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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Der Ei-Report

01.07.2005, Susanne Smolka

Um die Belastung von Mensch und Umwelt mit Dioxinen, PCBs und Hexachlorbenzol zu analysieren, sammelte und analysierte das International POPs Elimination Network (IPEN) Hühnereier in 17 Ländern.¹ Die Ergebnisse der Analysen sind teilweise stark besorgniserregend.

Anfang des Jahres schreckten die deutschen VerbraucherInnen auf. Grenzwertüberschreitungen von Dioxinen in Eiern aus der Freilandhaltung machten deutlich, dass der Wunsch nach gesünderen Produkten unter Berücksichtigung artgerechter Tierhaltung derzeit an seine Grenzen stößt. Für persistente organische Schadstoffe (POPs), darunter die Dioxine, gibt es keine Grenzen. POPs sind überall und gerade dort anzutreffen, wo die Natur noch Natur ist, etwa in der Lebenswelt des Eisbären, aber auch in jener des Wurms auf einer Hühnerfarm.

Von Seiten der Behörden wurde schnell klargestellt, dass das Problem in dem Herabsetzen des Grenzwertes liegt, der am 1. Januar 2005 an den seit bereits zweieinhalb Jahren gültigen Wert für Eier aus Batteriehaltung angeglichen wurde (3 Pikogramm WHO-TEQ/g Fett, nach EG-Verordnung Nr. 2375/2001; der Auslösewert liegt bei 2 Pikogramm WHO-TEQ/g Fett, nach Empfehlung 2002/201/EG).

Da bekannt war, dass bei Hühnern in artgerechter Umwelt höhere Schadstoffbelastungen auftreten, hatte die EU die Anpassung des Grenzwertes für ein paar Jahre ausgesetzt, um Natur und Technik die Chance zu geben, die sogenannte "Hintergrundbelastung" mit Dioxinen weiter abzusenken. Die Belastungssituation in Deutschland ist vergleichsweise gering, denn Deutschland und andere Industrienationen haben bereits seit langem die in der Stockholm Konvention aufgelisteten POPs verboten oder durch technische Innovationen ihren Ausstoß kontinuierlich reduziert. In anderen Ländern sieht die Situation jedoch anders aus, wie die Untersuchung des IPEN belegt.

An 20 Probenahmestellen in 17 Ländern auf fünf Kontinenten wurden Eier von frei laufenden Hühnern eingesammelt und die Gehalte an Dioxinen, PCBs und Hexachlorbenzol analysiert: in Weißrussland, Bulgarien, Tschechien, Ägypten, Indien, Kenia, Mexiko, Mozambique, Pakistan, den Philippinen, Russland, Senegal, Slowakien, Tansania, Türkei, Uruguay und in den USA. Die Eier wurden in "Hot Spot Regionen" gesammelt, das heißt, in der Nähe von Verbrennungsanlagen, Abfallhalden sowie bei chemischen und anderen Industrieanlagen, weil Dioxine, PCBs und Hexachlorbenzol als unerwünschte Nebenprodukte bei verschiedenen industriellen Produktions- und Verbrennungsprozessen auftreten. Sie werden daher auch als U-POPs (unintentional oder unbeabsichtigte POPs) bezeichnet.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind sehr besorgniserregend. Alle Proben zeigten hohe Werte der U-POPs. Bei Dioxin lag die am geringsten belastete Probe noch immer um das doppelte über der Hintergrundbelastung für Eier in Europa oder Nordamerika (0,2-1,2 Pikogramm WHO-TEQ/g Fett).

70% der Proben überschritten den genannten EU-Grenzwert für Dioxine, und 60% überschritten den von der EU vorgeschlagenen Auslösewert für dioxinähnliche PCBs (2 Pikogramm WHO-TEQ/g Fett). In Ägypten, Bulgarien und Russland wurden Eier mit extremen Dioxin-Spitzenbelastungen im Bereich von 44-126 Pikogramm WHO-TEQ/g Fett gefunden. Für die überwiegende Anzahl der Länder sind die von IPEN generierten Daten die ersten Informationen zur Belastung von Hühnereiern mit U-POPs. Die Befunde verdeutlichen die Notwendigkeit, schnellstmöglich nationale Aktionspläne zur Reduzierung von U-POPs bzw. zur Eliminierung von POPs generell zu implementieren.

(Susanne Smolka)

(Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Juli/August 2005)

1DiGanghi, J. & J. Petrlik (2005) : The Egg Report – Contamination of chicken eggs from 17 countries by dioxins, PCBs and Hexachlorobenzen. IPEN (Hrsg.); unter: http://www.oztoxics.org/ipepweb/

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