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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Endosulfan für globale Eliminierung vorgeschlagen

23.12.2010, Meriel Watts, PAN Asia and the Pacific)

Aus: PAN Germany PestizidBrief November/Dezember 2010

Am 11.-16.10.10 tagte in Genf ein Fachkomitee der Stockholmer Konvention zur Vorbereitung von Beschlüssen der Vertragsstaaten-Konferenzen, das "Persistent Organic Pollutant's Review Committee (POPRC)". Es entschied, das Insektizid Endosulfan für die globale Eliminierung vorzuschlagen. PAN setzt sich seit Jahren für die globale Eliminierung von Endosulfan ein. Nun scheint das Ziel deutlich näher gerückt zu sein.

Eines der zentralen Themen des sechsten Treffens des POPRC der Stockholmer Konvention war die Risikomanagement-Bewertung (Risk Management Evaluation - RME) von Endosulfan. Diese Befassung durch das POPRC war die letzte Etappe auf dem Weg hin zur abschließenden Beratung der Aufnahme von Endosulfan in die Stockholmer Konvention durch die Vertragsstaatenkonferenz.

Die sich lang hinziehenden Debatten im POPRC betrafen vor allem die Frage, ob funktionierende Alternativen zur Verfügung stehen. Das indische POPRC-Mitglied hatte erklärt, dass nicht-chemische Alternativen im indischen Baumwollanbau nicht wirken würden. Gleichzeitig wurde jedoch festgestellt, dass Indien weltweit der größte und weiterhin wachsende Produzent organisch angebauter Baumwolle ist. Die indische Vertretung wurde geschickt durch zwei der drei indischen Endosulfan-Produzenten unterstützt - einschließlich der in Regierungsbesitz befindlichen indischen Firma Hindustran Insecticides Ltd.

Nach umfangreichen Verhandlungen stimmte schließlich die Mehrheit der Komitee-Mitglieder der Risikomanagement-Bewertung von Endosulfan zu und stimmte darüber ab. Die Abstimmung war erforderlich geworden, weil das indische Mitglied verlautbarte, nicht länger an der Diskussion über Endosulfan teilzunehmen. Damit schlug Indien einen etwas weniger lautstarken Ton an, als in den Jahren zuvor, als Indien heftig gegen die Aufnahme von Endosulfan in die Stockholmer Konvention votierte und versuchte, alle Prozesse zur Aufnahme von Endosulfan in die Stockholmer Konvention zu blockieren.

Damit hatte das POPRC beschlossen, der nächsten Vertragsstaatenkonferenz zu empfehlen, Endosulfan in den Anhang A der Stockholmer Konvention aufzunehmen - jedoch mit Ausnahmen für spezifische Verwendungen. Neuseeland hatte beantragt, Endosulfan ohne jegliche Ausnahme für die globale Eliminierung in die Stockholmer Konvention aufzunehmen. Argentinien und Sambia hatten demgegenüber vorgeschlagen, Endosulfan in den Anhang B aufzunehmen, was bedeuten würde, dass die Endosulfan-Verwendung mit unbestimmtem Ende erlaubt sein würde. Die diskutierten agrarpraktischen Hauptprobleme waren Stinkwanzen in Soja und Schädlinge im afrikanischen Baumwollanbau.

Die Aufnahme in Anhang A bedeutet, dass die Produktion und die Verwendung von Endosulfan weltweit verboten ist, sobald die zeitlich befristeten Ausnahmeregelungen enden. Ausnahmen gelten für fünf Jahre, danach können auf Anfrage weitere fünf Jahre bewilligt werden. Anträge auf Ausnahmen werden im Rahmen der Vertragsstaatenkonferenz am 25. bis 29. April 2012 in Genf zu beraten sein.

Ein anderer Aspekt des POPRC Meetings war die Aneinanderreihung von Ankündigungen durch Staaten, Zulassungen von Endosulfan auslaufen zu lassen bzw. die Anwendung zu verbieten. Es begann mit der Bekanntmachung der koreanischen Regierung, die Endosulfan-Nutzung zum 6. Dezember 2011 zu beenden (Korea ist auch Endosulfan-Produzent, so dass jetzt gehofft werden kann, dass auch die dortige Produktion beendet wird). Dann verkündete Japan, für die Zeit nach dem 29. September 2010 keine neue Zulassung erteilt zu haben - dies ist gleichbedeutend mit einem Verbot. Die USA teilten mit, dass sie im Juni 2010 ein Auslaufen der Endosulfan-Nutzung über den Zeitraum von sechs Jahren beschlossen hatten. Im Verlaufe des Meetings machte die australische Regierung - sehr zur Freude australischer NGOs - bekannt, dass ein vollständiges Verbot in zwei Jahren wirksam werden würde. Brasilien machte bekannt, dass dort im Juli 2010 beschlossen wurde, Endosulfan ab Juli 2013 einem vollständigen Verbot zu unterwerfen. Bezüglich des brasilianischen Verbotes ist von Bedeutung, dass Risiken endokriner und reproduktionstoxikologischer Effekte für Bauern entscheidungsrelevant waren - obwohl das Verbot beim Anbau von vier Kulturen (Soja, Baumwolle, Kaffee und Zuckerrohr) als Herausforderung angesehen wird. Dann kündigte Kanada an, die Erlaubnis der Endosulfan-Verwendung auslaufen zu lassen, allerdings ohne Nennung eines Zeitrahmens. Ähnlich verhielt sich Togo. Seit dem POPRC Meeting hat zudem auch Paraguay das Ende von Endosulfan angekündigt.

Insgesamt haben 73 Länder Endosulfan verboten oder sie lassen die Erlaubnis der Nutzung auslaufen. Damit verbleiben jetzt 21 Staaten, die das Insektizid noch erlauben bzw. von denen Pläne zur Beendigung der Zulassung (Industrie-Informationen zufolge) nicht bekannt sind.

Das Meeting befasste sich auch mit Vorschlägen zur Änderung des Risikoprofils von Endosulfan, insbesondere bezüglich der Krebs erzeugenden und endokrinen Wirkung sowie der Genotoxizität. Im Rahmen des fünften Meetings des POPRC hatten Indien und China Bedenken formuliert, dass die Informationen über diese Aspekte der Toxizität von Endosulfan nicht ausreichend seien. Wie sich dann jedoch zeigte, brachten weder Indien noch China weitergehende Informationen bei. Demgegenüber lieferten jedoch PAN und IPEN ergänzende Nachweise für die genotoxische und endokrine Wirkung von Endosufan. So blieb des Risk Profil letztendlich unverändert.

(Meriel Watts, PAN Asia and the Pacific)

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