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Neue Studie: Der Bio-Baumwollanbau trägt zur Armutsbekämpfung bei

01.02.2006, Frank Eyhorn

Das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) hat in Indien die Auswirkungen des biologischen Anbaus von Baumwolle auf den Lebensunterhalt der Bauern analysiert. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Bio-Betriebe gleiche Ernteerträge erzielen können wie konventionelle Farmen bei gleichzeitig niedrigeren Produktionskosten und ohne den Boden und die Umwelt mit chemischen Düngern und Pestiziden zu belasten. Aufgrund dieser Kosteneinsparungen und der Bio-Prämie für die Baumwolle erzielten die Bauern ein wesentlich höheres Einkommen als ihre konventionell wirtschaftenden Nachbarn.

Der Baumwollanbau stellt den Lebensunterhalt für viele Millionen Kleinbauern in Entwicklungsländern dar. Während der letzten Jahrzehnte haben viele konventionelle Bauern trotz steigender Anwendung von chemischen Düngern und Pestiziden sinkende Ernteerträge zu verzeichnen. Steigende Inputkosten und geringe Erträge haben viele Baumwollbauern in die Verschuldung getrieben. Der biologische Anbau von Baumwolle könnte ein Ausweg aus dieser Situation sein, vorausgesetzt er verbessert effektiv die ökologische und sozio-ökonomische Nachhaltigkeit der Baumwollproduktion. Während die ökologischen Nutzen der biologischen Baumwollproduktion offensichtlich sind, waren bislang kaum Daten bezüglich der tatsächlichen Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des Anbaubetriebs durch die Umstellung auf den biologischen Anbau verfügbar.

Um die ökonomische Entwicklungsfähigkeit des biologischen Baumwollanbaus und die Auswirkungen auf den Lebensunterhalt der beteiligten Landwirte zu untersuchen, hat die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und der WWF Schweiz das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) beauftragt, eine detaillierte Studie im Maikaal bioRe Projekt in Zentralindien durchzuführen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren hat ein Schweizer-Indisches Forschungsteam agronomische Daten von 60 biologischen und 60 konventionellen Betrieben gesammelt und verglichen. Diese Daten wurden ergänzt durch sozio-ökonomische Informationen, die durch Befragungen gewonnen wurden.

Überraschenderweise zeigt die Studie, dass der Arbeitsaufwand im biologischen Anbausystem nicht signifikant höher ist. Während Bio-Baumwollbauern mehr Zeit für das Jäten investierten, brauchten sie weniger Zeit für das Schädlingsmanagement. Die variablen Produktionskosten lagen im biologischen Anbau 12-20% niedriger. Dies resultiert vor allem aus 40% geringeren Kosten für Inputs (Samen, Gründüngung, Posten zum Schädlingsmanagement). Die Notwenigkeit, Darlehen aufzunehmen ist damit deutlich geringer.

Obwohl im Allgemeinen angenommen wird, dass die Ernteerträge im biologischen Anbau niedriger ausfallen, lagen in den beiden Beobachtungsjahren die durchschnittlichen Baumwollerträge der analysierten Felder sogar 4-6% höher. Aufgrund der leicht höheren Ernteerträge, einer 20% Bio-Prämie und niedrigeren Produktionskosten lagen die Bruttogewinne der Bio-Felder 30-43% höher. Sogar ohne eine Bio-Prämie hätten Bio-Bauern einen höheren Profit mit der Baumwolle erzielt als ihre konventionellen Kollegen. Dennoch wird die Bio-Prämie benötigt, auch um die Umstellungskosten zu kompensieren.

Während Fortschritte in den Produktionsmethoden erlauben, vergleichbare Baumwollerträge wie konventionelle Betriebe zu erzielen, liegen die Erträge der meisten Rotationsfrüchte noch niedriger. Nach Meinung der Wissenschaftler zeigt dies, dass die Anstrengungen zur Verbesserung der Produktionsmethoden und der Beratungsdienste auf die Rotationsfrüchte ausgedehnt werden sollten. Dennoch lag der Gesamtbruttogewinn der wichtigsten Pflanzen auf einer durchschnittlichen Farm ungefähr 15% höher als im konventionellen System. Wenn Teile der Rotationsfrüchte mit einer Bio-Prämie verkauft werden könnten, würden die Einkommen der Farmer weiter steigen.

Die Resultate der Befragungen besagen, dass das größte Hindernis bei der Umstellung auf den biologischen Anbau die anfänglichen Ernteeinbußen darstellen, die zu einem niedrigeren Einkommen während der ersten ein bis drei Jahre der Umstellung führen. Daher ist es wichtig, geeignete Ansätze zu finden, die armen Bauern helfen, die Hürden der Umstellungsphase zu überwinden. Kompetentes Training zum Farmmanagement, technische Unterweisung während der Umstellungsphase und angepasste Modelle zur Finanzierung der Umstellungskosten scheinen in diesem Zusammenhang entscheidend zu sein. Um weiter die Leistung auf Baumwolle basierender Bio-Anbausysteme zu verbessern müssen Anstrengungen zur Entwicklung von Produktionsmethoden und zur Verbesserung der Vermarktungsmöglichkeiten unternommen werden, insbesondere im Hinblick auf die Früchte, die in Rotation mit Baumwolle wachsen.

Weitere Informationen: http://www.organiccotton.fibl.org; Frank Eyhorn, Paul Maeder, Mahesh Ramakrishnan: The Impact of Organic Cotton Farming on the Livelihoods of Smallholders. Evidence from the Maikaal bioRe project in central India. Research Institute of Organic Agriculture FiBL, Frick, 2005. Kurzfassungen in Englisch Download und Französisch Download

Autor: Frank Eyhorn, Swiss Federal Institute of Technology (ETH); Zurich; Switzerland; frank.eyhorn@nadel.ethz.ch, http://www.nadel.ethz.ch

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