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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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NGOs in Osteuropa aktiv gegen Pestizidaltlasten

01.03.2005, Susanne Smolka

In der ehemaligen Sowjetunion wurden seit den 1960er Jahren große Mengen gefährlicher Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt, darunter auch persistente organische Schadstoffe (POPs), die heute im Rahmen der Stockholm Konvention weltweit verboten sind, z.B. DDT und Dieldrin. Viele Umweltschutzorganisationen setzen sich dort mittlerweile für die sichere Lagerung und Entsorgung der Pestizidaltlasten ein.

Nach FAO-Schätzungen umfasst der Weltbestand an Pestizidaltlasten (im Englischen "obsolete pesticides") rund 500.000 Tonnen. Der Anteil Osteuropas, inklusive der Staaten der ehemaligen Sowjetunion, liegt bei ca. 200.000 Tonnen und somit bei rund 40 Prozent.

Für die vergleichsweise große Menge an Pestizidaltlasten im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sind auch die politischen Veränderungen Anfang der 1990er Jahre und der wirtschaftliche Zusammenbruch der Staaten dieser Region mitverantwortlich. Landwirtschaftliche Strukturen brachen vielerorts zusammen, und für viele der vormals planwirtschaftlich verteilten Pestizidbestände gab es keine Verwendung mehr. Oft fühlte sich niemand mehr für die sichere Lagerung und Entsorgung verantwortlich, und die Pestizide wurden mit der Zeit unbrauchbar.

Von den genannten 200.000 Tonnen Pestiziden wurden allein rund 50.000 Tonnen vor 1980 in dem Gebiet der ehemaligen UDSSR in einer Tiefe von einem bis fünf Metern vergraben. Dies war damals anscheinend eine übliche Art, sich verbotener oder unbrauchbarer (obsoleter) Pestizide zu entledigen, wie z.B. von DDT, Lindan, Heptachlor, Carbamate oder Arsen- und Cyanoverbindungen. Viele dieser Standorte werden nicht oder nicht mehr überwacht oder gar instandgesetzt. Zudem ist davon auszugehen, dass Standorte einfach "in Vergessenheit" geraten sind. Messungen belegen, dass aus diesen Altlaststandorten die giftigen Stoffe aussickern und den umgebenden Boden, das Grundwasser und andere Gewässer kontaminieren. Andere obsolete Pestizide und Gemische lagern oberirdisch in oft maroden, ungeschützten Lagerhäusern, sogar in Ruinen ohne Dächer.

Quantitative Angaben zur vermuteten Gesamtmenge in einzelnen Nicht-EU-Staaten des Ostens sind oft entweder nicht verfügbar oder unsicher. Schätzungen gibt es zum Beispiel für: Georgien: 400 t, Kasachstan: 500 t, Kirgisien: 171 t, Moldawien > 3.000 t, Russland: 24.000 t, Usbekistan: 1.433 t, Ukraine: 20.000 t und Weißrussland: 1.566 t.

Die Altbestände stellen eine große Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung und für die Umwelt dar. Um diesem verheerenden Zustand entgegenzutreten, hat sich in den letzten Jahren eine beeindruckende Anzahl von Nichtregierungsorganisationen (NROs) in der Region dem Problem mit großem Engagement gewidmet, viele unterstützt durch und unter dem Dach vom International POPs Elimination Network (IPEN).

Derzeit werden 14 NGO-Projekte im Rahmen des von IPEN initiierten "International POPs Elimination Project" unter anderem in Armenien, Aserbaidschan, Kirgisien, Russland und in der Ukraine durchgeführt.

Die wichtigsten Ziele der Projekte sind die Durchführung nationaler Altlastenbestandsaufnahmen, die Identifizierung besonders gefährlicher Standorte oder Regionen (Hotspots), die Analyse von Gesundheitsgefahren, die Initiierung von Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der betroffenen Bevölkerung, die Entwicklung von Maßnahmen zur sicheren Entsorgung, die Beteiligung und Information der Öffentlichkeit sowie die Beteiligung der NROs an der Entwicklung und Umsetzung nationaler Aktionspläne im Rahmen der POPs Konvention.

Die drei Hauptprobleme, welche die Arbeit der Gruppen erschweren, sind der Mangel an Informationen und Informationsaustausch, der Mangel an Bewusstsein und Verantwortung auf Seiten der offiziellen Stellen und nicht zuletzt der Mangel an finanziellen Ressourcen. Um diese Probleme zu bekämpfen, sind gut funktionierende NGO-Netzwerke in den Ländern und auf internationaler Ebene sehr wichtig.

Weitere Informationen zu diesem Thema liefert die Publikation "Pesticides – A real threat" (2004) von der russischen NRO Eco-Accord Centre, Center for Environment and Sustainable Development. Die Publikation gibt einen umfassenden Überblick zur aktuellen Situation von Pestizidaltlasten, zu deren Ursachen, Mengen und Gefahren und zu NRO-Projekten in 12 Nicht-EU-Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

(aus: PAN Germany Pestizid-Brief März/April 2005)

Die Broschüre "Pesticides – A real threat" ist als Download verfügbar unter:
http://accord.cis.lead.org/english/pop/pop.htm

Veranstaltungshinweis: 8. Internationales HCH- und Pestizidforum in Sofia, 26-28 Mai 2005, nähere Informationen unter: http://www.hchforum.com/index.php

Weitere Informationen, Broschüren und Fact Sheets rund um den Pestizideinsatz und Pestizidprobleme in Mittel- und Osteuropa finden sich unter: http://www.pan-germany.org/info/osteuropa.htm

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