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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Die Wiederbegrünung von Wüstenregionen ist möglich
Lokales Wissen und Initiative statt technologischer Großprojekte

05.06.2013, PAN Germany Pestizid-Brief 8

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Seit in den 70er Jahren die Sahelzone von verheerenden Dürren und Hungerkatastrophen heimgesucht wurde, bekamen "Hilfsprojekte" Großkonjunktur, wobei auch sehr früh auf Fehlentwicklungen in betroffenen Ländern hingewiesen wurde (1). Stellvertretend für eigenwillige und bewundernswerte Eigeninitiativen von zahlreichen Menschen in den an die Sahelzone angrenzenden Ländern steht Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso, der große Bekanntheit erlangte (2).

Ab den 70er und 80er Jahren wurde die Sahelzone über viele Jahre von Landwirtschafts-Experten aus aller Welt überschwemmt, die unzählige Projekte zur Intensivierung, Modernisierung und Technisierung der Landwirtschaft mit Pflug, Dünger und Pestiziden zu realisieren versuchten. Am Ende war der Boden oft noch ausgelaugter als zuvor und viele der wohlmeinenden Experten zogen wieder ab. Die sprichwörtliche Not der Sahelregion bestand weiter.

Die Kindheit von Yacouba Sawadogo war geprägt von Dürre und Hunger, die er in Mali und Burkina Faso in den neunziger Jahren erlebte. Vor allem prägten ihn die Flüchtlinge, die aus der Sahelzone in die Stadt Ouahiguoya flohen und auch dort nichts zu essen fanden. Das allgegenwärtige Sterben ließ ihn vom Händler zum Bauern werden, der gegen den Flüchtlingsstrom wieder in sein Dorf Gourga an der malischen Grenze zurückkehrte. Im Gegensatz zum Süden Burkina Fasos wird es im Norden immer trockener und heißer. Es existiert dort schon seit Jahrhunderten eine spezielle Anbaumethode, die "zaïégré" genannt wird und so viel bedeutet wie den Boden frühmorgens tief aufbrechen und säen. In die knochenharte Erde werden 20 cm tiefe und breite Löcher gegraben, in die Samen hineingelegt werden. Für einen Hektar brauchte ein Mann ca. 60 Tage. Er musste täglich fünf Stunden graben.

Yacouba Sawadogo griff die traditionelle Methode auf und entwickelte auf Grundlage seiner Erfahrungen eine neue Form des "zai", indem er größere und tiefere Löcher grub und die Samen mit einer Mischung aus Blättern, Asche und Viehdung umhüllte. Zudem begann er mit der Saat vor der Regenzeit und füllte die Löcher mit weicher Erde. Mit dieser Methode baute er statt der vorherrschenden Baumwolle Hirse an und pflanzte später auch Bäume. Der Grundwasserspiegel stieg und stabilisierte die Kulturen. Seit den ersten Versuchen sind dreißig Jahre vergangen. Yacouba Sawadogo hat es geschafft, ca. 30 Hektar Wüstenboden in einen Wald mit Sträuchern zu verwandeln. Neben Neem-, Néré-, Karité und Tamarindenbäumen wachsen hier auch Dornakazien und liefern Futter für die Ziegen, Holz und pharmazeutische Produkte.

Anfangs wurden Yacouba Sawadogo geheimnisvolle Kräfte nachgesagt, weil niemand glauben konnte, dass eine Wiederbegrünung der Wüste möglich ist. Die ersten vier Hektar seines Waldes wurden von seinen Nachbarn in Brand gesteckt. Mitte der achtziger Jahre wurden seine Erfolge jedoch endlich anerkannt. Er fand zahlreiche Nachahmer, die bei ihm die neue Anbaumethode kennengelernt hatten. Inzwischen praktizieren tausende von Bauern in der Sahelzone seine Methode. Sie haben hunderte von Hektar Land wiederbelebt, das vorher unfruchtbar war (3).

In den achtziger Jahren kam Yacouba Sawadogo in Kontakt mit Chris Reij, einem Geologen, der damals an der Universität Amsterdam arbeitete und auf der Suche nach sinnvollen Projektansätzen zur Bekämpfung des Hungers in der Sahelzone war. Reij erkannte, was mehr als offensichtlich war: "Damals hatten wir alle keine Ahnung, erst jetzt sind wir so weit, dass wir auf die Eigeninitiative der Bauern setzen und die Landwirtschaft mit einfachen Mitteln beleben wollen. Die Lösung sind nicht Großprojekte, sondern es ist der eigene Wille" (4).

Im Sommer 2011 blieb der Regen in der Sahelzone wieder aus. Zudem kamen zehntausende Flüchtlinge aus Mali in den Norden Burkina Fasos. Yacouba Sawadogo und seine Kollegen, die nach der Zai-Methode arbeiten, konnten ihre Überschüsse nutzen und auch verteilen. 2011 fand zudem auf dem G8-Gipfel eine Wende im Blick auf Kleinbauern statt, die nicht mehr als Almosenempfänger den "Fortschritt landwirtschaftlicher Technik" nutzen sollten, sondern die als Hauptakteure und vor allem auch als verantwortliche Akteure den Hunger effektiv bekämpfen könnten. IFAD, der International Fund for Agricultural Development, lobte in seinem Armutsbericht 2011 plötzlich die Kleinbauern und pries Yacouba Sawadogos Methode. Auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzt inzwischen auf die Initiative der Bauern, die in Burkina Faso 80% der Bevölkerung ausmachen. Solche Initiativen wurden allerdings in den letzten Jahren insbesondere von der burkinischen Regierung ausgebremst.

Lokale Initiativen wie die von Yacouba Sawadogo sind inzwischen zahlreich in Staaten südlich der Sahelzone. Sie bedienen sich inzwischen einer großen Vielfalt sehr erfolgreicher, lokal angepasster Anbaumethoden, über die verschiedene NGOs einen guten Überblick bieten, etwa unter Regreening the Sahel (5).

Jüngst veröffentlichte der WWF eine Studie zu den negativen Auswirkungen des Kunstdünger-Einsatzes in dieser Region, der letztendlich zu einer biologischen Verarmung der Böden führt. In der Studie werden als erfolgreiche Strategien stattdessen die Agroforstwirtschaft (u.a. Zai), Sustainable Land Management und Gründüngung genannt (6).

Die Strategie von PAN ist ebenfalls auf die Vernetzung und Unterstützung von lokalen Initiativen ausgerichtet, z.B. in der Malariabekämpfung.

(Burkard Watermann)


Anmerkungen

(1) Susan George (1976): How the other half dies; seit 2009 als freier Download verfügbar
(2) Vgl. "Der Mann, der die Wüste aufhielt",, www.1080films.co.uk/project-mwsd.htm
(3) Vgl. http://africa-regreening.blogspot.de/
(4) Zitiert nach Andrea Jeska, ZEIT, 49, 2012
(5) www.saheleco.net/
(6) WWF (2013): Bodenlos. Negative Auswirkungen von Mineraldüngern in der tropischen Landwirtschaft

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