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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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SRU zur "Verantwortung in einer begrenzten Welt"

30.06.2012, Susanne Smolka

Unter diesem Motto steht das neue Umweltgutachten 2012 des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU). Es wurde am 4. Juni 2012 dem neuen Bundesumweltminister Peter Altmaier übergeben.1 Darin äußert sich der SRU auch zum Umgang mit Pestiziden.

Die sieben Professorinnen und Professoren des Umweltrats behandeln in ihrem Gutachten elf Schwerpunktthemen, die von der neuen Wachstumsdebatte über den Schutz wichtiger Ökosysteme wie der Moore, Wälder und Meere, bis zur Stärkung des integrativen Umweltschutzes reichen.

Es könne in einer begrenzten Welt kein unbegrenztes Wachstum geben, daher sollten vorrangig alle Möglichkeiten einer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung ausgeschöpft werden. Hierzu empfehlen die Sachverständigen unter anderem Rohstoffsteuern, Pfandsysteme für alte Handys und Computer oder den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Außerdem plädieren die Sachverständigen für eine deutliche Stärkung der Autorität und des Wirkungskreises der Umweltpolitik gegenüber anderen Ressorts, um die Einhaltung ökologischer Grenzen zu erreichen.

Mit Blick auf das Thema Pestizide empfiehlt das Gutachten eine strenge Regulierung, um deren Einsatz auf das erforderliche Mindestmaß zu reduzieren. Ziel sei es, wichtige ökologische Funktionen und Strukturen zu schützen (z. B. Bestäuber) und eine umweltgerechte Produktion zu gewährleisten (etwa in der Forstwirtschaft).

Glyphosat bzw. Roundup® erfährt eine besondere Aufmerksamkeit in dem Gutachten. Es wird herausgestellt, welchen Wandel es in der Stoffbewertung bezüglich Glyphosat bzw. Roundup aufgrund neuer Studien (z.B. zur Amphibientoxizität) oder dem häufigen Auftreten des Herbizids bzw. seines toxischen und persistenten Metaboliten AMPA in Gewässern in jüngster Zeit gegeben hat. Daher sollten für die anstehende Überprüfung von Glyphosat nicht nur die gesundheitliche Bewertung, sondern auch die neuen Erkenntnisse zur Ökotoxizität berücksichtigt werden, so die Sachverständigen. Zudem beklagt das SRU-Gutachten das bisherige Konzept der medienfragmentierten Beobachtung der Umwelt in Deutschland und Europa. Eine Vielzahl an Messnetzen, getrennt nach Umweltmedien und administrativen Zuständigkeiten, führen zu Abstimmungsschwierigkeiten und zu Inkonsistenzen zwischen den vorhandenen Daten. Außerdem fehlen dem SRU zufolge harmonisierte Mindestanforderungen für eine Erfolgskontrolle stoffbezogener Teilziele oder für Datenzugriffsrechte und Datenverfügbarkeit. Der Sachverständigenrat plädiert deutlich für eine Integration bestehender Messnetze und Kapazitäten, hin zu einem medienübergreifenden Umwelt-Monitoring. Die Finanzierung solle sich grundsätzlich am Verursacherprinzip orientieren. Das so heranwachsende Netzwerk solle zudem transparent über das Internet der Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Öffentlichkeit soll nach Ansicht des SRU auch bei der Datenauswertung und bei der Initiierung von Maßnahmen mit einbezogen werden, nach dem Grundsatz "Transparenz in der Umweltpolitik erhöht deren Glaubwürdigkeit".

(Susanne Smolka)


1 Sachverständigenrat für Umweltfragen, SRU (2012): Umweltgutachten 2012: Verantwortung in einer begrenzten Welt. PDF-Downloads des Gutachtens sowie eine Kurzfassung für Entscheidungsträger und eine Pressemitteilung vom 04.06.2012 finden sich unter: http://www.umweltrat.de

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Mai/Juni 2012

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