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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Imidacloprid: Langzeitrisiken unterschätzt

31.10.2010, PAN Germany, Susan Haffmans

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief September / Oktober 2010

Der Toxikologe Dr. Henk Tennekes weist in einer aktuellen Studie nach, dass die Langzeitrisiken der Insektizide Imidacloprid und Thiacloprid weitaus größer sind, als bislang angenommen.

In der Studie "The significance of the Druckrey-Küpfmüller equation for risk assessment - The toxicity of neonicotinoid insecticides to arthropods is reinforced by exposure"1, erklärt Tennekes das gängige Verfahren zur Bestimmung der Auswirkungen von bestimmten Dosen eines Wirkstoffs auf einen ausgewählten Organismus. Er belegt, dass die Expositionsdauer einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie hoch eine Dosis sein muss, um einen schädigenden Effekt auf den Testorganismus auszuüben. Setzt man beispielsweise Honigbienen über einen längeren Zeitraum einer niedrigen Konzentration von Imidacloprid aus, so kommt es zu letalen Effekten obgleich die Gesamtbelastung 60-6000mal unterhalb der Dosis liegt, die den gleichen Effekt in Testverfahren zur Ermittlung der akuten Toxizität hat.

Das Risiko von Pestiziden wie Imidacloprid und Thiacloprid wird demnach erheblich unterschätzt. Dies gilt besonders für Wasserlebewesen, Bodenorganismen und Bienen. Die bislang gültigen Grenzwerte wurden weitgehend aus Kurzzeit-Tests abgeleitet. Würde man Langzeit-Versuche durchführen, könnten schon bei wesentlich geringeren Konzentrationen verheerende Schäden auftreten.

Tenneken kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass die Belastung mit niedrigen Neonicotinoid-Dosen einen negativen Einfluss auf das Sammelverhalten und das Lernvermögen von Honigbienen haben können und somit in Folge subletale Imidacloprid-Konzentrationen sich schädigend auf die Bienenkolonie auswirken und dadurch den Zusammenbruch einer Kolonie verursachen können.

Imidacloprid wird unter den Handelsnamen Gaucho, Provado und Admire angeboten, der Wirkstoff zählt zu den meistverkauften Pestiziden weltweit. Thiacloprid wird unter den Namen Biscaya, Proteus und Calypso vertrieben. Beide Wirkstoffe gehören zur umstrittenen Wirkstoffklasse der Neonicotinoide, die u.a. zur Behandlung von Saatgut verwendet wird. Hersteller ist die Bayer CropScience AG, die im vergangenen Jahr allein mit Imidacloprid 606 Millionen Euro erlöste. Das Neonicotinoid Clothianidin, das Nachfolgeprodukt von Imidacloprid, hatte vor zwei Jahren das großflächige Bienensterben in Süddeutschland verursacht, dem 12.500 Bienenvölker zum Opfer fielen. Seit 2009 ist die Verwendung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zur Maissaatgut-Behandlung verboten, die Zulassung der Beizung mit Methiocarb wurde stark beschränkt.

Neonicotinoide können wegen ihrer hohen Persistenz mehrere Jahre im Boden verbleiben. Da sie systemisch wirksam sind, können die Wirkstoffe noch in den Folgekulturen wirksam werden und über die Wurzeln in alle Pflanzenteile transportiert werden.

Mit der Forderung, die Bienengefährlichkeit als Ausschlusskriterium in die 2009 neu verabschiedete EU-Zulassungsverordnung aufzunehmen, konnten sich die Umwelt- und Imkerverbänden leider nicht gegen die Agrar- und Pestizidlobby durchsetzten. Derzeit sind in der EU circa 33 bienengefährliche Wirkstoffe zugelassen. Von den hier in Deutschland derzeit zugelassenen Pestizidprodukten enthalten circa 180 Pestizidprodukte bienengefährliche Wirkstoffe, die in allen Kulturen, im Ackerbau, Obst- und Gemüsebau, im Forst und im Vorratsschutz eingesetzt werden.

(Susan Haffmans)

1.Henk A. Tennekes (2010): The significance of the Druckrey-Küpfmüller equation for risk assessment-The toxicity of neonicotinoid insecticides to arthropods is reinforced by exposure time. In: Toxicology, Volume 276, Is-sue 1, 30 September 2010, pages 1-4

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