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Syngenta, Bayer und BASF für den Public Eye Award 2014 nominiert

16.12.2013, PAN Germany Pestizid-Brief 14

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Der Public Eye Award gilt als wirkungsvollster Anti-Preis im Bereich Unternehmensverantwortung. Er prangert Unternehmen an, die sich durch ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Umweltsünden, absichtliche Fehlinformation oder Menschenrechtsverletzungen in besonderer Weise hervorgetan haben. Die massive Schädigung von Honigbienen und Wildbienen durch Pestizide der drei Pestizid-Konzerne Syngenta, Bayer und BASF und das Verhalten dieser drei Konzerne in der Auseinandersetzung um die verheerende Wirkung ihrer Pestizide sind der Grund dafür, dass Bayer, Syngenta und BASF für den Public Eye Award 2014 nominiert wurden. PAN Germany ruft dazu auf, die Nominierung zu unterstützen und damit ein deutliches Zeichen für den Bienenschutz zu setzen. Abstimmen kann jeder unter www.publiceye.ch

Das Geschäft mit den für Bienen hochgefährlichen Pestizid-Wirkstoffen Clothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxam und Fipronil garantiert den drei multinationalen Pestizidkonzernen Syngenta, Bayer und BASF Profite in Milliardenhöhe. Leidtragende sind Honigbienen und Wildbienen, die immer wieder millionenfach durch akute Vergiftungen durch Pestizide sterben oder ungezählt unter den Folgen chronischer Effekte leiden. Doch die Unternehmen weisen die Verantwortung für Schädigungen von Bienen und negative Auswirkungen auf das Ökosystem von sich und verweisen stattdessen unermüdlich auf andere Ursachen wie Varroamilbe, Lebensraumverlust und Luftverschmutzung. Mit gezielten Werbekampagnen versuchen sie, von der schädlichen Wirkung ihrer bienengefährlichen Pestizide abzulenken. Sie versuchen, ihr Image als "Bienenfreunde" mit bunten Saatguttütchen und Blühstreifenprojekten aufzupeppen und sie haben jüngst Klage gegen die Europäische Kommission eingereicht, die zum Schutz der Bienen ein eingeschränktes und befristetes Verbot von vier besonders bienengefährlichen Wirkstoffen durchgesetzt hat. PAN Germany, PAN UK, PAN Europe, PAN Asien & Pazifik und PAN Nordamerika unterstützen gemeinsam mit rund 40 weiteren Organisationen die von den europäischen Erwerbsimkern eingereichte Nominierung der drei Pestizid-Unternehmen für den Public Eye Award.

Syngenta, BASF und Bayer gehören zu den größten und einflussreichsten multinationalen Pestizidunternehmen weltweit. Sie kontrollieren fast die Hälfte des Pestizid-Weltmarktes. Eine Vielzahl der von ihnen angebotenen Pestizidwirkstoffe sind hochgefährliche Pestizide (1). Hierzu zählen auch die hoch bienengefährlichen Pestizid-Wirkstoffe Thiamethoxam produziert von Syngenta, Clothianidin und Imidacloprid von Bayer sowie Fipronil von BASF, die nachgewiesenermaßen Massenverluste von Honigbienen und wildlebenden Bestäuber-Insekten weltweit verursacht haben. Die Belege für die schädigenden Wirkungen der Wirkstoffe auf Honig- und Wildbienen und die aufgedeckten Defizite bei der Risikoanalyse im Rahmen der Pestizidzulassung waren so erdrückend, dass die EU Kommission 2013 ein zeitlich befristetes Verbot dieser "modernen" Pestizide durchsetzte. Dabei war die Kommission großem Druck vor allem von Seiten der Pestizidhersteller ausgesetzt, die vor Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft und Verlusten von Arbeitsplätze warnten und unterstellen, dem Vorschlag der Kommission fehle die wissenschaftliche Basis (2). Seit dem 1. Dezember 2013 ist das befristete Verbot von Thiamethoxam, Clothianidin und Imidacloprid nun wirksam und auch für Fipronil, das gesondert geregelt wird, ist ein auf zwei Jahre befristetes Verbot in Kraft (3, 4).

Bienen und andere bestäubende Insekten spielen eine zentrale Rolle in Ökosystemen. Der ökologische und wirtschaftliche Nutzen der Bestäuberinsekten ist enorm. Mit ihrer Bestäubungsleistung sichern sie biologische Vielfalt und landwirtschaftliche Erträge. Ein Drittel unserer Lebensmittel hängt von der Bestäubung durch Bienen und andere Insekten ab. Der jährliche wirtschaftliche Wert der weltweiten Bestäubungsleistung liegt im dreistelligen Milliardenbereich. Schätzungen renommierter europäischer Forschungseinrichtungen zufolge würden sich die Schäden, die durch das Fehlen von bestäubenden Insekten entstehen würden, auf 190 bis 310 Milliarden Euro pro Jahr belaufen (5). Gegenden in China, in denen der jahrzehntelange intensive Insektizideinsatz zu einem dramatischen Verlust an Bestäuberinsekten geführt hat und in denen nun Menschen mühevoll per Hand das Bestäuben von Obstblüten übernehmen müssen sowie Nachrichten aus den USA über den massenhaften Verlust ganzer Bienenvölker, dem so genannten colony collapse disoder, zeichnen ein erschreckendes Bild.

Die Pestizidwirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam und Fipronil sind nicht nur akut extrem bienengefährlich sondern wirken auch in sublethalen Konzentrationen schädigend auf Bienen. Es reichen geringste Mengen dieser Wirkstoffe von weniger als 2 μg/Biene aus, um Bienen sofort zu töten und noch geringere Mengen, um chronische Vergiftungen mit tödlichen Konsequenzen für einzelne Bienen und ganze Bienenkolonien hervorzurufen. Die Bienen können sich im Feld bei der Sammlung von kontaminiertem Nektar und Pollen, bei der Aufnahme von Flüssigkeitströpfchen behandelter Pflanzen (Guttationstropfen) oder über Stäube mit den Substanzen kontaminieren. Im Bienenstock werden die langlebigen Wirkstoffe dann von Tier zu Tier weitergegeben und die Brut mit dem belasteten Pollen gefüttert. Einmal in der Biene angekommen, wirken Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam, die zu den Neonikotinoiden zählen, als Nervengifte. Sie blockieren im Insekt wichtige Rezeptoren im Hirn. Je nach Wirkstoffkonzentration führt dies akut zum Tod der Insekten oder es werden überlebenswichtige Funktionen gestört, wie die Fähigkeit zu riechen oder sich zu orientieren. Auch die Anfälligkeit gegenüber anderen Stressfaktoren wie Krankheitserregern und Nahrungsmangel steigt, wenn die Tiere niedrigen Konzentrationen dieser Wirkstoffe ausgesetzt sind (6).

Doch schaut man auf die Außendarstellung der Konzerne, so wird der Eindruck vermittelt, dass es zwischen ihren bienengefährlichen Pestiziden und den beobachteten Vergiftungsfällen keinen Zusammenhang gibt. Die Konzerne stellen sich als Bienen- und Biodiversitätsschützer dar, Syngenta wirbt mit "Syngenta Bienenweide" (7) und Bayer lässt die Öffentlichkeit wissen, dass sich das Unternehmen seit über 25 Jahren aktiv für die Förderung der Bienengesundheit einsetzt (8) und sie investieren in unterschiedliche Forschungs- und Kooperationsprojekte. Das Engagement der Konzerne geht dabei viel weiter als nur bunte Blütensaat zu verteilen. Die Pestizid-Unternehmen beeinflussen längst die gesamte Kette der Lebensmittelproduktion. Durch ihre Beteiligung in Expertengruppen nehmen sie Einfluss auf die gesetzliche Regulierung von Pestiziden, sie kontrollieren weite Teile des weltweiten Marktes für Saatgut und sichern ihre Existenz durch die Entwicklung und Stärkung eines Agrarsystems, das von der Technologie abhängt, die sie verkaufen. Die sterbenden Bienen sind ein Symptom dieses pestizidintensiven, industriellen Landwirtschaftssystem. Konzerne wie Syngenta, Bayer und BASF verdienen gut an diesem System und seinen Abhängigkeiten. Hierauf will der Public Eye Awards aufmerksam machen. Damit das gelingt, zählt jede Stimme.
Jetzt abstimmen unter www.publiceye.ch.

(Susan Haffmans, PAN Germany)


Anmerkungen

(1) PAN Germany (2012): Hochgefährliche Pestizide von BASF, Bayer und Syngenta! Ergebnisse einer internationalen Recherche. Online: http://www.pan-germany.org/download/Big3_DE.pdf

(2) PAN Pestizid-Brief vom 07.03.2013: Verbot hoch bienengefährlicher Neonikotinoide durchsetzen. Online: http://www.pan-germany.org/deu/~news-1243.html

(3) COMMISSION IMPLEMENTING REGULATION (EU) No 485/2013 of 24 May 2013. Online: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:139:0012:0026:EN:PDF

(4) COMMISSION IMPLEMENTING REGULATION (EU) No 781/2013 of 14 August 2013. Online: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:219:0022:0025:EN:PDF

(5) Helmholz-Zentrum für Umweltforschung UFZ. Pressemitteilung vom 15. September 2008: Bestäubung durch Insekten schafft 150 Milliarden Euro. Erstmals globaler ökonomischer Wert der Bestäuber geschätzt. Online: https://www.ufz.de/index.php?de=17177

(6) PAN Germany (2012): Bienen, Hummeln & Co - Bedeutung, Gefährdung & Schutz. Broschüre. Online: http://www.pan-germany.org/deu/~news-1144.html

(7) Bayer CropScience Webseite Bee health and neonicotinoids. Online: http://www.bayercropscience.co.uk/about-us/Stewardship-Food-and-environment/Bee-health-and-neonicotinoids/ [Zugriff am 12.12.13]

(8) Syngenta Webseite Biodiversität in der Landwirtschaft. Online: http://www3.syngenta.com/country/de/de./Unternehmen/Seiten/Biodiversitaet.aspx [Zugriff am 12.12.13]

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