, da hier nur Daten über den Export von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln gemäß der Meldungen nach § 19 Pflanzenschutzgesetz, ohne Angabe, wohin die Exporte und in welchen formulierten Mitteln diese erfolgen, vorliegen."

Eine stark erhöhte Bedeutung hat nach Aussage des IVA die Gentechnik im Pflanzenschutz. In der Zeit von 1998 bis 2002 sei die Anbaufläche für gentechnisch veränderte Kulturen von weltweit 44,2 Mio. Hektar (2000) auf 58,7 Mio. Hektar ausgeweitet worden.

Carina Weber

Quellen:
IVA (2003): Jahresbericht 2002/2003, Industrieverband Agrar (IVA), Frankfurt.

Schmidt, K. (2003): Ergebnisse der Meldungen für Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe nach § 19 des Pflanzenschutzgesetzes für die Jahre 1999, 2000 und 2001 im Vergleich zu 1998. In: Nachrichtenbl. Deut. Pflanzenschutzdienst 55 (6), S. 121-133.

(Aus: PAN Germany, Pestizid-Brief Juli/August 2003)

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