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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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UN-Bericht fordert Maßnahmen gegen Pestizid-Vergiftungen (aus dem Pestizid-Brief)

31.08.2012, Carina Weber

Mit einem Synthesis Report for Decision Makers über die globale Nutzung von Chemikalien und deren Folgen1 macht das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) darauf aufmerksam, dass Chemikalien weltweit erhebliche Schäden anrichten. Ein wichtiger Bereich, auf den dieser Bericht eingeht, sind Pestizide.

Pestizide zählen zu den ersten chemisch-synthetischen Chemikalien, die aus Industrieländern in Entwicklungsländer exportiert wurden. Heute zählt der Verbrauch von Agrarchemikalien einschließlich Düngemitteln und Pestiziden nach Aussage des UN-Berichts weltweit zu den volumenstärksten Chemikalien-Verwendungen.

Mit Besorgnis stellt der UNEP-Bericht fest, dass es in Entwicklungsländern zum Teil ein erhebliches Wachstum des Pestizid-Einsatzes gibt und weiterhin erwartet wird. Ein Beispiel ist Südafrika, wo laut UNEP die Ausgaben für Pestizide zwischen 1999 und 2009 um 59% angestiegen sind und wo für den Zeitraum zwischen 2009 und 2019 ein Wachstum um 55% erwartet wird.

Da die Landwirtschaft in vielen Entwicklungsländern der bedeutsamste ökonomische Sektor ist und zudem in diesem Sektor die umfangreichste Freisetzung von Chemikalien in die Umwelt stattfindet, sagt der Bericht voraus, dass Pestizidbelastungen in Entwicklungsländern weiterhin zunehmen werden. Die erwartete Intensivierung der Chemikalien-Nutzung und die damit verbundene nationale Umweltbelastung wird laut UNEP noch dadurch verstärkt werden, dass Pestizide von außerhalb der nationalen Grenzen liegenden Flächen in Länder eingetragen werden. So könne der Abfluss von Pestiziden und Düngemitteln von landwirtschaftlich genutzten Flächen zur Grundwasserbelastung in Anrainerstaaten führen.

Die Folgen der Belastungen mit Chemikalien können beträchtlich sein. Um die Problematik zu verdeutlichen berichtet die UNEP u.a. von nationalen Vergiftungsfällen. Ein Beispiel sind reproduktionstoxische Effekte im Sudan. In der zentralen Region des Sudan offenbarten Fallkontrollstudien einen konsistenten und signifikanten Anstieg des Risikos perinataler Todesfälle - verursacht durch Pestizidexposition. Ein anderes Bespiel ist Mexiko, wo Kinder in einer Region mit intensivem chemischem Pflanzenschutz im Vergleich zu Kindern in wenig belasteten Regionen neurologische Entwicklungsstörungen aufwiesen. Zu diesen neurologischen Störungen zählen etwa ein reduziertes Kurzzeitgedächtnis, eine schlechte Hand-Auge-Koordination und schwach ausgebildete Fähigkeiten zu zeichnen. Ein weiteres Beispiel ist Ecuador. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Organophosphat-Pestiziden und anderen Pestiziden ausgesetzt waren, wiesen räumlich-visuelle Funktionsstörungen auf.

Der UNEP-Bericht betont, dass die Daten über das Ausmaß von Pestizid-Vergiftungen die Lage unterschätzen und weist darauf hin, dass Effekte der chronischen Belastung mit Pestiziden nicht erfasst werden.

Die ökonomischen Folgen des Pestizideinsatzes sind laut UNEP beträchtlich. Kosten in Höhe von 90 Milliarden Dollar können nach Aussage des Berichts allein in Subsahara-Afrika zwischen 2015 und 2020 durch Krankheiten entstehen, die durch Pestizide verursacht wurden. Die durch Pestizide verursachten Kosten infolge von Vergiftungen können laut UNEP jenen Betrag übersteigen, der in der Region über internationale Hilfe für gesundheitliche Basisversorgung gezahlt wird (exklusive HIV/ADS).

Das UNEP fordert deshalb Regierungen und die Industrie dazu auf, verstärkt Anstrengungen gegen Pestizid-Vergiftungen zu unternehmen. Die Aussagen dieses Berichtes des Umweltprogramms der Vereinten Nationen decken sich mit den Ergebnissen aus PAN-Monitoring-Programmen. Menschen in Industrieländern und Entwicklungsländern werden durch Pestizide geschädigt. Besonders dramatisch ist die Lage in Armutsregionen der Welt. Gefährliche Pestizide können entgegen früherer Annahmen nicht sicher eingesetzt werden - obwohl Millionenbeträge für Trainingsprogramme ausgegeben wurden. PAN Germany setzt sich deshalb für eine schrittweise Beendigung der Nutzung hochgefährlicher Pestizide ein.

(Carina Weber)

1 UNEP (2012): Global Chemicals Outlook - Towards Sound Management of Chemicals - Synthesis Report for Decision-Makers, United Nations Environment Programme

Weitere Informationen zum Thema:
PAN Germany (2012): Pestizide und Gesundheitsgefahren - Daten und Fakten;
als Download verfügbar auf: http://www.pan-germany.org/download/Vergift_DE-110612 _F.pdf PAN Germany (2012): Pestizid-Vergiftungen stoppen - Eine neue Pestizid-Politik ist nötig nach Jahren des Versagens
http://www.pan-germany.org/download/Pestizid-Vergiftungen _stoppen.pdf
PAN International (2010): Communities in Peril: Global report on the health impacts of pesticides used in agriculture; als Download verfügbar auf
http://www.pan-germany.org/ download/PAN-I_CBM-Global-Report_1006-final.pdf

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Juli/August 2012

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