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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Auf ungespritzten Äckern gibt es weniger Schädlinge

30.09.2011, Christian Ehrmantraut

Aus: PAN Germany Pestizid Brief Juli / August 2011

Eine Studie von Forschern des Biozentrums der Universität Würzburg untermauerte die Vorteile eines der Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft: Den Verzicht auf synthetische Insektenvernichtungsmittel.1

Gegenstand der universitären Forschung waren konventionelle Äcker, welche mit der Getreideart Triticale bepflanzt wurden. Auf den Untersuchungsflächen wurden Dünger, Herbizide und auch in Teilbereichen auch Insektizide gegen Ackerschädlinge, speziell gegen Blattläuse, ausgebracht. Auf jenen Feldern, die mit Insektenvernichtungsmitteln behandelt wurden, kam es nach der Anwendung kurzfristig zu einem Schädlingsrückgang. Die würzburger Wissenschaftler machten jedoch eine bemerkenswerte Entdeckung: Auf den mit Insektenvernichtungsmitteln behandelten Feldern konnten sie nach rund vier Wochen deutlich mehr Blattläuse nachweisen als es auf den ungespritzten Flächen der Fall war.

Die Forscher um Dr. Jochen Kraus haben für diese Entwicklung zwei Erklärungen formuliert: Möglich ist zum einen, dass die Insektizidbehandlung neben den Blattläusen auch deren natürliche Fressfeinde vernichtet. Das Fehlen dieser Feinde würde den Blattläusen eine leichtere Wiederbesiedelung der behandelten Fläche ermöglichen. Die zweite mögliche Erklärung wäre, dass durch die Behandlung zwar nur die Blattläuse agetötet werden, dies aber zur Folge hat, dass deren Fressfeinde wie etwa Marienkäfer und Florfliegen keine Nahrung mehr finden und deshalb abwandern. Auch in diesem Fall wäre eine Wiederbesiedlung für Blattläuse erheblich einfacher. Doch unabhängig davon, ob die erste oder zweite Möglichkeit zutrifft: Es deutet alles darauf hin, dass eine Behandlung mit Insektiziden die Lebensgemeinschaften derart stört, dass sich Schädlinge wie Blattläuse anschließend mehr oder weniger ungestört vermehren können. Der Verzicht auf Insektizide ist hingegen förderlich, um die natürlichen Fressfeinde von Blattläusen nicht zu stören.

Ebenfalls sehr interessante Ergebnisse zeigt die Untersuchung von fünfzehn ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen, welche die Forscher ebenfalls in ihre Untersuchung einbezogen hatten. Dort wiesen die Wissenschaftler aus Würzburg fünfmal mehr Pflanzenarten und 20mal mehr Arten von bestäubenden Insekten nach, als auf den konventionellen Feldern. Landwirte dürften sich besonders über ein Ergebnis der Untersuchung freuen: Auf Öko-Äckern fanden die Forscher dreimal mehr natürliche Feinde von Blattläusen und rund fünfmal weniger Blattläuse als auf den konventionellen Äckern. Es deutet also einiges darauf hin, dass eine größere biologische Vielfalt, die auf man auf den ungespritzten Feldern findet, für diesen Effekt verantwortlich ist.

(Christian Ehrmantraut)

1 Krauss J, Gallenberger I, Steffan-Dewenter I, 2011: Decreased Functional Diversity and Biological Pest Control in Conventional Compared to Organic Crop Fields. PLoS ONE 6(5): e19502. doi:10.1371/journal.pone.0019502

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