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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Riskanter Umgang mit Pestiziden in Burkina Faso

30.04.2011, PAN Germany, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief März / April 2011

Nur 1% der Bauern in Burkina Faso wenden die empfohlenen bzw. vorgeschriebenen Anwenderschutz-Maßnahmen an. Daraus resultiert eine hohe Vergiftungsrate. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Sekretariats der Rotterdamer Konvention1.

In afrikanischen Burkina Faso befinden sich die meisten Arbeitsplätze in der Landwirtschaft (86%). Die landwirtschaftliche Produktion erfolgt oft unter nicht sachgerechter Anwendung von Pestiziden. Dies hat zu einer großen Anzahl von Vergiftungen geführt. Um die menschliche Gesundheit zu verbessern und zu einer Erhöhung des Umweltschutzes beizutragen, unterstützte die Rotterdamer Konvention zur gegenseitigen Information im internationalen Handel mit gefährlichen Chemikalien die Durchführung einer Pilotstudie über den Umgang mit Pestiziden in Burkina Faso.

Die Studie wurde im Juni und Juli 2010 durchgeführt. Zielgruppen der Studie waren Agrarproduzenten, Pestizidvertreiber/Pestizidhändler und Mitarbeiter des Gesundheitssystems. Insgesamt wurden 97 Pestizidvertreiber/Pestizidhändler in 14 Untersuchungsgebieten und 153 verschiedene Pestizid-Formulierungen identifiziert. Zusätzlich wurden 650 Agrarproduzenten in die Studie einbezogen, bei denen im Zusammenhang mit der Pestizidausbringung 296 Vergiftungsfälle erfasst wurden.

Im Rahmen der Pilotstudie wurden zudem 42 Gesundheitszentren besucht. In diesen Zentren wurden 922 Vergiftungsfälle auf der Grundlage von Symptomen registriert. Nur in 22 Vergiftungsfällen wurden die Formulierung des Pestizidproduktes und die Umstände des Vergiftungsfalles detailliert erfasst. Fünf der 22 Fälle ereigneten sich während der Pestizidausbringung.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Pestizidanwender durchaus über Risiken der Pestizidanwendung informiert sind. Die Informationen führen jedoch nicht zu einer Verhaltensänderung, die geeignet wäre, die negativen Folgen des Pestizideinsatzes zu reduzieren. Die extrem seltene Anwendung von Schutzausrüstung ist, so die Studie, einerseits durch Sorglosigkeit bedingt, andererseits aber auch dadurch, dass Pestizidanwender sich Schutzkleidung nicht leisten können.

Zu den im Rahmen der Studie identifizierten risikoreichen Verhaltensweisen zählt zum Beispiel die Aufbewahrung von Pestiziden im Schlafraum, die Exposition von Familienangehörigen, ohne dass diese informiert wurden, die nicht sachgemäße Anwendung von Pestiziden im familiären Bereich oder das unkontrollierte Wegwerfen von Pestizidbehältern.

Die meisten Vergiftungen wurden durch das Unkrautvernichtungsmittel Paraquat verursacht (insgesamt 59 Vegiftungsfälle), gefolgt von Produkten mit der Wirkstoffkombination Endosulfan/ Cypermethrin (35 Vergiftungsfälle). 82,66% der Farmer sind von direkter oder verzögerter Pestizidexposition betroffen. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass wahrscheinlich oft eine chronische Gesundheitsbelastung durch Pestizide vorliegt.

Die hohe Vergiftungsrate und die mangelhafte Erfassung von Vergiftungen sind durch die prekären Lebensbedingungen der Bauern- und Landarbeiterfamilien, ein unzureichendes Gesund-heitssystem und die mangelhafte Implementierung der Gesetzgebung zu erklären.

Die Pilotstudie legt deshalb nahe, Pestizide wie Paraquat und Endosulfan, die hohe Vergiftungsraten verursachen, effektiv zu verbieten und diese zudem in die Rotterdamer Konvention aufzunehmen. Sie empfiehlt zudem, die für Pestizide zuständige Behörde DPV, die Gesundheitszentren und auch die gesundheitsbezogene Forschung besser mit Ressourcen auszustatten.

Seit Jahren setzt sich PAN für eine globale Regulierung von Paraquat und Endosulfan ein. Die Möglichkeit, dass dieses gelingen könnte, rückt derzeit in greifbare Nähe.

(Carina Weber)

1 Sekretariat der Stockholmer Konvention (2010): Pilot Study on Agricultural Pesticide Poisoning in Burkina Faso.

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