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Persilschein für Glyphosat - eine fatale Entscheidung der ECHA

16.03.2017, PAN Germany, Dr. Peter Clausing

Am 15.3. gab die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) ihr Urteil über das Pflanzengift Glyphosat bekannt: Ein kompletter Freispruch bezüglich Krebsgefahr, möglicher Schädigung des Erbguts und Reproduktionstoxizität.

Auf einer Pressekonferenz erläuterten die Vertreter der ECHA, dass es "nicht genügend Beweise" für eine Krebswirkung gegeben hätte. Es wurde eingeräumt, dass es in den Studien Anzeichen von Krebs gäbe, die jedoch nur "leicht" über den Hintergrunddaten liegen würden. Aus den vorliegenden Behördenberichten ist nachvollziehbar, dass die "Hintergrunddaten" - die sogenannten historischen Kontrollen - regelwidrig konstruiert wurden. Daran hat sich das Risk Assessment Committee der ECHA offenbar nicht gestört.

Gefragt, ob bei der Bewertung das Vorsorgeprinzip angewendet wurde, entgegnete Jack de Bruijn von der ECHA man habe sich alle Daten angesehen und dann eine "gewichtetes Urteil" (weight of evidence approach) gefällt. Da sei das Vorsorgeprinzip "nicht so sehr zur Anwendung gekommen". Einem solchen "gewichteten Urteil" hat PAN Germany vor kurzem eine gründliche Kritik entgegengestellt (http://www.pan-germany.org/download/The_Carcinogenic_Hazard_of_Glyphosate.pdf). "Es ist enttäuschend, dass offenbar auch die ECHA eine solche industriefreundliche Gewichtung vorgenommen hat", sagt Peter Clausing von PAN Germany.

Als die ECHA gestern eingestand, dass es Hinweise für Krebs beim Menschen (Non-Hodgkin-Lymphome) gibt, diese Erkenntnisse dann aber zur Seite fegte, tat sich ein großer Widerspruch auf. Zu behaupten die epidemiologischen Studien hätten "eine Menge Probleme", obwohl selbst die Umweltbehörde der USA (EPA) den Studien eine hohe bzw. mittlere Qualität bescheinigt, ist ein Skandal.

Vielleicht müssen sich die Mitglieder des Komitees in fünf oder zehn Jahren, wenn die Beweislast noch erdrückender geworden ist, fragen lassen, warum sie ihrem Auftrag, die Gesundheit der europäischen Bevölkerung zu schützen, 2017 so ungenügend gerecht geworden sind. Bis dahin könnte es eine schwer zu beziffernde Zahl weiterer glyphosat-bedingter Krebsfälle geben.


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