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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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PAN-Pilotprojekt im Senegal zur DDT-Vermeidung

31.12.2012, Carina Weber

Zwei Workshops organisierten PAN Afrika und PAN Germany im November 2012 im Senegal. Darin wurden Aktivitäten des PAN-Pilotprojektes zur Förderung der Nutzung nicht-chemischer Alternativen zu DDT in der Malariakontrolle ausgewertet. Es zeigte sich, dass die lokale, von Malaria betroffene Bevölkerung ein erhebliches Interesse an Informationen über nicht-chemische Ansätze der Malaria-Kontrolle hat, insbesondere an Ansätzen zur Vorsorge.

Der rechtliche Hintergrund des PAN-Pilotprojektes

2004 trat die Stockholmer Konvention mit dem Ziel in Kraft, weltweit persistente organische Schadstoffe zu eliminieren. Zwölf Pestizide wurden anfänglich in dieser Konvention zur Beseitigung aufgelistet. Darunter das Insektizid DDT. Von Beginn an wurden für die Nutzung von DDT weitreichende Ausnahmen erteilt. Sie gelten bis heute für die Bekämpfung von Malaria, und der Einsatz von DDT verblieb seit 2004 auf etwa gleich hohem Niveau. Eines jener Länder, die sich die Option offenhalten, DDT zu verwenden, ist Senegal.

PAN ist über die starke Abhängigkeit der Malariaprogramme von Chemikalien besorgt und kritisiert die weitere DDT-Nutzung. Wie PAN Germany detailliert dokumentierte, könnte Malaria und der Chemikalieneinsatz gleichzeitig zurückgedrängt werden, wenn nicht-chemische Ansätze mehr genutzt werden würden.

Fokus der PAN-Arbeit

PAN geht davon aus, dass der Einsatz von DDT in der Malariabekämpfung nur beendet werden kann, wenn die aktuell starke Nutzung von Pestiziden schrittweise durch nicht-chemische Ansätze der Malariakontrolle ergänzt wird.

PAN setzt sich für ein ganzheitliches Vektor-Management ein, das effektiv und gleichzeitig möglichst wenig toxisch ist, auf der Grundlage einer guten Datenbasis agiert, Resistenzgefahren zurückdrängt, in lokal existierende soziale Strukturen eingebunden ist und wesentlich durch die lokale Bevölkerung umgesetzt wird.

Ein ganzheitlicher Ansatz, der diese Aspekte beinhaltet, muss durch eine wirksame Gesetzgebung gestützt werden, die eine Kooperation verschiedenster Stakeholder und die Beteiligung der Bevölkerung unterstützt.

Maßnahmenplanungen und Entscheidungsfindungen auf der Grundlage von Daten insbesondere auch inklusive Daten über Brutstätten von Vektoren, sollten auf allen Ebenen gestärkt werden. Nur so können Interventionen nicht nur am Kenntnisstand von Experten, sondern auch am Kenntnisstand der Bevölkerung über die Ökologie der Vektoren und über Umweltfaktoren ausgerichtet werden, um vorbeugende Maßnahmen zu implementieren. Aus der Sicht von PAN ist es wichtig, dass die örtliche Bevölkerung über die Lebensbedingungen und Verhaltensweisen von Vektoren informiert ist, um vorbeugende Maßnahmen ergreifen zu können.

Die Malaria-Situation weltweit und im Senegal

Malaria ist weltweit eine wesentliche Ursache für Erkrankung und Tod. Schätzungen zufolge ereigneten sich 2012 global rund 216 Millionen Malaria-Erkrankungen, wovon sich rund 80% in Afrika ereigneten. 91% der tödlich endenden Erkrankungen geschehen in Afrika.1 Die Bemühungen zur Malariabekämpfung richten sich daher hautsächlich auf diesen Kontinent.

Wie generell, so ist auch das Malariaprogramm im Senegal von drei Maßnahmenpaketen bestimmt: Der Förderung der Nutzung von mit Insektiziden behandelten Bettnetzen, der schnellen Diagnose von Malaria, der fachgerechten medikamentösen Behandlung Erkrankter und dem Besprühen von Innenräumen mit Insektiziden. Damit folgt auch das senegalesische Malariaprogramm den Vorschlägen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die Rolle nicht-chemischer Ansätze in Malariaprogrammen

Nicht-chemische Ansätze der Malariakontrolle haben seit der systematischen Nutzung von Pestiziden einen sehr untergeordneten Stellenwert. PAN Germany hat in den vergangenen Jahren nicht-chemische Ansätze der Malaria-Kontrolle recherchiert, dokumentiert und kommuniziert, um solche Ansätze zu fördern. PAN Germany ist deshalb erfreut, dass die Weltgesundheitsorganisation in ihrer neuen Leitlinie zur Malariakontrolle 2012 nicht-chemische Ansätze der Malariakontrolle endlich als "nicht ausreichend genutzt" beschreibt.2

Das PAN-Malaria-Pilotprojekt zur Vermeidung des Einsatzes von DDT

Um nicht nur über Publikationen, sondern auch über Praxisbeispiele nicht-chemische Ansätze der Malaria-kontrolle zu fördern, implementieren PAN Afrika und PAN Germany in Kooperation mit PAN Nordamerika im senegalesischen Gebiet Niayes mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt und privater Spender 2011/2012 ein "Pilotprojekt für eine effektive und risikoärmere Malaria-Kontrolle in Niayes, Senegal". Das PAN-Pilotprojekt wurde 2011 mit einem Expertenworkshop und einem Kick-off Event im Dorf MBeer in der senegalesischen Region Niayes gestartet (siehe PB September/Oktober 2011). Vierzehn Monate nach dem Praxisstart, wurden die bisherigen Entwicklungen des Projektes im Rahmen von zwei Meetings ausgewertet: Einem Experten-Workshop in Dakar und einem Workshop vor Ort im Projektgebiet im Dorf MBeer.

Vierzehn Monate seit Praxisstart: Was wurde erreicht?

Am 12.11.12 fand in MBeer ein Treffen von Bewohnern der Region Niayes statt. Ziel dieses Meetings war, das zwischen September 2011 (Praxisstart im Projektgebiet) und November 2012 Erreichte zu analysieren, Erfolge und Herausforderungen des Pilotprojektes zu diskutieren und notwendige nächste Schritte zu erörtern.

Die 58 TeilnehmerInnen des Workshop in MBeer vertraten alle wichtigen Akteursgruppen: Politische und religiöse Führungspersönlichkeiten (Bürgermeister, Imam), Mediziner, Lehrer, Vertreter von Bauernorganisationen, Gesundheitseinrichtungen, Frauengruppen, Vertreter des Lebensmittelhandels, von Medien und auch Studenten waren vertreten.

Wichtige Aspekte der Analyse durch die Workshop-TeilnehmerInnen waren, dass:

  • die durch Malaria bedingten Krankheitsfälle saisonal auftreten,
  • SchülerInnen saisonal malariabedingt viele Schulstunden verpassen,
  • dieses Projekt als sehr wichtig erachtet wurde, weil Malaria die Hauptursache für Erkrankungen ist (nach Angaben des Gesundheitszentrums in MBeer sind im Projektgebiet 35% der Besuche beim Arzt bzw. im Gesundheitszentrum malariabedingt),
  • dieses Projekt mehr Wirkung zeigte, als die TeilnehmerInnen zu Beginn erwarteten,
  • die im Rahmen des Projektes realisierten Trainings als sehr wichtig erachtet wurden, um Kenntnisse über die Ursachen von Malaria zu erlangen und dann Maßnahmen gegen Malaria ergreifen zu können,
  • das durch PAN Afrika in Kooperation mit Bewohnern des Projektgebietes erstellte Mapping von Wasserstellen erhebliche Wirkungen zeigte, um Bewohner hinsichtlich potentieller Brutstätten von Vektoren zu sensibilisieren,
  • fast allen Bewohnern des Projektgebietes nicht bewusst war, wie wichtig es ist, Brutstätten bzw. potentielle Brutstätten von Vektoren wo immer möglich zu verhindern, zu beseitigen und zu überwachen,
  • Bauern durch das Projekt darauf aufmerksam wurden, wie wichtig im Zusammenhang mit der Verbreitung von Malaria Bewässerungsmanagement ist und
  • Frauen ihre Kinder in der Dämmerung mit auf Felder nehmen, wo die Kinder dem Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Zwei Aspekte wurden besonders intensiv diskutiert: Die Notwendigkeit, Brutstätten der Vektoren zu überwachen und Kinder vor Infektionen zu schützen, da den Frauen bewusst wurde, dass sie ihre Säuglinge und Kleinkinder erheblichen Risiken aussetzen können, wenn sie sie abends mit aufs Feld nehmen und wenn sie nicht darauf achten, dass diese unter Bettnetzen schlafen.

Wichtige nächste Schritte?

Im Rahmen des Projektes war es PAN möglich, Wasserstellen zu identifizieren und mittels GIS zu dokumentieren. Die bildhafte Darstellung schuf einen erheblichen Erkenntnisgewinn bei den rund 60 TeilnehmerInnen des Meetings im Projektgebiet, weil ihnen erstmalig bewusst wurde, dass sie selbst Einfluss auf die Entstehung von Vektoren nehmen. Leider war es PAN aus Ressourcengründen nicht möglich, gleichzeitig auch zu dokumentieren, welche der Wasserstellen tatsächlich Brutstätten sind. Dies wäre jedoch sehr wünschenswert, weil ein regelmäßiges Monitoring der Wasserstellen und der Brutstellen, der Bevölkerung anzeigen könnte, ob und wo Maßnahmen zur Beseitigung von Brutstellen erfolgreich waren.

Zum anderen konnte in den vierzehn Monaten seit dem kick-off Meeting in Mbeer nur eine begrenzte Anzahl von Trainings durchgeführt werden. Es wäre wünschenswert, wenn über einen Zeitraum von zwei Jahren weitere Trainings und Koordinierungstreffen der Bewohner im Projektgebiet organisiert werden könnten, um Kenntnisse und Strukturen zu festigen.

(Carina Weber)


Literaturhinweise
1 Vgl. Weltgesundheitsorganisation (2011): World Malaria Report
2 Vgl. Weltgesundheitsorganisation (2012): Guidance on policy-making for integrated vector management

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief November/Dezember 2012

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