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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Die "W"-Fragen zu endokrinen Pestiziden

30.09.2011, PAN Germany, Susanne Smolka

Aus: PAN Germany Pestizid Brief Juli / August 2011

Was sind hormonell wirksame Pestizide? Wie sind sie zu identifizieren? Wann und durch wen sollen solche wichtigen Fragen beantwortet werden? Die Positionierungen von Behörden und NGOs zur Beantwortung dieser Fragen ist eingeläutet, denn die neue, seit 15. Juni 2011 in Kraft getretene EU-Pestizid-Verordnung setzt erstmals eine Frist für die Beantwortung.

Mit der neuen EU-Verordnung zur Pestizid-Zulassung (1107/2009/EG) werden erstmals bestimmte Stoffeigenschaften zum Ausschluss (cut-off) und zur Substitution besonders gefährlicher Pestizid-Wirkstoffe herangezogen. Eine sehr problematische Eigenschaft ist die hormonelle (endokrine) Wirksamkeit von Stoffen. Die Berücksichtigung dieser Stoffeigenschaft als Ausschlusskriterium ist sehr zu begrüßen, zumal immer mehr Pestizide und andere Chemikalien als potentielle endokrine Disruptoren (ED) identifiziert werden. Allerdings gibt es noch immer keine Einigung darüber, wie diese gefährliche Eigenschaft im Rahmen von administrativen Entscheidungen erfasst und bewertet werden soll.

Deshalb wurden in der Pestizid-Verordnung zunächst Übergangsregeln festgelegt, aber auch entschieden, dass die EU-Kommission bis zum 14.12.2013 ein Konzept vorlegen soll, um Testmethoden und Bewertungsverfahren für endokrine Effekte festzulegen. Bis zur Festlegung solcher Kriterien und Definitionen erlauben Übergangsregeln einen Spielraum für die Behörden, um den Ausschluss einer weiteren Verwendung oder die Stoff-Substitution festzulegen. Die neuen Definitionen und Testverfahren für ED-Pestizide werden aller Voraussicht nach in andere stoffbezogene Rechtsbereiche übernommen werden, wie den der Biozide oder der Industriechemikalien.

Verschiedene Akteure sind nun aktiv geworden. Zunächst hat die EU-Kommission eine Studie in Auftrag gegeben, um die 1999 festgelegte Strategie zu hormonell wirksamen Stoffen zu überprüfen und sich der Frage zu nähern, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Politik umgesetzt werden könnten. Die Studie von Prof. Andreas Kortenkamp und seinem Team soll Ende 2011 vorliegen und Grundlage für die weitere Konzept-Entwicklung sein. Der zweite Zwischenbericht wurde Ende Januar 2011 vorgestellt.1 Als zweite Gruppe positionieren sich derzeit die Interessensverbände. So haben sich Europäische NGOs, darunter PAN Europe, im April 2011 in einer gemeinsamen Position zu dieser Frage geäußert.2 Im Anschluss veröffentlichte PAN Europe ein Positionspapier und eine Presseerklärung zur Entwicklung von Testkriterien für hormonelle Wirksamkeit.3 Die dritte Akteursgruppe sind Behörden aus Mitgliedsstaaten, allen voran das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das BfR hat aktuell ein deutsch-britisches Positionspapier veröffentlicht4, gefolgt von einer Position der Dänischen Umweltbehörde5.

PAN Europe kritisiert in seiner Presseerklärung besonders scharf die Position des BfR, da diese unter anderem versuche, entgegen den politischen Vereinbarungen, über die vorgeschlagenen Definitionen und Klassifizierungen das Konzept der klassischen Risikoabschätzung bei endokrin wirkenden Pestiziden wieder einzuführen und damit die gerade gesetzlich festgeschriebene Vereinbarung zur Festlegung von Ausschlusskriterien auszuhöhlen. Außerdem sollten nach Auffassung von PAN die Befunde unabhängiger Forschung in die Evaluierung eingebunden werden, ebenso wie mögliche Kombinationswirkungen von ED-Pestiziden.

(Susanne Smolka)

1 EU-Kommission (2011): Interim report commissioned by EU on the State of the Art of Assessment of Endocrine Disrupting Chemicals: http://ec.europa.eu/environment/endocrine/documents/summary_state_science.pdf
2 Joint NGOs Position Paper (2011): on Proper Regulation of Chemicals with ED Properties: http://www.chemicalshealthmonitor.org/IMG/pdf/NGOs_requirements_EDCs_April_2011_FINAL.pdf
3 PAN Europe (2011): Press Release and Position Paper on Criteria for determining endocrine disrupting properties (May 2011): http://www.pan-europe.info/News/PR/110525.html.
4 BfR (2011): Joint DE-UK Position Paper regulatory definition of an Endocrine Disruptor in relation to potential threat to human health: http://www.bfr.bund.de/cm/343/regulatory_definition_of_an_endocrine_disrupter_in_relation _to_potential_threat_to_human_health.pdf
5 Danish EPA (2011): Establishment of Criteria for Endocrine Disruptors and Options for Regulation: Danish EPA proposal: Siehe: http://www.chemicalwatch.com/downloads/DK_ED_criteria-110517_finalcorr1[1].pdf

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