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Pestizide gefährden Fledermäuse

31.08.2012, Susan Haffmans

Eine Studie der Universität Koblenz-Landau1 zeigt, dass Pestizid-belastete Nahrung zu Langzeiteffekten bei Fledermäusen führen kann. Wissenschaftler kritisieren, dass Fledermäuse bei der Risikoprüfung von Pestiziden im Rahmen de

Eine Studie der Universität Koblenz-Landau1 zeigt, dass Pestizid-belastete Nahrung zu Langzeiteffekten bei Fledermäusen führen kann. Wissenschaftler kritisieren, dass Fledermäuse bei der Risikoprüfung von Pestiziden im Rahmen der Zulassungsprüfung bislang nicht berücksichtigt werden und fordern die Aufnahme der Tiere in die Richtlinie zur Risikobewertung.

Bevor ein Pestizid die Marktzulassung erhält, wird es nicht nur auf seine gewollte Wirksamkeit hin überprüft, sondern es wird auch einer Risikoprüfung unterzogen, um seine möglichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt abzuschätzen. Hierbei werden die Risiken für verschiedene Organismen wie Vögel, Fische, Regenwürmer oder Bienen ermittelt. Dabei geht es sowohl um akute als auch um Langzeiteffekte. Bislang findet eine Risikoabschätzung für Fledermäuse nicht statt. Für die Wissenschaftler ist dies nicht hinnehmbar. Denn Fledermäuse sind hochbedroht und stehen deshalb in Europa unter Schutz. Bereits 10 von 19 in Deutschland beheimateten Fledermausarten werden auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten geführt. Sie reagieren besonders empfindlich auf Pestizide.

Als Grund dafür, dass die bedrohten Tiere bei der Risikoabschätzung selbst nach dem Inkrafttreten der neuen Zulassungsverordnung für Pestizide nach wie vor unberücksichtigt bleiben, nennen die Autoren der Studie vom Institut für Umweltwissenschaften Landau den Datenmangel. Den Wissenschaftlern zufolge fanden die meisten bisherigen Untersuchungen zu Fledermäusen in Naturschutz- oder Waldgebieten statt.

Doch der Radius der Fledermäuse ist nicht auf geschützte Gebiete und Wälder beschränkt. Fledermäuse lassen sich auch auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen nachweisen, unter anderem in intensiv bewirtschafteten Obstanbau-Plantagen. Die Forscher gingen nun der Frage nach, wie belastet die Nahrung der Flugsäuger mit Pestiziden ist. Nach der Ausbringung des Pestizid-Wirkstoffs Fenoxycarb, der das Wachstum von Insekten hemmt und unter dem Handelsnahmen INSEGAR im Obstbau (Kernobst, Birne und Pflaume) zugelassen ist, und des Mittels Reldan mit dem Wirkstoff Chlorpyrifos-methyl, das 2009, 2010 und 2011 über die Notfallzulassung im Obstbau zur Anwendung kam, untersuchten die Wissenschaftler zwei Wochen lang die Rückstände der Wirkstoffe auf Fliegen, Spinnen und Faltern. Die höchsten Rückstände fanden sie bei Insekten und Spinnen, die auf den Blättern der Obstbäume saßen. Weniger belastet waren die Fluginsekten. Auf Grundlage der erhobenen Rückstandsdaten berechneten sie verschiedene Szenarien für verschiedene Fledermausarten, die sich in der Ostplantage ernähren, und sie schätzten so mögliche Langzeiteffekte ab.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass zwar keine akuten Effekte beobachtet wurden, dass aber selbst im besten Fall, wenn die Fledermäuse einen Teil ihrer Nahrung in unbelasteten Gegenden aufnehmen können, Langzeiteffekte bei einer der sechs Fledermaus-Arten nicht auszuschließen sind. Sind die Fledermäuse vollständig auf belastete Nahrung angewiesen und wird diese belastete Nahrung nicht durch unbelastete Nahrung ergänzt, so sind nach Aussage der Forscher im schlechtesten Fall bei drei Arten Langzeiteffekte nicht auszuschließen. Am stärksten betroffen sind dabei jene Fledermausarten, die zur Nahrungsaufnahme auf Obstbäumen sitzende Insekten und Spinnen absammeln.

Da für Fledermäuse keine Sensitivitätsdaten vorliegen, mussten die Wissenschaftler in ihren Berechnungen auf Toxizitätsdaten der Hausmaus zurückgreifen. Um die Unsicherheit aus der Übertragung von der Hausmaus auf die Fledermäuse auszugleichen, wurde ein Sicherheitsfaktor von 5 benutzt. Die Wissenschaftler räumen allerdings ein, dass die tatsächliche Empfindlichkeit von Fledermäusen möglicherweise größer ist.

Fledermäuse sind aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften, zu denen etwa eine lange Lebenszeit und eine geringe Nachkommenschaft zählt, sehr empfindliche Organismen. Daher sei es denkbar, dass selbst für Fledermäuse, die nur wenig belastete Fluginsekten vertilgen, ein nicht akzeptables toxikologisches Belastungs-Risiko vorliegt.

Vor diesem Hintergrund fordern die Wissenschaftler eine Ausweitung der Risikoprüfung im Rahmen der Zulassungsprüfung für Pestizide auf Fledermäuse. Sie verweisen zudem auf den Forschungsbedarf hinsichtlich der Ermittlung der Empfindlichkeit dieser Säugergruppe gegenüber Pestiziden.

(Susan Haffmans)

1 Stahlschmidt P. und Brühl C.A. (2012): "Bats at risk? Bat activity and insecticide residue analysis of food items in an apple orchard", Environmental Toxicology and Chemistry. Online unter http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/etc.1834/abstract

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Juli/August 2012

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