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Pestizideinsatz in Ghana: Viele Frauen nehmen ihre Babys mit aufs Feld

14.09.2015, PAN Germany Pestizid-Brief 5-2015, Carina Weber

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In den Tropen und Subtropen sind Menschen oft in doppelter Hinsicht den Risiken des Pestizideinsatzes ausgesetzt - zum einen durch die Pestizidverwendung in der Landwirtschaft und zum anderen durch die Ausbringung von Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung in Innenräumen. Eine aktuelle Erhebung zeigt nun, dass in Ghana sogar auch Säuglinge bereits diesem Doppelrisiko ausgesetzt sind, weil sie nicht nur in Wohnräumen Pestiziden ausgesetzt werden, sondern weil zudem Mütter beim Anmischen und Sprühen der Pestizide auf den Feldern oft ihre Säuglinge auf dem Rücken tragen.

Es ist bekannt, dass Pestizide in den Tropen und Subtropen sowohl in der Landwirtschaft wie auch in Malaria-Kontrollprogrammen zum Teil sehr intensiv verwendet werden, und dass zudem auch unabhängig von Malaria-Kontrollprogrammen Pestizide in Wohnungen gegen Insekten oder Nagetiere eingesetzt werden. Kenneth Ayuurebobi Ae-Ngibise und KollegInnen aus verschiedenen Forschungseinrichtungen in Ghana und den USA habendeshalb die Pestizidanwendung in Ghana, wo diese Bedingungen vorliegen, einmal genauer untersuchen.(1)

Die Untersuchung erfolgte im ghanaischen Kintampo-Gebiet und erfasste 1.455 Haushaltsvorstände, die nach dem Zufallsprinzip aus einer Gesamtanzahl von 29.073 Haushalten ausgewählt wurden. Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die verheerenden Missstände und den immensen Handlungsbedarf in der Region. 71% der in die Untersuchung einbezogenen Haushaltsvorstände (1040 von1455) gaben an, auf ihrer Farm oder in ihrem Haushalt Pestizide eingesetzt zu haben, vorwiegend zur Kontrolle von Unkräutern (96,4%) oder Insekten (85,4%). DDT, ein in Ghana immer noch zur Malariakontrolle verwendetes Insektizid, das in Deutschland seit 1972 verboten ist, wurde durch 22,9% der Befragten verwendet.

Die überwiegende Mehrheit der Studien-TeilnehmerInnen (71,1%) trug bei der Handhabung bzw. Ausbringung von Pestiziden keinerlei Schutzausrüstung (z.B. Handschuhe oder Atemschutz). Bei jenen Personen, die Pestizide anmischten und jenen, die Pestizide ausbrachten, handelte es sich jeweils um dieselben Personen. 69,3% der Befragten gaben an, dass in ihrem Haushalt Frauen bei der Pestizidanwendung helfen. Von diesen 69,3% trug die Hälfte der Frauen (50,8%) ihren Säugling bei der Pestizidhandhabung bzw. Pestizidausbringung auf dem Rücken.

Die Studien-TeilnehmerInnen nannten eine ganze Reihe von Krankheitssymptomen. Zu den häufigsten Symptomen, die nach der Pestizidausbringung auftraten, zählten: Husten (32,3%), Atemprobleme (26,7%) und Hautveränderungen (39,0%).

Bezüglich der genannten Gesundheitssymptome ist in der Studie nicht erkennbar, ob nur die Symptome der Erwachsenen benannt wurden oder ob die Aufmerksamkeit sich auch auf die gesundheitlichen Auswirkungen der Pestizide auf die Säuglinge richtete, die die Frauen bei der Arbeit häufig auf dem Rücken trugen. Die Studie erwähnt in der Diskussion lediglich, dass einer anderen Untersuchung zufolge (2) Bäuerinnen Pestizidrückstände in Muttermilch aufwiesen, die über den Grenzwerten für die akzeptable tägliche Aufnahme lagen (Acceptable Daily Intake - ADI). Damit wird ein weiterer Expositionspfad angesprochen, die Aufnahme von Pestiziden über Lebensmittel, der in der Studie allerdings nicht untersucht wurde.

Die AutorInnen beklagen abschließend, dass es bisher nur wenige Studien zur Verwendung von Pestiziden in Ghana gibt und dass diese neue Studie deshalb einen signifikanten Beitrag zur Erweiterung des Kenntnisstandes darstellt. Dem ist zuzustimmen. Allerdings stellt diese Aussage die staatlichen Stellen in Ghana in keiner Weise von der Verantwortung für die Missstände frei. Seit Jahren gibt es vielerlei Hinweise aus ähnlichen afrikanischen Ländern, die für die Behörden in Ghana Anlass genug gewesen sein sollten, sich dieses großen Problems anzunehmen.

Um die staatlichen Stellen unter anderem auch in afrikanischen Ländern für die fatalen Missstände in ihrer Regionzu sensibilisieren, setzt sich PAN aktuell dafür ein, dass die Ende September in Genf stattfindende SAICM Konferenz zur globalen Verbesserung der Chemikaliensicherheit (3) konkrete Maßnahmen zur Beendigung der Nutzung hochgefährlicher Pestizide beschließt.

(Carina Weber)


Literaturhinweise

(1) Ae-Ngibise, KA et al. (2015): Pesticide exposures in a malarious and predominantly farming area in Central Ghana. African Journal of Environmental Science and Technology , 9(8), pp.655-661, August 2015
(2) Ntow WJ et al. (2008): Accumulation of persistent organochlorine contaminants in milk and serum of farmers from Ghana. Environ Res. 106:17-26.
(3) Fourth session of the International Conference on Chemicals Management (ICCM4), Genf, 28.-9.-2.10.2015. Mehr Informationen:
http://www.saicm.org/index.php?option=com_content&view=article&id=512:iccm4-background&catid=223:iccm4&Itemid=697

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