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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Bt-Baumwolle: Schlechte Wahl für Bauern in Süd-Indien

30.09.2010, PAN Germany, Alexandra Perschau

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Juli / August 2010

Mit einer neuen Studie zeigt Greenpeace, dass Bt-Baumwolle für indische Bauern keine gute Wahl darstellt. Entgegen der weit propagierten Darstellung, dass gentechnisch veränderte Baumwolle einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten kann, zeigen die britischen Forscher, dass Bauern unter Farmbedingungen im Süden Indiens mit dem Anbau von Bt-Baumwolle ökonomisch schlechter dastehen, als Bauern, die die Naturfaser biologisch erzeugen.1

Die Autoren der durch Greenpeace beauftragten Studie haben im südindischen Bundesstaat Andra Pradesh die ökonomische Situation von Bt- und Bio-Baumwollbauern und deren landwirtschaftliche Praktiken verglichen. Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf diesen Bundesstaat. Neben seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung als drittgrößter Baumwolllieferant des Subkontinents sind die dort vorherrschenden Anbaubedingungen auf viele Entwicklungsländer übertragbar: Kleinbäuerliche Betriebe bauen dort unter Armutsbedingungen die Baumwolle ohne Bewässerung an.

Das Design der Studie ist gut durchdacht und die befragten Bauern wurden sorgfältig ausgewählt. Für die Untersuchung sollten für die Farmer möglichst gleiche Parameter vorhanden sein. Der einzige Unterschied lag in der Nutzung bzw. Nicht-Nutzung von Bt- Baumwolle. Es wurden Daten über sämtliche ökonomischen Aspekte erhoben und dabei auch die beiden Anbauperioden 2008/09 und 2009/10 verglichen. Der Umstand, dass es sich bei diesen beiden Perioden um klimatisch sehr unterschiedliche handelt, macht besonders deutlich, mit welchen unbeeinflussbaren Risiken der Anbau behaftet ist.

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass der Anbau von Bt-Baumwolle für die Bauern mit einem hohen Risiko behaftet ist. Die Kosten für den Anbau sind für die Bt-Bauern fast doppelt so hoch wie für die Bio-Bauern. Gleichzeitig gibt es keine signifikanten Unterschiede bei den Ernteerträgen. Die Bt-Bauern nutzen weiterhin große Mengen und eine große Bandbreite an Pestiziden. Insgesamt wurden 26 verschiedene Pestizide identifiziert, darunter die extrem und hoch gefährlichen Stoffe Monocrotophos (WHO 1b "hoch gefährlich"), Methylparathion (WHO 1a "extrem gefährlich") und Trozophos (WHO 1b). Dennoch haben die Bt-Bauern unter einem höheren Schädlingsbefall zu leiden als ihre biologisch wirtschaftenden Kollegen. Während der Saison 2008/09 konnten Bt- und Bio-Bauern noch ähnliche Nettoeinkommen erzielen. Allerdings änderte sich dies deutlich in der von Trockenheit stark betroffenen Anbauperiode 2009/10. In dieser Anbauperiode lagen die Nettoeinkommen aus der Baumwolle für die Bio-Bauern 200% höher als für die Bt-Bauern. Während die Bt-Bauern die Saison 2009/10 mit ca. 120 Euro Schulden pro Acre (ca. 300 Euro/ha) abschlossen, konnten die Bio-Bauern selbst in der schlechten Saison durch die niedrigen Anbaukosten einen Gewinn von 85 Euro pro Acre (212 Euro/ha) erwirtschaften.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Bauern, die in ökologisch und in ökonomisch effiziente, diversifizierte Anbausysteme investieren und mehr auf ihre Dorfgemeinschaft setzen, bessere Ergebnisse erzielen. Bt-Bauern hingegen haben hohe Anbaukosten, setzen auf ein Anbausystem mit hohem Chemikalienverbrauch und geringer Vielfalt. So sind sie anfällig für hohe Schulden und sie sind einem hohen Risiko des finanziellen Zusammenbruchs für den gesamten Haushalt bzw. die gesamte Familie ausgesetzt.

Zusammenfassend machen die Ergebnisse der Untersuchung deutlich, dass Bt-Baumwolle ein erhebliches finanzielles Risiko bedeutet für von Armut betroffene Kleinbauern, die Regenfeldbau betreiben. Auf der anderen Seite stellt Bio-Baumwolle offensichtlich eine Option zur Reduzierung von Armut und der Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten dar.

(Alexandra Perschau)

1 Reyes Tirado (2010): Picking Cotton - The choice between organic and genetically engineered cotton for farmers in South-India. Greenpeace Research Laboratories. GRL-TN 03/2010.

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