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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Pestizide beeinflussen Gewicht von Kindern

31.10.2011, PAN Germany, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief September/Oktober 2011

Im Rahmen einer prospektiven Studie fanden Forscher, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft Pestiziden ausgesetzt waren, ein geringeres Geburtsgewicht aufweisen und als Schulkinder einen höheren Körperfett-Anteil haben.1

Das Hormonsystem beeinflussende Chemikalien stehen unter dem Verdacht, bei der starken Verbreitung von Fettleibigkeit eine Rolle zu spielen. Langzeiteffekte einer vorgeburtlichen Belastung mit nicht persistenten Pestiziden auf den Körperbau wurden bisher allerdings nicht untersucht. Zweck der Studie von ForscherInnen an der Universität in Kopenhagen und an der Universität Südliches Dänemark war, mögliche Effekte vorgeburtlicher Exposition mit gegenwärtig genutzten Pestiziden auf das kindliche Wachstum sowie zudem auf das endokrine System und auf Reproduktionsfunktionen abzuschätzen.

Insgesamt wurden 247 Kinder in die Studie einbezogen, deren Mütter in der ersten Zeit der Schwangerschaft in Gewächshäusern gearbeitet hatten. Von diesen 247 Kindern wurden 168 Kinder als mit Pestiziden exponiert eingestuft. Die Untersuchung der Kinder umfasste zum einen die Bestimmung von Thyroid-Hormonen in Blutproben und zum anderen eine Messung der Hautfalten.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu den nicht mit Pestiziden exponierten Kindern waren sowohl das embryonale wie auch das Geburtsgewicht der exponierten Kinder niedriger. Während der Vorschulzeit hatten die hoch exponierten Kinder im Vergleich zu den als nicht exponiert eingestuften Kindern dann jedoch Hautfalten, die um 15,8% größer waren.

Die Forscher schlussfolgern, dass die Exposition mit einer Kombination von modernen, nicht persistenten Pestiziden während der ersten Phase der Schwangerschaft in einen Zusammenhang mit einem geringeren Gewicht zur Zeit der Geburt und einem sich nach der Geburt entwickelnden höheren Körperfett-Anteil steht. Die Forscher fanden also quasi einen zweiphasigen Zusammenhang zwischen der Exposition mit modernen Pestiziden während der Schwangerschaft und zu geringerem Geburtsgewicht sowie anschließend wachsendem Fettanteil im kindlichen Körper in der Zeit von der Geburt bis zum Schulalter.

Einflussgrößen wie die Zugehörigkeit zu sozialen Schichten können laut der Studie ggf. eine gewisse Rolle spielen. Die Forscher betonen, dass der Zusammenhang zwischen der Pestizid-Exposition und dem Körpergewicht bei den hoch exponierten Kindern stärker war, als bei den mäßig exponierten Kindern. Zudem würden die Effekte auf den Umfang des Körperfetts im Schulalter potenziert, wenn Mütter während der Schwangerschaft rauchten.

Die Studie kommt zudem zu dem Ergebnis, dass die berufliche Exposition von schwangeren Frauen mit gegenwärtig üblichen Pestiziden auch dann negative Effekte auf die Kinder der Frauen haben kann, wenn den Frauen zusätzliche Schutzmöglichkeiten angeboten werden.

(Carina Weber)

1 Wohlfahrt-Veje et al. (2011): Lower birth weight and increased body fat at school age in children prenatally exposed to modern pesticides: A prospective study. Environmental Health 2011, 10:79. doi:10.1186/1476-069X-10-79. BioMed Central - The Open Access Publisher. Verfügbar unter: http://www.ehjournal.net/content/10/1/79

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