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Schädlings-Resistenzen gegen Bt-Mais - alles im Griff?

28.02.2012, PAN Germany, Susan Haffmans

Der Entomologe Aaron Gassmann von der Iowa State University hatte 2009 ausgewachsene Maiswurzelbohrer auf vier Feldern in Iowa gesammelt, auf denen Bt-Mais der Firma Monsanto angebaut wurde. In Laboruntersuchungen gelang ihm der Nachweis, dass die Käfer von dem Bt-Maisfeld eine deutlich höhere Dosis des Bt-Proteins Cry3Bb1 überlebten als ihre Artgenossen. In einer 2011 veröffentlichen Studie wurde diese Resistenzentwicklung bei dem in der EU als Quarantäneschädling eingestuften westlichen Maiswurzelbohrers dokumentiert. Den Grund für die Resistenzbildung sehen die Wissenschaftler in unzureichenden Refugien und einer nicht-rezessiven Vererbung der Resistenz1.

Bt-Mais ist eine Form von gentechnisch verändertem Mais, in dessen Gene das Bakterium B. thuringiensis eingebaut wurde. B. thuringiensis ist ursprünglich ein Bodenbakterium, das Proteine, sogenannte Bt-Toxine, produziert, die für spezifische Insektenlarven sowie Nematoden tödlich wirken, u.a. auch für wichtige Mais-Schädlinge wie Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) und westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera). Frisst ein Schädling an der Pflanze, nimmt er das Toxin auf, das im Verdauungstrakt seine toxische Wirkung entfaltet. Anders als Bt-haltige Spritzmittel, wirkt das gentechnisch in Pflanzen eingebaute Bt-Toxin langfristig. Ein Wirkstoffwechsel, zur Vermeidung von Resistenzen ist nicht möglich.

Um die Resistenzbildung von Schädlingen gegen Bt-Toxine zu erschweren, ist in den USA vorgeschrieben, dass ein Teil des mit Bt-Mais bestellten Feldes oder benachbarte Flächen mit konventionellem, also nicht-Bt-Saatgut bestellt werden muss. Wie groß diese "Refugien" angelegt sein müssen, schreibt die US-amerikanische Umwelt- und Zulassungsbehörde EPA vor. Für Bt-Maisanbau in der "cotton-growing-area", also im Süden der USA, schreibt die US-EPA einen Refugienanteil von 50%, im sogenannten Getreidegürtel der USA, der "corn-growing-area", nur einen Refugienanteil von 20% vor. Auch für diese Region hatten Wissenschaftler ursprünglich 50% Refugienfläche gefordert und dies mit der Notwendigkeit eines effektiven und langfristigen Schutzes vor Resistenzbildung begründet2. Doch die Umsetzung dieser Forderung hätte den Absatz an Bt-Saatgut und somit den Umsatz von Monsanto erheblich geschmälert. Im wirtschaft-politischen Tauziehen setzte sich die Industrie durch und die EPA forderte nur 20% Refugienfläche ein3,4. Doch selbst diese 20% werden nur noch von 2/3 der Landwirte eingehalten. Die Refugien sind im Rahmen des Risikomanagements gegen Resistenzbildung wichtig, weil sich dort Schädlinge auf nicht-genveränderten Pflanzen entwickeln können. Sollten sich auf den GV-Flächen Schädlinge mit Resistenz-Genen entwickeln, so soll die Gefahr einer Weitergabe dieser Resistenz an die Folgegeneration dadurch verhindert oder minimiert werden, dass sich der GV-Schädling mit einem Schädling aus dem Refugium paart. Da bislang immer von einer rezessiven Vererbung der Resistenz ausgegangen wurde, würde so eine großflächige Ausbildung resistenter Schädlinge vermieden5.

Warnungen, dass bei unzureichender Refugienfläche mit Resistenzen zu rechnen sei gibt es seit die ersten Bt-Mais-Pflanzen ausgesät wurden. Nachgewiesene Resistenzen und Meldungen über Fraßschäden durch Bt-resistente Schädlinge gibt es aus Puerto Rico, Südafrika und Indien. Auf Puerto Rico wurden Resistenzen beim Heerwurm Spodoptera frugiperda nachgewiesen, in Südafrika zeigte der Eulenfalter (Busseola fusca) Resistenzen gegen Bt-Mais, in Indien war es der Rote Baumwollkapselwurm (P.gossypiella), der gegen Bt-Baumwolle resistent wurde6. Neben zu geringen Toxingehalten und unzureichenden Refugien werden auch eine mögliche nichtrezessive Vererbung der Resistenz sowie schnellere Generationenfolgen bei den Insekten als Ursache diskutiert.

Doch während Wissenschaftler darüber diskutieren, wie wichtig ausreichend große Refugien sind, um die Resistenzentwicklung einzudämmen, geht auf den Äckern die Refugiengröße weiter zurück. Monsanto wirbt offensiv und preist Sattgut mit extrem niedriger Refugium-Anforderung an. Z.B. mit "genuity® smartstax® RIB Complete™", einer Sattgutmischung aus 95% genverändertem Maissaatgut mit 6 unterschiedlichen Bt-Genen sowie eingebauter Herbizidtoleranz gegen Glyphosat und Glufosinat und 5% konventionellem Saatgutanteil7. Dabei steht RIB für "refuge in a bag", d.h. die benötigten Refugienanteile, die bereits durch die Kombination verschiedener Bt-Proteine auf 5% reduziert wurden, sind bereits in der Saatguttüte enthalten. Oder auch mit dem "Genuity® VT Triple Pro™ Corn", das nur noch 20% Refugium-Anforderung hat in einer Gegend, in der eigentlich 50% der Standard sind.

Am 17. Juni 2011 wurde Mais der Sorte Genuity® VT Triple Pro™ Corn von der Europäischen Kommission als Lebens- und Futtermittel zugelassen, obgleich Kritik an der Solidität der für die Risikoanalyse beigebrachten Daten selbst von Mitarbeitern der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geäußert wurde.8

Weltweit wird Mais auf 160 Millionen Hektar angebaut, 29% davon sind mit Gen-Mais bestellt9. Laut biosicherheit.de nutzen heute weltweit 15 Millionen Landwirte gentechnisch veränderte Pflanzen, 90% davon in Entwicklungsländern10. Mais gehört zusammen mit Weizen und Reis zu den wichtigsten Nahrungspflanzen der Welt. Mehr als zwei Drittel der Weltmaisernte wird als Futtermittel (Maiskleber, Silomais) verwertet.

Doch wie sieht es in Deutschland mit Bt-Mais aus? Seit 2005 müssen alle Flächen in Deutschland, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, in das öffentliche Standortregister beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingetragen werden11. Das gilt auch für Flächen, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen zu Forschungszwecken getestet werden oder Sortenversuche stattfinden12. Derzeit gibt es in Deutschland keinen kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Solange die EU die erneut beantragte Anbauzulassung für den Bt-Mais MON810 der Firma Monsanto nicht erteilt, bleibt das Anbauverbot bestehen.

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat nach eigenem Bekunden seit Ende der 80er Jahre über 300 Vorhaben im Bereich der grünen Gentechnik gefördert, davon 120 Projekte zur Sicherheitsbewertung gentechnisch veränderter Pflanzen. Und es zieht zum Abschluss einer Podiumsdiskussion zur Biosicherheit grüner Gentechnik auf der Grünen Woche 2012 eine positive Bilanz: Gentechnisch veränderter Bt-Mais sei sicher, er sei sogar besser geeignet als herkömmliche Sorten, die Artenvielfalt auf dem Feld zu schützen, Bodenerosion zu vermeiden und die Bodenfruchtbarkeit zu schützen. Das Bundesforschungsministerium jedenfalls will weiterhin die grüne Gentechnik fördern13. Ein paar mehr resistente Käfer und eine Bevölkerung, die zu 87% gentechnisch veränderte Organismen ablehnt14, wird Ministerin Schavan davon nicht abhalten.

(Susan Haffmans)

1Gassmann AJ, Petzold-Maxwell JL, Keweshan RS, Dunbar MW (2011) Field-Evolved Resistance to Bt Maize by Western Corn Rootworm. PLoS ONE 6(7): e22629. doi:10.1371/journal.pone.0022629
2 http://www.biosicherheit.de/aktuell/1352.resistenzen-maiswurzelbohrer-usa.html
3 http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/ GID166_moch
4 Ishii-Eiteman, M. (2011): Monsanto's superweeds & superbugs. http://www.panna. org/blog/monsantos-superweeds-superbugs.
5 EPA (): Biopesticides registration action document. Bacillus thuringiensis Cry34Ab1 and Cry35Ab1 Proteins and the Genetic Material Necessary for Their Production (PHP17662 T-DNA) in Event DAS-59122-7 Corn (OECD Unique Identifier: DAS-59122-7). PC Code: 006490. U.http://www.epa.gov/ oppbppd1/biopesticides/pips/cry3435ab1-brad.pdf
6 Bt-Pflanzen: Gutes Resistenzmanagement - keine resistenten Schädlinge. http://www.biosicherheit.de/aktuell/1341.bt-pflanzen-resistente-schaedlinge.html
7 http://www.genuity.com/corn/Pages/GenuitySmartStaxRIBCompleteCorn.aspx
8 Testbiotech Presseinformation vom 2.2.12: Monsantos Daten entsprechen nicht den wissenschaftlichen Standards. Wachsende Zweifel an Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen. http://www.testbiotech.de/
9 http://www.transgen.de/datenbank/pflanzen/52.mais.html
10 http://www.biosicherheit.de/aktuell/1388.igw-biologische-sicherheitsforschung.html
11 BVL Standortregister online unter http://apps2.bvl.bund.de/stareg_web/showflaechen.do
12 http://www.transgen.de/anbau/deutschland/935.doku.html
13 Biosicherheit Pressemeldung: Gentechnisch veränderter Bt-Mais ist sicher. http://www.biosicherheit.de/aktuell/1388.igw-biologische-sicherheitsforschung.html
14 http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/gesellschaft/Naturbewusstsein%202009.pdf


Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Januar/Februar 2012

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