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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Deutsches Lebensmittel-Monitoring 2004

01.01.2006, Susanne Smolka

Das Deutsche Lebensmittel-Monitoring ermittelt über repräsentative Messungen die Gehalte von Pestiziden, Schwermetallen und anderer unerwünschter Stoffe in und an ausgesuchten Lebensmitteln. Im Jahre 2004 enthielten 70 Prozent aller untersuchten Proben Pestizidrückstände. Bei 9 Prozent der Proben überschritten die Gehalte die festgelegten Höchstmengen - doppelt so viel wie im Vorjahr.¹

Die Analyse, wie es um die Lebensmittelqualität in Deutschland bestellt ist, geschieht jedes Jahr anhand von zwei Untersuchungsprogrammen. Zum einen erfolgt eine repräsentative Begutachtung von Lebensmitteln aus dem Warenkorb, der aus dem Ernährungsverhalten der Bevölkerung entwickelt wird (Warenkorb-Monitoring). Des Weiteren werden gezielt Untersuchungen zu speziellen Fragestellungen durchgeführt (Projekt-Monitoring).

Die Verdoppelung der nachgewiesenen Pestizidrückstände in pflanzlichen Lebensmitteln wird "vor allem" auf die Untersuchung besonders auffälliger Produkte mit einer breiteren Palette relevanter Wirkstoffe zurückgeführt. Im Projekt-Monitoring standen die Anbaufrüchte Gemüsepaprika und Strauchbeerenobst auf dem Programm. Die altbekannte Situation, dass Gemüsepaprika besonders hohe Pestizid-Rückstandsgehalte aufweist, konnte auch diesmal wieder bestätigt werden. Rund 36 Prozent aller 205 Proben überschritten die gesetzlichen Höchstmengen, in 83 Prozent konnten Pestizide nachgewiesen werden, und in 68 Prozent der Proben fanden sich Mehrfachrückstände: im Mittel 4 bis 5, im Maximum bis zu 20 verschiedene Stoffe. Besonders auffällig waren Proben aus der Türkei und Spanien, die in Deutschland einen großen Marktanteil besitzen.

Seit 2003 gilt für Paprika eine Vorführpflicht bei der Einfuhr nach Deutschland. Viele der gefundenen Pestizide sind hierzulande nicht zugelassen. Sind solche Wirkstoffe in der EU noch nicht einheitlich geregelt (Zulassung gemäß EU-Richtlinie 91/414), gilt eine Höchstmenge bei der sogenannten analytischen Nulltoleranz von 0,01 mg/kg. Als auffällig wird festgestellt, dass die alten Problemstoffe wie Methamidophos und Chlormequat an Relevanz abnehmen, dafür aber neue Stoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide häufig nachgewiesen werden. Trotz Vorführpflicht muss dringend nachgebessert werden. So sollen "auf allen Ebenen verstärkt Maßnahmen getroffen werden, um die Rückstandssituation bei dieser Gemüseart zu verbessern".

Auch bei den Untersuchungsergebnissen von Strauchbeeren wie Himbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren, die vorwiegend aus deutschen Landen stammen, kann von Genuss ohne Reue keine Rede sein. Rund 86 Prozent der 222 untersuchten Proben enthielten Rückstände (u.a. Stachelbeere 95%, Himbeere 93%). Durchschnittlich waren drei Pestizide pro Probe nachweisbar, im Maximum waren es 10 Stoffe. 15 Prozent aller Proben überschritten die erlaubten Höchstmengen, besonders häufig bei Stachelbeeren und Johannisbeeren.

Bedeutsam ist, dass in den deutschen Beeren mehrfach Höchstmengenüberschreitungen von Pestiziden gefunden wurden, die in Deutschland für die Anwendung bei Strauchbeerenobst nicht zugelassen sind und es sich somit um illegale Anwendungen handelt. Im Warenkorb-Monitoring fielen besonders die Salate, speziell Rucola und Kopfsalat, sowie Äpfel auf. Bei diesen Produkten wurden Höchstmengenüberschreitungen von über 10 Prozent festgestellt.

Bei Äpfeln erwiesen sich nur 13 Prozent als rückstandsfrei. In den vorangegangenen Untersuchungen (1998, 2001) waren es noch rund 30 Prozent. Der Anteil mit Gehalten über den Höchstmengen erhöhte sich ebenfalls und liegt jetzt bei 14 Prozent.. Zum Teil wird diese eklatante Verschlechterung auf die Neuaufnahme des Insektizids und Akarizids Flufenoxuron in das Untersuchungsprogramm zurückgeführt. Bisher kaum berücksichtigt, zeigt dieser neue Wirkstoff schon mit Abstand die häufigsten Höchstmengenüberschreitungen. In Deutschland gibt es keine Zulassung für entsprechende Präparate. Ein ADI-Wert für die duldbare tägliche Aufnahme ist nach der aktuellen ADI-Liste des BfR für Flufenoxuron noch nicht festgelegt. Aber auch ohne Berücksichtigung dieses Stoffs hat sich die Rückstandssituation bei Äpfeln verschlechtert. Ein hoher Anteil (60 Prozent aller Apfelproben) enthielten Mehrfachrückstände. Die Herkunft der Äpfel war dabei nicht bedeutsam. Bei den Salaten schnitt am besten der Eisbergsalat ab. Am stärksten belastet zeigten sich Rucola und Feldsalat. Bei diesen Salaten wiesen 80 Prozent der Proben Rückstände auf, bei 8,5 Prozent der Proben wurden Überschreitungen der Höchstmengen festgestellt (im Mittel aller Salatsorten 6 %). Besonders problematische Stoffe sind Iprodion, Dimethomorph und Dithiocarbamate. Im Vergleich zu vorherigen Untersuchungen seit 1995 zeigt sich eine Konstante, die stete Verschlechterung der Rückstandssituation.

Bei Erdbeeren zeigen die Befunde ebenfalls eine unbefriedigende Situation. Nur 23 Prozent der Proben sind pestizidfrei. Deutsche Erdbeeren fielen besonders durch einen hohen Probenanteil mit den Fungiziden Cyprodinil und Tolylfluanid auf. Tomaten waren mittelgradig belastet, und bei Rotkohl, Ananas, Porree, Getreide und Orangensaft waren die gefundenen Pestizidrückstände als vergleichsweise gering einzustufen.


Susanne Smolka

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Januar/Februar 2006


¹ Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2006): Deutsches Lebensmittel-Monitoring 2004 – Ergebnisse des Bundesdeutschen Lebensmittel-Monitorings. PDF unter http://www.bvl.bund.de

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