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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Edler Fisch mit Beigeschmack

01.01.2005, Norbert Reintjes

Die Aquakultur hat Lachs zu einem beliebten und relativ günstigen Nahrungsfisch gemacht. Gezüchteter Lachs ist jedoch viel stärker mit Schadstoffen belastet als Wildlachs.

In einer Untersuchung von Stiftung Warentest enthielten alle 14 betrachteten Zuchtlachse polychlorierte Biphenyle (PCB), eine Gruppe sehr schwer abbaubarer (persistenter) Substanzen.1 In 12 der Zuchtlachse fanden sich zudem polybromierte Diphenylether (PBDE), die als Flammschutzmittel verwendet werden und ebenfalls aufgrund ihrer Persistenz ausgesprochen langlebig sind. Fünf Produkte enthielten DDE, ein Abbauprodukt von DDT. Rückstände weiterer persistenter Pestizide fanden sich in vier Produkten. Im Gegensatz zu den Zuchtlachsen enthielten nur drei der sieben untersuchten pazifischen Wildlachse Schadstoffe der betrachteten Kategorien – und dies auch nur in Spuren knapp oberhalb der Nachweisgrenze. (Der Schwerpunkt der Untersuchung galt jedoch den kulinarischen Qualitäten, wobei laut Test der Zuchtlachs gut abschneidet.)

Im Januar 2004 sorgte bereits eine Veröffentlichung zur Dioxinbelastung von Lachs im Wissenschaftsmagazin Science für Aufregung.2 Darin kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass Zuchtlachs deutlich stärker mit giftigen Dioxinen belastet ist als Wildlachs. Außerdem zeichne sich insbesondere der in Europa gezüchtete Lachs durch hohe Kontaminationen aus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies in einer Stellungnahme zu dem Artikel darauf hin, dass sämtliche Analysewerte unter den von der Europäischen Kommission und der WHO festgelegten Höchstmengen lägen.3 Wenig später wurde bei Wildlachs aus der Ostsee ein Dioxingehalt oberhalb der genannten EU- und WHO-Höchstwerte festgestellt, woraufhin das BfR zwar wegen der geringen Fangquote von Wildlachs aus der Ostsee keine Warnungen vor dem Verzehr aussprach. Dennoch wiederholte es die Forderungen nach Maßnahmen zur Reduktion der Dioxinbelastung des Menschen.4

Lachse sind Raubfische und stehen am Ende der Nahrungskette. Außerdem ist ihr Fleisch sehr fetthaltig – besonders das des gezüchteten Lachs. Dies begünstigt die Ablagerung von langlebigen Chemikalien im Gewebe. Als Quelle für die Kontamination der Zuchtlachse wird insbesondere deren Futter genannt. Es ist daher dringlich eine konsequente Schadstoffkontrolle der Futtermittel umzusetzen. Stiftung Warentest hat 14 Anbieter von atlantischem Zuchtlachs u.a. hinsichtlich ihrer Verantwortung für den Tier- und Umweltschutz befragt.5 Je sechs der Anbieter geben an, Schadstoffkontrollen beim Futtermittel und bei ihrem Endprodukt durchzuführen. Sechs Anbieter verweigerten indes jegliche Auskunft zur Unternehmensverantwortung für Soziales und Umwelt.

Bei den Lachsen aus Aquakultur ist eine weitere potenzielle Quelle für verschiedene Schadstoffe zu nennen: die im Laufe der Produktion eingesetzten Chemikalien. Wie eine Studie von PAN Germany zeigte, werden in der weltweiten Aquakultur mehr als 300 chemische und biologische Mittel eingesetzt.6 Die Datenlage zu in der Aquakultur eingesetzten Chemikalien ist jedoch ausgesprochen dürftig.

Eine Alternative zum Zuchtlachs ist Wildlachs jedoch auch nicht: Laut Stiftung Warentest schneidet dieser hinsichtlich sensorischer Eigenschaften wie etwa Geschmack und Konsistenz oftmals eher schlecht ab. Vor allem aber sind die natürlichen Populationen limitiert. Der atlantische Lachs ist bereits vom Aussterben bedroht, und der Fang des pazifischen Lachses ist durch Fangquoten begrenzt.

(Norbert Reintjes)
(Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Januar/Februar 2005)
1Stiftung Warentest (2005): Bestnote für Zuchtlachs. In: Test 1: 18-21; detaillierte Daten unter http://www.stiftung-warentest.de/ online/ essen_trinken/test/1229646/1230145.html
2Hites, R. A.; Foran, J. A.; Carpenter, D. O.; Hamilton, M. C.; Knuth, B. A.; Schwager, S. J. (2004): Global assessment of organic contaminants in farmed salmon. In: Science 303: 226-229
3http://www.bgvv.de/cm/208/dioxine_in_lachs.pdf (18.1.05)
4 http://www.bgvv.de/cm/208/dioxine_in_wildlachs_aus_der_ostsee.pdf (18.1.05)
5Stiftung Warentest (2005): Verträglich für Mensch und Tier?. In: Test 1: 18-21
6PAN Germany (2003): Vorstudie im Kontext Chemikalieneinsatz in der Aquakultur

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