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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Neu: BVL-Bericht über Pestizide in Lebensmitteln 2004

01.03.2006, Susanne Smolka

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief März/April 2006

Am 15. März, dem Weltverbrauchertag, veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) seinen neuen Bericht zu Pestizidrückständen in Lebensmitteln für das Untersuchungsjahr 2004. Danach bleibt der Anteil pestizidbelasteter Lebensmittel auch 2004 weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Untersuchungsumfang wurde weiter ausgebaut.¹

Der Bericht des BVL bietet einen Überblick über die Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung und des Monitorings aus einer Gesamtprobenzahl von 15.977 des Jahres 2004. Untersucht wurden Getreide, Obst und Gemüse sowie Lebensmittel tierischen Ursprungs und Kleinkindernahrung. Rund 60 % aller untersuchten Proben enthielten Pestizidrückstände, davon lagen 52 % der Proben unter oder bei der festgelegten Rückstandshöchstmenge, und rund 7,4 % überschritten die erlaubte Höchstmenge. Damit überschreiten die Befunde knapp die Ergebnisse des Vorjahres. Geprüft wurde auf insgesamt 634 Wirkstoffe, im Durchschnitt wurde jede Probe auf 137 Stoffe untersucht. Im Jahr 2003 waren es noch 99 Stoffe. Die Gesamtprobenzahl stieg ebenfalls um rund 3.000 an. Bedauerlich ist die Abnahme der Probenzahlen des Lebensmittelmonitorings von 2515 im Jahr 2003 auf nunmehr 1773 Proben. Nur das Monitoring gestattet einen repräsentativen Blick auf die Rückstandsituation der ausgewählten Lebensmittel, einen zeitlichen Vergleich und eine Abschätzung der deutschen Situation im Vergleich mit anderen EU-Ländern.

Der Anteil an Pestizidrückständen ist bei den unterschiedlichen Lebensmittelgruppen sehr verschieden. Erfreulich ist, dass bei Fertignahrung für Kleinkinder "nur" bei 4,7 % der Proben Rückstände und keine Höchstmengenüberschreitungen festgestellt wurden.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei Obst und Gemüse. Eltern, die ihren Babys frisch pürierten Brei geben möchten, sei geraten, nur ökologische Produkte zu verwenden. 53 % aller Obst- und Gemüseproben enthielten Rückstände bis einschließlich der Höchstmenge, und in 8,1 % der Fälle wurden Höchstmengenüberschreitungen festgestellt. Mit jeweils über 10 % Überschreitungen fielen besonders auf: Rucola (30 %), Paprika (21,5 %), Johannisbeeren (17,2 %), Tafeltrauben (12,9 %) und Gurken (11,4 %). Wie auch in den Vorjahren fielen besonders Auslandsproben (EU und Drittländer) mit höheren Rückstandsgehalten auf (bei Obst und Gemüse 9,5 % Überschreitungen). Jedoch überschritten immerhin 5,3 % der deutschen Obst- und Gemüseproben die erlaubten Höchstmengen. Auch das gefundene Wirkstoffspektrum in Obst und Gemüse ist beachtlich: 156 unterschiedliche Stoffe überschritten ihre Höchstmengen in mindestens einer Probe, 264 Stoffe wurden insgesamt nachgewiesen.

So ist es nicht überraschend, dass in vielen Proben Mehrfachrückstände festgestellt wurden. Bezogen auf alle Untersuchungen wurden in 36.5 % der Proben mehr als ein Rückstand gefunden. Im Vorjahr waren es noch 33 %.

Das BVL empfiehlt in seiner Presseerklärung zum Bericht² mehr Engagement der Importeure und Handelsunternehmen, um den Verbrauchern zukünftig geringer belastete Nahrungsmittel anzubieten. Sie sollen "mit festen Partnern im Anbau kooperieren und mit diesen praktikable Eckpunkte zum Pflanzenschutz festlegen, in denen beispielsweise die verwendeten Wirkstoffe und Anwendungsbedingungen festgelegt werden".

PAN unterstützt die Entwicklung solcher Standards, die Handelsketten auch werbewirksam als Argument für ihre Warenqualität nutzen könnten. Jedoch kann dies nur ein, wenngleich auch effizientes Element eines ganzen Kataloges sein, der Maßnahmen bei allen Verantwortlichen, auch bei den deutschen Behörden und Landwirten, einfordert. Bedauerlich ist, dass das BVL die Presseerklärung nicht dazu genutzt hat, die zügige Umsetzung des "Reduktionsprogramm chemischer Pflanzenschutz" zu empfehlen.

¹ BVL (2006): Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände 2004: http://www.bvl.bund.de/cln_027/nn_493682/DE/01_Lebensmittel/01_Sicherheit_Kontrolen/05_NB_PSM_Rueckstaende/01_nb_psm/nbpsm_Bericht_2004.html
² BVL (2006): Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in rund 60 Prozent der untersuchten Lebensmittel. Presseerklärung vom 15. März 2006: http://www.bvl.bund.de/ nn_491658/DE/08_PresseInfothek/01_ InfosFuerPresse/01_PI_und_HGI/ Rueckstaende/Nat_Berichterst_PSM_ Rueckstaende_2004.html

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