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Glyphosat: Schwere Vorwürfe aufgrund neuer Fakten

29.05.2017, PAN Germany Presseinformation

Download der Presseinformation vom 29.05.2017 (pdf-file, 135 kb)

Eine Analyse der Original-Studienberichte der Industrie zeigt, dass vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seiner ursprünglichen Bewertung nur 20 Prozent aller Krebseffekte überhaupt in Betracht gezogen wurden. Selbst in der abschließenden Bewertung durch die Europäische Lebensmittelbhörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) wurden acht signifikante Krebseffekte komplett übersehen.

Dies ist das Ergebnis einer Analyse der Daten aus den Original-Studienberichten der Industrie, zu denen Professor Christopher Portier, ehemaliger Direktor des National Institute of Environmental Health Sciences der USA, durch einen Gerichtsbeschluss Zugang erhielt. In einem sechsseitigen Brief vom 28.5.2017 an den Kommissionspräsidenten Jean Claude Juncker weist Portier darauf hin, dass die Tatsache, dass acht eindeutige Krebseffekte unentdeckt blieben, als Versagen der Behörden interpretiert werden könne, alle verfügbaren Daten sorgfältig zu analysieren, bevor eine Entscheidung gefällt wird, dass es keine Belege dafür gäbe, dass Glyphosat krebserregend beim Menschen sei. Portier fordert daher, die Studien offenzulegen und neu zu bewerten. Die neuen Erkenntnisse stehen in scharfem Kontrast zu der Aussage eines Sprechers der EFSA, der im März 2017 in einem Interview mitteilte: "EFSA und die EU Mitgliedsstaaten verlassen sich in erster Linie auf die Original-Studienberichte und die ihnen zugrundeliegenden Rohdaten, die von ihnen selbst geprüft werden".(1)

Mit den jüngsten Enthüllungen gerät die EFSA erneut unter Druck, nachdem sie bislang eine Erklärung schuldig blieb, warum sie eine unbrauchbare, aber für Glyphosat günstige Studie in die Bewertung einbezog, während eine zweite Studie, die für einen Krebseffekt spricht, wegen angeblicher Virusinfektionen der Versuchstiere von der Bewertung ausgeschlossen wurde. "Die EFSA hat noch immer nicht erklärt, woran die vermeintliche Virusinfektion in dem konkreten Versuch festgemacht wurde, und der einzige „Beweis" ist die mündliche Bemerkung von Jess Rowland, eines ehemaligen Mitarbeiters der U.S.-Umweltbehörde (EPA), der in den so genannten ‚Monsanto-Papers‘ (2) auftaucht. Während Herr Tarazona, Leiter der Pestizidabteilung der EFSA, behauptet, dass die Entscheidung zum Ausschluss der Studie nicht auf eine Einflussnahme von Jess Rowland zurück zu führen sei, hat er es bislang versäumt, sachliche Gründe für diese Entscheidung zu nennen“, sagt der Toxikologe und PAN-Vorstand Peter Clausing. "Die Neubewertung der Rohdaten, wie von Portier in seinem Brief an Kommissionspräsident Juncker gefordert, ist das Mindeste, was jetzt passieren muss. Es geht nicht nur um die Glaubwürdigkeit der zuständigen Behörden, es geht vor allem um den Schutz der Gesundheit von über 500 Millionen EU-Bürgern" so Clausing.


(1) http://www.euractiv.com/section/agriculture'food/news/green-ngos-blame-monsanto-for-buying-science-to-save-glyphosate/
(2) https://usrtk.org/pesticides/mdl-monsanto-glyphosate-cancer-case-key-documents-analysis/

(377 Wörter, 2790 Zeichen)

Kontakt:

Dr. Peter Clausing, 0049-176 4379 5932, peter.clausing@pan-germany.org
Prof. J. Portier kann per E-Mail erreicht werden: cportier@me.com

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