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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Anbau von genmanipulierten Pflanzen negativ für Artenvielfalt

01.01.2004, Alexandra Baier

Vor vier Jahren gab die britische Regierung eine Langzeitstudie¹ zu den Umweltauswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen in Auftrag. Deren Ergebnisse wurden im Oktober vergangenen Jahres veröffentlicht; sie zeigen, dass der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nachteilige Wirkungen auf die Umwelt hat.

Die 8,5 Millionen Euro teure und weltweit größte Untersuchung hatte sich auf die Umweltauswirkungen des Einsatzes von Pestiziden konzentriert. An 200 Standorten, die über die britische Insel verteilt waren, wurden gentechnisch veränderter Mais, Sommerraps, Futter- und Zuckerrüben angepflanzt. Ziel war es, unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen herauszufinden, ob gentechnisch veränderte, herbizidtolerante Pflanzen zu erkennbaren Vor- oder Nachteilen für die Umwelt führen.

Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, wurde jedes in den Versuch einbezogene Feld jeweils zur Hälfte mit konventionellen und gentechnisch veränderten Pflanzen bestellt. Bei den konventionellen Sorten gingen die Landwirte wie gewohnt mit den handelsüblichen Herbiziden gegen die Wildkräuter und Wildgräser vor. Um die Versuchsanlage der Langzeitstudie auswerten zu können, wurden die verschiedenen Arten der Wildkräuter und Wildgräser dokumentiert sowie deren Blattmassen und deren über die Jahre auf den Boden fallenden Samen. Des Weiteren wurde überwacht, welche und wie viele Insekten sich auf den Feldern aufhielten.

Ein Ergebnis war, dass auf den Feldern mit gentechnisch verändertem Sommerraps und Rüben rund ein Drittel weniger Wildkräuter und Wildgräser und auch weniger Samen zu finden waren als auf den konventionellen Flächen. In der Folge hielten sich dort auch weniger Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten auf. Aufgrund dieser Beobachtung werden weitreichende Folgen des Anbaus von genetisch manipulierten Pflanzen für die Nahrungskette befürchtet.

Eine britische Modellierungs-Studie², die ebenfalls im Oktober 2003 veröffentlicht wurde, sagt für den Fall des Anbaus von gentechnisch veränderten Rüben und des damit verbundenen Herbizideinsatzes das Aussterben der Lerche innerhalb von 16 bis 20 Jahren vorher.

Allein der Anbau von gentechnisch verändertem Mais schnitt im Vergleich zur konventionellen Sorte besser ab. Allerdings werden diese Ergebnisse als nicht mehr relevant eingestuft, denn auf den Feldern mit konventionellem Mais kam das Herbizid Atrazin zum Einsatz. Das Mittel wurde aber im Oktober 2003 aufgrund seiner krebserregenden und hormonellen Wirksamkeit durch die EU verboten.³

Die Industrie lässt sich von den Ergebnissen gleichwohl nicht beeindrucken. Zum einen meint sie, dass die Ergebnisse der Langzeitstudie nicht die Gentech-Pflanzen an sich beträfen, sondern die Pestizide. Dennoch ist es offensichtlich, dass die herbizidtoleranten Gentech-Pflanzen untrennbar mit den Herbiziden verbunden sind, denn sie sind der Grund für deren gentechnische Veränderungen, und es ist kaum vorstellbar, dass Landwirte die Gentech-Sorte anbauen, ohne das zugehörige Pestizid einzusetzen, weisen die Pflanzen doch keinen weiteren Vorteil auf.

Zum anderen meint die Gentech-Industrie, dass mit Änderungen der landwirtschaftlichen Praxis negative Effekte abfangbar wären. Wie realistisch es ist, dass Landwirte beim Rübenanbau tatsächlich jede hundertste Reihe unbepflanzt und unbesprüht lassen, muss aber nicht einmal zwingend diskutiert werden. Denn die EU-Richtlinie 2001/18 zur Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen sieht eindeutig vor, dass bei der Abschätzung von Risiken der Gentech-Varianten die äquivalente Pflanze betrachtet wird und dass die existierenden Anbauweisen herangezogen werden.

(Alexandra Baier)


¹ Burke, M. (2003): GM crops - effects on farmland wildlife, ISBN 0-85521-035-4. http://www.defra.gov. uk/envionment/gm/fse/results/fsesum mary.pdf

² DEFRA Forschungsprojekt EPG 1/5/188 (2003): Modelling the effects on farmland food webs of herbicide and insecitice manangement in the agricultural ecosystem. http://www.defra.gov.uk/environment/gm/ research/ epg-1-5-188.htm

³ Smolka, S. (2003): Nie wieder Atrazin und Simanzin! Pestizid-Brief Oktober/ November 2003, S.2

(Aus: Pestizid-Brief Januar/Februar 2004)

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